Sa 18.09. (Yangon) Um halb sechs sind wir am Busbahnhof Yangon und ich lass mich im strömendem Regen mit dem Taxi zum Busbahnhof, von dem die Strandbusse abfahren, bringen. Nach einer Stunde Wartezeit fährt der Bus nach Pathein los. Doch nach einer weiteren Stunde ist die Fahrt für mich zu Ende. Wir werden von einer Militärkontrolle gestoppt und da mein Visum heute abläuft, darf ich nicht mehr weiterfahren. Muss aussteigen und zwischen 10 Militärtypen am Straßenrand auf einen Bus zurück nach Yangon warten. Sie bringen mir ein Bänkchen, auf dem ich (gefühlt wie eine Sünderin) sitzen darf. Nach einer halben Stunde kommt ein Localbus, der von dem Militaries genötigt wird mich mitzunehmen. Kein Sitzplatz ist mehr frei, so dass ich vorne auf einem Plastikstühlchen sitzen darf. Es regnet und die Fahrt durchs Delta ist etwas deprimierend. Was mach ich nur im langweiligen Yangon? Shoppen? Zumindest gönn ich mir ein gutes Guesthouse und lande im Motherland, das bei weitem die schrägste Gästebesetzung meiner ganzen Weltreise hat. 2 Residents, ein fast Resident, der sich gerade als Lehrer beworben hat. Dieser sieht aus wie Ozzy Osbourne in Blond und ist Australier. Der andere Lehrer ruft durch ein in der Wäsche verlorenes T-Shirt, das nun ein Angestellter trägt, eine Hostelkrise und einen Riesenkrach mit Tränen hervor. 5 Mennoniten aus Pennsylvania, bei denen die Mädels lange Kleider und Kopftücher tragen, die hier Urlaub von ihrer Thailändischen Missionarsschule machen, dann ein paar Touris, die ich teilweise schon kenne und die kleinen durchgeknallten Jungs und Mädels, die hier arbeiten und von einer strengen Chefin befehligt werden. Als der Regen aufhört, schlendere ich zum Supermarkt und bin erschlagen vom Warenangebot. Es gibt Schokolade und den Rotwein, den ich am Inle-Lake probiert habe. Locker bin ich von ein bisschen Geld befreit. Dann ab in die Innenstadt, Kinofilme checken und beim Inder essen. Bin hundemüde und nach einem Bierchen im Guesthouse bei einer „The Office-“DVD, das ist Stromberg auf englisch, fall ich ins Bett. 

So 19.09. (Yangon) Genieße das Riesenfrühstück und werde danach etwas ungemütlich,d.h. mit harschem Klopfen an meine Zimmertür, gefragt, wann ich denn abreisen werde. Ein Uniformierter hat die Gästeliste gecheckt und mein abgelaufenes Visum bemerkt. Ohoh. Meine neuen Guesthousefreunde lachen sich mal wieder schlapp und das Wort „overstay“ wird zum Running Gag. Als ich bestätige, dass ich morgen mit dem AirAsia-Nachmittags-Flug verschwinde, sind alle erstmal zufrieden. Ich geh wieder in die Stadt, gönn mir einen Cappuccino beim Café Aroma, das ist der burmesische Starbucks, und danach den Film „Inception“ im Kino. Mal wieder anders in Myanmar, nach den Filmvorschauen ertönt die Nationalhymne und die meisten stehen im vollbesetzten Kino auf. Alles knabbert Popcorn oder sowas und das den ganzen Film über. Lärm ist für die Asiaten einfach kein Problem. Dennoch find ich den Film toll, soweit ich was verstehe und Leonardo di Cabrio find ich diesmal richtig gut. Die letzte Stunde ist allerdings etwas frisch, da die Klimaanlage auf Hochtouren läuft und ich vor Kälte fast aus dem Kinosaal geblasen werden. Zum Schluß und letzten Abend in Myanmar esse ich luxuriös im Edelrestaurant Monsoon, ein Ayeyarwady Butterfish Curry und zum Nachtisch einen hausgemachten Joghurt. Yammie. Der Abend klingt aus mit den lustigen Guesthouse-Leuten (overstay und lemonates) und ein letztes Mal kommt Backpackerfeeling auf.

Mo 20.09. (Yangon) Heute morgen frühstücke ich und sitze ansonsten nur in der Lobby und schreibe Blog. 3 nette Männer, die ich von Bagan kenne, treffen gerade ein und wir tauschen noch mehr Reisegeschichten aus. Overstay ist in aller Munde. Bevor der gratis Airport Shuttle abfährt, treffen 2 Immigrationbeamte im Guesthouse ein und die Umstehenden, die meine Geschichte kennen, kriegen mal wieder das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Doch keiner der Beamten fragt oder eskortiert mich, sie warten vermutlich nur, dass ich endlich das Land verlasse. Ich winke noch freundlich zum Abschied aus dem Bus und hoffe, dass ich am Flughafen keine Ärger bekomme. Der AirAsia-Checkin ist jedoch schon die erste Hürde. Mit 22,6 Kilo hab ich das Mindestgewicht von 20kg mit mehr als 10% überschritten. Mist, nochmal umpacken. Beim Immigrationschalter gestehe ich sofort mein Delikt des Overstays ein und ein Beamter in diesmal weißer Uniform (ist das hier die Marine oder was?) begleitet mich unauffällig ins Büro hinter den Toiletten. Upss. Nach einer fast schon lächerlichen Standpauke. „You broke my rules and now you immediately have to leave my country“ (Warum bin ich wohl hier am Flughafen, um mit den Beamten zu tratschen?) verkneife ich mir mühselig einen Kommentar und das Lachen, entschuldige mich förmlich, gebe alles zu und muss nur 6 Dollar bezahlen. Tolle Show, die lachen sich sicher sofort schlapp, nachdem ich das Büro verlassen habe. Und das guter Bulle, böse Bulle-Spiel kennt ja inzwischen jeder, der schon den einen oder anderen Kinofilm gesehen hat. Im Pass trage ich jetzt einen Stempel „Deported“ und das auch noch durch die Militärjunta in Myanmar. Ob ich wohl jemals wieder einreisen darf? Glaub schon, nachdem ich die Beamten später doch noch grinsen gesehen habe. Die mitreisenden Holländer amüsieren sich mal wieder köstlich, als ich ihnen die Story beim Kaffee erzähle. Doch dann schon ab ins Flugzeug und auf nach Bangkok, das unter dem Motto des berühmten Songtextes „One night in Bangkok“ steht. Riemke und ich suchen uns ein Zimmer in der Nähe der Kao San Road, der Partymeile von Bangkok. Unglaublich wie global die Welt ist, beim späteren Essen und Bier, könnten wir auf Malle am Ballermann oder sonst wo sitzen. Zumindest ist das PadThai gut.

Di 21.09. (Bangkok) Heute morgen nur noch ein schnelles Frühstück und schon bin ich mit dem Bus zum Flughafen unterwegs. Alles läuft problemlos, sogar das bisschen Übergepäck (21,6kg) wird von AirBerlin wortlos akzeptiert. In 10Stunden sind wir in Berlin und dann Frankfurt und ich kann immer noch nicht fassen, dass ich nach fast 1 Jahr Reise wieder zu Hause sein werden. 21 Länder hab ich besucht, die verschiedensten Verkehrsmittel vom Rikscha über Pferd bis zum Flugzeug genutzt, unglaublich viele nette Leute kennen gelernt, Tauchen gelernt, meine Höhenangst mehr oder weniger überwunden und letztendlich noch mehr Reisefieber bekommen. Den Heimweg begehe ich nun mit gemischten Gefühlen wegen Job, Arbeitsamt, Wohnung und Geld, doch insgesamt freu ich mich aufs normale Leben und Geldverdienen, und dass ich vielleicht bald wieder reisen kann ;-). Fotos, Gedanken und Leben sortieren sowie Familie und Freunde besuchen und Souvenirs verteilen werden wohl meine wichtigsten Aufgaben in den nächsten Wochen sein. Was bleibt wohl von der Reise übrig außer Erinnerungen und geschätzte 20.000 Fotos? Gleitschirmfliegen, Frisbee spielen, Westernreiten, Spanisch auffrischen und deutsche Trekkingwege erkunden? Schaumermal. Ich freu mich jedenfalls drauf.

So 12.09. (Mandalay) Weils morgens wie aus Kübeln schüttet, verzichte ich auf ein weiteres Tempel/Marktprogramm und vertreibe mir die Zeit im Internet und beim Packen. Der Zug nach Naba/Katha geht um 12Uhr mittags und die angekündigte Ankunftszeit ist 21 Uhr. Ich habe 1. Klasse gebucht, das heißt nix anderes als eine dünne Matte auf den Holzbänken, die ansonsten komplett hart wären. Bin mit 3 anderen Frauen in einer Viererbank und umgeben von unglaublichen Mengen Gepäck, Lebensmitteln und Haushaltswaren. Als die Fahrt beginnt bin ich noch frohen Mutes, doch bald wird das Auf-und Abhüpfen des Zuges im Wechsel mit einem unglaublichen Hinherschwanken richtig anstrengend. Freunde mich mit den 3 Frauen in meiner Sitzreihe an, die leider kein Englisch sprechen, so werde ich halt mal wieder durchgefüttert und etwas bemitleidet, als ich auf Nachfrage in Zeichensprache mitteile, dass ich keine Kinder habe. Die Schwangere gegenüber leidet besonders unter den Auf-und Abhüpfern des Zuges und verzieht schmerzvoll das Gesicht, wenn’s mal wieder besonders hoppelt. Die Mädels sind hier echt hart im nehmen. Ich fürchte zwischendurch, dass der Zug entgleisen könnte, wie es schon vor 5 Tagen passiert ist. Es regnet wieder. Wir schließen die Fensterläden und der Wagon liegt im Dunkeln. Auch schön und stickig. Aus den angekündigten 9 Stunden Fahrt werden leider 15 Stunden und das natürlich bis tief in die Nacht um 3Uhr. Die Leute verteilen sich auf Matten in den Gängen, liegen zusammengekauert auf den Bänken und ich weiß nicht, wohin mit meinen Beinen und komm mir viel zu groß vor. Da ich die halbe Nacht damit rechne endlich anzukommen, schlaf ich kaum und erst als ich einen Fahrkartenkontrolleur mit dürftigen Englischkenntnisse finde, der irgendetwas von 2Uhr murmelt, schlummer ich für 1 Stündchen in der ungemütlichsten Stellung überhaupt. Nachts am Zielort Naba wartet gottseidank ein Bus, der nochmal eine Stunde lang nach Katha holpert. Um halb fünf fall ich endlich nach einer Mandidusche (Eimer Wasser ausem Wassertank) völlig fertig ins Bett und gönne mir 3 Stunden tiefen Schlaf im Guesthouse „Golden Dream“. Die Namen der Guesthäuser in Myanmar sind allein schon eine superamüsante Sammlung von Kuriositäten: Ocean Pearl, Motherland, Royal Guesthouse, New Heaven und Friendship, Aquarius Inn. Mineralwasser heißt hier Happy und Lucky, die Zigaretten Red Ruby und Blue Diamond. Viele Unternehmen tragen mit ihren Namen extra dick auf. Das Restaurant Best Unique Quality Food am Inle Lake fanden wir so übertrieben, dass wir es boykottiert haben.

Mo 13.09. (Katha) In Katha hat Georg Orwell (alias Eric Blair) gelebt, dessen Buch „Burmese Days“ ich gerade erst gelesen habe. Ja, genau der Autor von 1984 und Animal Farm hat als englischer Polizist in Burma gelebt. Trotzdem find ich nix an diesem Dörfchen, dafür bin ich mal wieder die Attraktion. Ein kleines Mädchen zeigt beim Frühstück mit dem Finger auf mich und kriegt sich nicht mehr ein vor lauter Aufregung. „Komische große, weiße Frau“ ruft sie vermutlich ihrer Freundin zu und ihre Großmütter finden mich auch ganz lustig. Lächeln, lachen und ich mampfe meine fettigen Chapatis mit Dahl/Linsensuppe. Und trinke den süßesten Kaffee der Welt, der eigentlich nur aus Kondensmilch und 3 Körnchen Kaffeepulver besteht. Dann aufs Bötchen. Doch so klein. Bin völlig eingequetscht zwischen Locals. Komm mir sooo groß vor. Die Beine zu lang, die Knie stoßen an. Irgendwann komm ich ins nonverbale Gespräch mit eine Myanmar-Chinesin, die 2 Wörter Englisch spricht. Sie zeigt immer wieder begeistert auf landschaftliche Höhepunkte, wie Wasserfälle, Kalksteinfelsen am Flußrand und dann der ganze Stolz, eine Brücke wird gebaut. Wir gleiten durch idyllische Landschaften, mit Ochsenkarren, Wasserbüffeln am Wegesrand. Fischer, Frachtkähne und schließlich die „Road to Mandalay“ ein Luxusdampfer, dessen wenige Touristen uns begeistert zuwinken. Die Einheimischen und ich winken zurück. Wer hat den Leuten eigentlich gesagt, dass man immer winken muss, weil die „Inglakeim“ also die Engländer das so mögen? Vor allem die Schulkinder stehen echt drauf. Gern begleitet von „Hello, where are you going“ als Standardansprache und einzigem englischem Wortschatz. „Which country“ oder „Where from“ ist dann schon fast ein richtiges Gespräch. Luschtig! Nach 7 Stunden ohne Klo sind wir endlich in Bhamo angekommen. Bin ich froh! Das Friendship-Hotel ist eine Art Business-Hotel für Chinesen und so viel besser als mein 3 Stunden-Hotel „Golden Dream“ in Katha. Und das Frühstückbuffet erst. Ich leg mich erstmal hin und erkunde später die „Stadt“. Das Örtchen ist so verschlafen und doch so nahe an der chinesischen Grenze, dass sehr viel Handel oder auch Schmuggel getrieben wird. Hier haben die Leute sogar teilweise Handys (große mit Antennen!), vermutlich mit chinesischem Netz, weil ansonsten die Registrierung mit burmesischer Nummer über 1000 Dollar kosten würde. Der Marktalltag der verschiedenen Stämme läuft allerdings wie überall ab. Alles alltägliche vom Essen über Plastikbehälter, bis zu geflochtenen Körben, Holzkohleöfchen, Textilien aller Art, vor allem Longyis, die Röcke für Männer und Frauen, rote Bethelnüsse zum Kauen, gibt’s überall. Auch hier sind sie wohl die Touris kaum gewöhnt, ich werde mal wieder angestarrt, doch nicht ganz so schlimm wie in Katha. Zum Abendessen lande ich bei einem indischen Restaurant. Curry mit Chapatis und Reis. Der Chef-Inder spricht ein bisschen englisch und beherbergt einen ganzen Zoo hinten in seinem Restaurant. Die Babykatze jagt die Papageien und in jeder Ecke hängen Hunde, weitere Katzen und einige Aquarien mit Fischen rum. Hoffe, dass sie nicht das eine oder andere Tier hier verkochen. In China isst man ja mal gerne Hund oder Affe. Da es hier sonst nix zu tun gibt, geh ich bald ins Bett.

Di 14.09. (Bhamo) Mein ausführliches Frühstück mit einem Song in Endlosschleife (irgendwas burmesisches mit dem Wort „Rendezvous“ drin) ist ein echter Traum. Dann nochmal durchs Örtchen streifen. Versuche ein Bootsticket zu kaufen, doch der Beamte vom regierungseigenen Wassertransport erzählt mir irgendwas fast unverständliches darüber, dass morgen früh kein Boot ginge und ich doch trotzdem um 5.30Uhr am Bootsanleger danach Ausschau halten sollte. Komisch. Egal, ich muss ja irgendwie zurück nach Mandalay kommen, wird schon klappen. Dann langweil ich mich im Ort, lese ein bisschen, wandere an Kühen auf der Kreuzung und Nonnen im rosafarbenen Gewand und roten Regenschirmen vorbei durch den Ort. In einem Teahouse gibt’s 3in1 Kaffee und irgendwelches ultrasüsses Gebäck. Genau richtig für mich. Abends geh ich in die Beer Station und esse undefinierbares Gegrilltes. Hoffe, dass es nicht irgendwelche Innereien waren. Mini-Eier (von Tauben oder sogar Wachteln, ok, jetzt träum ich), Ladyfinger (Okra) und etwas schwierig zu kauendes. Hühnerherzen? Ach nö. Mit frisch gezapften Bier geht’s ganz gut runter. Und schon bin ich wieder im Schlummermodus.  

Mi 15.09. (Bhamo) Um 5.30Uhr steh ich an der Rezeption und das freundliche Freundschaftshotel hat einen Transport zum Jetty vorbereitet. Leider stelle ich am Hafen fest, dass kein Boot geht. Um 15Uhr soll das nächste nach Mandalay ablegen. Also zurück ins Hotel. Auf der Straße ist schon viel los. Die Uhren ticken in Myanmar anders. Wenns dunkel wird um halb sieben wird geschlafen und wenns hell ist, gearbeitet oder so. Doch ich leg mich trotz Helligkeit wieder hin. Um 8 werd ich von einem Hotelangestellte geweckt und er teilt mir mit, dass ein anderes Boot um 9Uhr geht. Das 15Uhr Boot ist kaputt und das Ersatzteil kommt nicht rechtzeitig an. Auf ein neues. Im Bus zur anderen Anlegestelle sind außer mir 3 Chinesen (ohne Kontrabass) und 1 Australier. Wir werden vor Ort auf ein Frachtschiff verladen und um ca. halb elf legt das voll mit Frachtgut beladenen 2 stöckige Schiff ab. Riesenpakete mit Decken, Undefinierbarem, 2 Autos, 1 Motorrad sind an Bord. Außer uns nur noch die Mannschaft mit Familie, 2 Köchinnen und eine muslimische Familie. Ich buche eine Kabine mit dem Australier zusammen. Alles ultraschmutzig, das übelste ist die Gemeinschaftstoilette und der Australier und ich wechseln uns beim Ekeln ab. Ich kündige jedes Mal an, bevor ich zu meinem Favourite place gehe. Bin ich froh, dass noch ein weiterer Touri an Bord ist. Wir sitzen erstmal vor der Kabine auf meiner Matte und lassen die Landschaft vorbeistreichen. Dann werden Stühle und Bänke als Frachtgut an Bord geholt und wir setzen uns gleich drauf und fühlen uns wie die Könige oder Touris auf der „Road to Mandalay“. David erzählt mir seine Lebensgeschichte und wir klettern irgendwann aufs Dach zum Käptn auf die Brücke. Dort oben haben sich schon die Chinesen niedergelassen. Sie sind Geschäftsleute aus der Textilbranche und lästern gerne mal über die Burmesen. Egal, wir versuchen auch mit den inzwischen zugestiegenen Burmesen Kontakt aufzunehmen. Mit gebrochenem Englisch und dutzidutzi mit den Kids klappts dann doch irgendwie. Wir kommen in der Dunkelheit also ungefähr um sieben in Katha an und erfahren, dass wir hier übernachten und nicht in der Nacht fahren werden. Das kann also noch etwas länger dauern. Wir essen bei der supernetten Köchin, die auf dem Feuer im Heck des Schiffes ein Fried Rice mit Gemüse zubereitet. Und begeben uns dann in das schmutzigste Bett aller Zeiten. David gibt sich eine kleine Flasche Whisky und ich eine Cola. Was ne Dröhnung. Wasser zum Waschen gibt’s völlig überraschend übrigens keines.

Do 16.09. (Katha) Morgens um 5 werden wir durch laute Diskussionen geweckt. Ein großer Teil der Ladung wird von Hand oder besser gesagt auf Schulter abgeladen. Alles über ein paar Holzplanken (wie ist so das Auto an Bord gekommen?) und ein paar neue Passagiere steigen ebenfalls zu. Das kann ja noch dauern. Laut dem „Boss“, einem dicken Mann, der seinen Longyi hoch über den Bauch gezogen hat und gerne mal einen kleinen coolen kleinen Hut trägt, fahren wir um sieben los. Wir frühstücken die gleichen fettigen Chapatis, die ich schon vor 2 Tagen hatte und versuchen dann den britischen Club aus dem Orwell-Buch zu finden. Vergeblich. Doch die erwähnte Minikirche finden wir. Die Stimmung, an diesem fast vom Urwald zugewachsenen Ort hat sich, wie in Orwells Buch beschrieben, kaum geändert, nur die Briten fehlen. Um 8 hupt die Bootssirene und wir kehren zurück an Bord zu einer weiteren langen geruhsamen Fahrt. Jetzt erfahren wir, dass wir noch eine Nacht auf dem Schiff verbringen werden. Meine Laune sinkt etwas. Damit hab ich nicht gerechnet. 1,5 Tage waren angesagt. Doch die Übernachtung in Katha war wohl nicht geplant. Wir machen das beste draus, trinken Kaffee und Tee. Versuchen mit irgendwelchen Leuten zu sprechen oder zu gestikulieren und finden mal wieder interessierte Einheimische, die sich bei uns neben der Matte niederlassen. Die Fracht-Stühle sind leider inzwischen von Locals in Beschlag genommen. Der Tag gleitet dahin und die Stunden vergehen mit Lesen, Fotografieren, Schwätzen und in der Dunkelheit erreichen wir Kyaukmaung. Heute abend gehen noch Passagiere von Bord und wir legen glücklicherweise wieder ab, um nachts in Richtung Mandalay zu fahren. Etwas unheimlich, weil die meisten Boote keine Lichter haben und jedenfalls von uns nicht gesehen werden. Nach Davids Gutenachtgeschichte (mein vorheriges Leben als Gefängniswärter, besser als Insasse) schlafen wir ein.

Fr 17.09. (Ayeyarwady-River) Als wir um 6 aufwachen, haben wir schon angelegt und schon wird wieder Ladung gelöscht. David checkt die Lage und stellt fest, dass wir „schon“ in Mandalay“ angekommen sind. 6 Stunden früher als angekündigt. Puh, bin ich erleichtert. Die Kaffeeküche ist schon zu, wir verabschieden uns von der Köchin und fahren mit dem nächsten Trishaw (Rikscha) zum Guesthouse in Mandalay. Bin ich froh, als ich unter der wohlverdienten Dusche stehe und entscheide mich spontan mit dem Nachtbus um 18Uhr nach Yangon weiterzufahren, um noch 2 Tage am Strand zu verbringen. Bin fit, hab ja im Gegensatz zu David geschlafen und lasse mich mit dem Moped von Asuhi (mein altbewährter Mopedkumpel) zum Teak Wood Monastery, dem Jade-Markt und dem Goldblättchen-Markt fahren. Im Kloster ist keiner da, vermutlich schlafen alle während der Mittagshitze. Faszinierend wie Jade geschliffen wird und die Goldstückchen mit Hämmern mit der bloßen Manneskraft zu extrem dünnen Blättchen geschlagen werden. Das wäre wohl mit keiner Maschine der Welt machbar, sagen die Marktleute. Jetzt hab ich wirklich alles in Mandalay gesehen und kann beruhigt abfahren. Der Nachtbus ist überraschend gut klimatisiert, so dass ich schon fast friere. Und zumindest ein bisschen schlafen kann. Einziger Wermutstropfen, mein Sitznachbar schläft so gut, dass er gerne mal mit seinem Kopf auf meine Schulter sinkt. Bissel zu vertraulich, der asiatische Schlafkünstler.

Mi 08.09. (Mandalay) Ein Taxi bringt uns (10 Touris ausem Hostel) um 4.30Uhr zum Jetty. Das Boot nach Bagan soll um 5.30Uhr ablegen. Wir haben das local slow boat gebucht, kommen uns aber sehr kolonial vor, weil wir erhöht über den Burmesen auf Plastikstühlen sitzen dürfen. Die Einheimischen sitzen auf Matten auf dem Boden, nunja, sie sinds wohl gewöhnt. Ungefähr 10 Touris aus allen möglichen Ländern unterhalte ich mich mit den Jungs, die ich schon vorher getroffen habe, nämlich Christof, Roy, Hauke, Hamish und treffe ein finnisches und 2 französische Pärchen, eine durchgeknallte Russin, die Myanmar in nur 6 Tagen bereist, einen Neuseeländer und ein Paar aus Sri Lanka. Nach 11stündiger Fahrt, die ich 10 Stunden lang lustig finde, wegen der vielen Stopps, Dörfern mit Nichts, manchmal nicht einmal einer Andeutung von Hafen, sondern nur Ufer und einer Planke, die vom Schiff gelegt wird und Schweine, Ochsenkarren und Menschen. Die Passagier und Händler tauchen aus dem Nichts auf, wenn das Schiff hupt.Das erste Dorf verkauft vor allem Bananen en masse und wird daher für uns zum Bananendorf, das nächste das Melonendorf. Doch was kommt als nächstes? Veronika und ich wünschen uns Mangos und dann Ananas, leider kommt nichts mehr Fruchtiges. Wir essen auf dem Schiff, in der improvisierten Feuerküche im Heck. Fried Noodles primitiv aber gut. Je länger die Fahrt dauert, desto mehr Spaß haben wir mit den Mitreisenden, die uns Essen anbieten und leider mehr Fragen als Englischkenntnisse haben. Der Ayeyarwady ist unglaublich breit, dennoch fahren wir am Rand entlang, weil durch die Regenzeit genug Wassertiefe besteht. Nur die letzte Stunde ist heiß und langweilig, fast alle Einheimischen sind schon ausgestiegen, und nur noch wir, die Touris, die bis Bagan fahren, sind übrig. Das Guesthouse New Heaven holt mich in der Pferdekutsche ab (was ein Luxus!), weil ich vorreserviert habe und ich bin begeistert von meinem Zimmer. Weils schon dunkel ist, können wir leider nix mehr von Bagan sehen, daher gehen Christof, Hauke und ich zum Inder essen. Esse Chicken Tandoori, das mich leider etwas enttäuscht, denn es schmeckt nicht nach Tandoori. Christof gibt seine Schlachtergeschichten von Sulawesi zum besten und ich geh ins Bett bevor ich kotzen muss.

Do 09.09. (Bagan) Heute miete ich mir ein Fahrrad und will zumindest die wichtigsten Pagoden in Bagan besichtigen. Ausgerüstet mit dem Lonely Planet Reiseführer und einem chinesischen Damenrad strampel ich dem Tempelwahn entgegen. Ein junger, 20jähriger Oil-painting Verkäufer hängt sich dran. Mist. Egal, er ist lustig und erklärt mir die Welt, sowohl philosophisch als auch den einen oder anderen Tempel. Standardspruch „Better than nothing“ oder „if you marry a good wife, you will have a good life, if you marry a bad wife, you will become a philosopher“ Aha, ich frage nach seinem derzeitigen Beziehungsstatus, der seine philosophischen Ansätze erklären könnte, doch er erzählt, dass er nach 2 Freundinnen (gleichzeitig?) jetzt Single sei. Aha. Wir landen weit weg von allem beim Tempel Nummer 7 (das ist die Lonely Planet Bezeichnung, da ich mir die Namen nicht merken kann. Die könnten die Tempel hier eigentlich auch durchnummerieren, wär viel einfacher). Dieser ist einsam, weit weg von allen nicht vorhandenen Touris, mit Gold besetztem Dach, das wir kurz mal erklimmen. Ein schöner Garten drumrum und ein einzigartiger Blick auf Nummer 8, zweitgrößten pyramidenartigen Pagode. 7 und 8 sind meine absoluten Favoriten. In 8, dem Bad Luck Tempel, haben sich ein paar Jungs, dem Münzensammeln verschrieben und ich kann sie ganz gut aus meiner Südamerika-Sammlung versorgen. Dafür bekomme ich alte Kyat-Scheine mit Generälen drauf und einen steinernen Nat (spirit) geschenkt. Sie zeigen mir noch eine innere Treppe, in der man ein bisschen rumklettern kann und noch ein bissel Aussicht hat. Als uns ein älterer Herr mit dem Fahrrad entgegenkommt, erzählt mein Guide, das er ihn kennt, weil er schon zum 3. Mal da sei. Er sei homosexuell, Deutsch und würde kleine Jungs mögen. Disgusting! Er ist gerade auch noch von Boys umringt. Ich kann es nicht fassen, als mein Guide ergeben sagt, dass man sich seine Vorlieben halt nicht aussuchen könnte. Krass! So hat mich der Sextourismus der ekligsten Art im scheinbar idyllischen Myanmar eingeholt. Nachdem wir quer Feld ein, über holprige Wege einen Hindutempel und noch einige andere besucht haben, mach mein Radeln schlapp, soll heißen der Hinterreifen platt. Einfach zu viele Dornen hier. Wir fahren zum Aufpumpen ans Temparan-Tor, dem Eingangstor von Old Bagan, an dem ein Fahrradreparatur-Dienst lukrative Dienste anbietet. Und hoffen, dass der Schlauch noch etwas aushält. Weitere Tempelbesuche werden nach dem 2. Platten und der Mittagshitze unmöglich, so dass ich nach erneutem Pumpen zurückfahre. Vorher kaufe ich noch ein überteuertes Bild von meinem Guide, der sehr luschtig war und finde, dass sein Unterhaltungswert größer als der des Bildes ist. Die „wichtige“ Anara-Pagode, in der 2 Buddhafiguren je nach Perspektive grollen oder mildtätig lächeln, hole ich spätnachmittags nach und treffe mich abends mit den Jungs beim Sonnenuntergang auf der Shwesadan Pagode. Die Sonne bietet ein kleines Spektakel, legt sich blutrot und feurig glühend ins Zeug, während ich mit dem englischen Pärchen aus Hsipaw, Hauke und den Finnen auf dem Tempel sitze. Die 2 einzigen Pauschaltouri-Busse verpassen den Sonnenuntergang, weil sie komischerweise kurz vorher wegfahren. Seltsam. Fahre im Stockdunkeln zurück und verfahr mich natürlich, weil ich die Abzweigung verpasse. Finde mich jedoch bald wieder und verfolge frei das Motto von Herrn Schröder „ Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ Esse später mit Roy, Christof und Hauke im Nepal/Indisch/Italienisch/ Burmesischen Restaurant Wonderful Tasty, das trotz seltsamer Vielfältigkeit wirklich sehr gut ist.

Fr 10.09. (Bagan) Für heute haben wir einen Ausflug zum Mount Popa im Minibus gebucht. Der erste Halt bei einer Peanut und Palmtree-Farm bringt uns neue Erkenntnisse über Palmwein, Schnaps und Christof zeigt uns seine Kletterkünste an der Palme. Mich beeindruckt am meisten der Vorzeigeochse, der gepflegt und weiß ist und das Palmöl-Mühlrad antreibt. Irgendwie sieht das alles nach Tourinepp und Verkaufsstation aus, doch Mühe gegeben haben sie sich jedenfalls. Mit Blick auf Mount Popa, halten wir an. Der Berg selbst ist über 3000m hoch, der Vulkanturm nebendran, auf dem das Kloster steht beeindruckt uns schon von weitem. Dort sind 37 Nats beherbergt und somit die wichtigste Pilgerstätte für die in Myanmar so wichtigen Geister, die noch vom Animismus stammen, der hier mühelos mit dem Buddhismus verschmilzt. Nats sind stark, doch Buddha steht darüber, die ein Tarotkartenleser mir ernsthaft mitteilt. Wir erklimmen die vielen Stufen zum Tempel und kämpfen uns durch die lästigen Makakken-Affen, für die man Snacks kaufen kann und die dann aus lauter Dankbarkeit die Treppen zuscheißen. Ich gehe einmal zu nahe an einem vorbei, sofort ist er aggressiv, zeigt die Zähne und packt mich am Bein. Oben angekommen ist der Blick über die grüne Ebene fantastisch. Gibt es etwa doch noch so etwas wie Regenwald oder so hier? Etwas seltsam mutet die laute Mucke an, zu der ein durchgeknallter Pagodenwächter im Takt zur Musik mit Eisenstangen ans Geländer schlägt. Einen Haupttempel gibt es hier oben nicht, dafür viele für die vielen Nats. Ich schalte in einem mein Dienstags-Geburtstagslämpchen an. Und die anderen tun es mir nach. Man dürfte sich eigentlich was wünschen, doch ich bin doch gerade mal wunschlos und zufrieden. Später nachmittags zurück in Bagan, fahr ich mit Roy und meinem Rad nochmal los. Den heutigen Sonnenuntergang wollen wir auf Nummer 5, dem Geheimtipp (höhö!) ausem Lonely Planet genießen. Doch wir landen auf einem nummernlosen Tempel. Leider beginnt es zu regnen und wir fliehen bevor die Sonne untergeht. Als sich der Himmel orangepink färbt, bildet sich ein Regenbogen und wir fotografieren solange das Licht noch etwas hergibt. Treffe mich mit den Jungs zum Essen im a Bit of Myanmar und der Abend wird superlustig. Ich esse Beef-BBQ vom Charkoal-Ofen, das zwar etwas zäh ist und versuche nicht an den schnuggeligen weißen Ochsen von heute morgen zu denken.

Sa 11.09. (Bagan) Um 8 Uhr fahr ich mit dem Bus zurück nach Mandalay und werde im Royal Guesthous begrüßt als würde ich schon zur Familie gehören. Bin ja auch schon zum 3. Mal da. Sehr lustig ist, dass ich in diesem Land immer die gleichen Zimmernummern bekomme, also entweder 101 oder 107 oder 17. Zumindest wenn ich vorreserviere. Nummerologie ist so wichtig hier, jeder glaubt dran und diese scheinen wohl spezielle Glücknummern zu sein. Die 9 und die 4 sind ebenfalls so glücksbringend, dass ein früherer Staatsmann 90 und 45 Kyat-Scheine eingeführt hat. Soviel zum Thema Aberglaube in Myanmar. Dann los zum Bahnhof und das Zugticket für morgen kaufen, das übrigens die Nummer 44 (also sehr gut) trägt. Auf dem Zeygo-Markt kaufe ich mir eine Art Strandmatte, auf der ich an Deck auf der Bootstour auf dem Rückweg schlafen möchte. Zum Sonnenuntergang lass ich mich diesmal mit dem Mopedtaxi zum Yankin Paya, einem kleinen Hügel mit Kloster östlich fahren. Nach vielen Stufen aufwärts, die mich mal wieder bei nur 32 Grad ins Schwitzen bringen, treffe ich oben eine Australierin, die die Bootstour, die ich plane, von Myitkyina aus (also weiter nördlich), gemacht hat. Sie erzählt mir von ihrer abenteuerlichen Zugfahrt, bei der eine Lok und ein Wagon entgleist sind. (nur 2 Tote, aha). Und zeigt mir Fotos, nur von der Lok und dem Wagon natürlich. Ach deshalb konnte ich vor 4 Tagen kein Zugticket kaufen! Sie musste 2mal in einen anderen Zug umsteigen und war dann insgesamt 40 Stunden unterwegs. Nun gut, bei mir geht’s ja nur nach Bhamo, das ist die Hälfte der Strecke und der Zug wird ja wohl nicht jede Woche entgleisen. Zu Abend essen ich im Too too, einem burmesischen Restaurant. Hab mal wieder keine Ahnung, was ich gegessen habe, da man hier einfach mit dem Finger auf irgendwelche Töpfe zeigt und so einfach vieles probieren kann. Gut und interessant wars jedenfalls.

Mo 06.09. (Pyin U Lwin) Mein Touriprogramm heute umfasst eine Pagode (och nö, schon wieder), den Wasserfall Pwe Kauk, der eigentlich aus vielen kleinen Wasserfällchen besteht und eine Höhle, die mit den kitschigsten Figuren bestückt ist. Buddhas und Nats in Hülle und Fülle. Am Wasserfall treffe ich Pauline wieder, deren Programm jedoch noch umfangreicher ist. Ich kehre gegen Mittag zurück nach PUL, wander durch die Kaffeeplantagen zum Botanic Garden, für den ich leider nicht genug Zeit habe. Sehe aus dem Augenwinkel alte englische Häuser im Kolonialstil, so genannte Mansions, die inzwischen als Hotels oder offizielle Gebäude genutzt werden und leider der Regierung gehören. Der Ort war früher Ferienort für die Engländer, die das kühlere Wetter vorgezogen haben. Dann verbring ich 2Stunden in einem Pickup (das ist umgebauter Kleinlaster mit Bänken, der natürlich offen ist und normalerweise pickepacke voll gepackt ist) nach Mandalay. Meine Beine finden kaum Platz zwischen den Zuckerrohrsäcken, bin mal wieder zu groß für dieses Land. Zurück in Mandalaya und im Royal Guesthouse, home sweet home. Abends besuche ich die Aufführung der Moustache brothers. Das sind Komödianten, die politisch verfolgt wurden und mehrere Jahre Zwangsarbeit verrichten mussten. Zuletzt wurde ein Bruder nach den Demonstrationen in Jahr 2007 verhaftet, ist aber inzwischen wieder frei. Heutzutage treten sie in einer Art Grauzone nur für Touristen auf und erklären, was so in diesem Land passiert. Gemixt mit Witzen und Tanzeinlagen der Frau des einzig englisch sprechenden Schnauzbart-Bruders. Ich hatte was komplett anderes erwartet, fand’s aber dennoch außergewöhnlich.

Di 07.09. (Mandalay) Hatte gestern festgestellt, dass ich eine bedeutende Pagode in der Nähe von Mandalay bisher ignoriert habe. Daraufhin nehm ich heute die Fähre nach Mingun. Wir sitzen 1 Stunde lang in gemütlichen Easy-Chairs (eine Art Korblehnstühle) und tuckern auf dem Fluss entlang. Ich lern mal wieder nette Leute kennen. Die Mingun-Pagode wäre die größte und höchste der Welt geworden, wäre sie jemals fertig gestellt worden. Der ungefähr 150m hohe Sockel kann bestiegen werden, ein riesengroßer Riss, der durch ein Erdbeben im Jahr 1883 entstanden ist, durchzieht die Pagode. Der Boden ist unglaublich heiß, wir müssen wie in jeder Pagode barfuß gehen und daher platzieren die Guides Grünzeug zum Draufstellen. Die Aussicht auf den Fluss von hier oben ist einmalig. Mein Privatguide zeigt mir die zweitgrößte Glocke der Welt. Ich stell mich sogar drunter oder besser gesagt hinein. Danach in eine strahlend weiße Pagode. Der Saarbrückener Förderverein hat in Mingun einen Brunnen und eine Computerschule gespendet. Deutsch ist hier sehr beliebt vor allem bei Verkaufsgesprächen 😉 Zurück am Strand und Bootsanleger erzählt mir der Guide die Geschichte vom armen Englisch-Studenten (hab ich schon mal gehört, vielleicht stimmts ja). Egal, ich hätt ihm sowieso Geld fürs Rumführen gegeben. Allerdings nicht ganz so viel. Zurück in Mandalay geh ich zum Bahnhof, um mein Zugticket nach Naba zu kaufen. Die Beamten dort erklären mir, dass kein Zug nach Naba geht. Es hätte einen Unfall gegeben. Bin verwirrt und vermute erst, dass sie mir das Ticket nicht verkaufen wollen. Erfahre aber später, dass es tatsächlich einen Unfall gab. Nachmittags lass ich mich zur wichtigen Mahamuni-Pagode fahren und danach zu einem Festival in Amarapura, von dem ich schon von Gina in Hsipaw gehört hatte. Angeblich sei das einwöchige Festival, ein gay festival, erzählte mir jemand, doch ich sehe nur ein paar tanzenden Ladymen, ansonsten ein normales Kirmesfest mit burmesischen Süßigkeiten, einem antike Mini-Riesenrad, das durch die Schwerkraft der kletternden jungen Männer angetrieben wird und ein paar Betrunkenen. Faszinierend sind allerdings die Tänze in den Tempeln. Die Frauen und Ladymen tanzen sich, mit Whiskeyflasche und Kippen in der Hand, betrunken und rauchend in Trance bis sie nur noch zittern und werden dann behutsam weggeführt. Ein älterer Herr verwickelt mich in ein Gespräch und will nun mein Beschützer sein. Er begleitet mich, weil’s schon dunkel ist, zurück zu meinem Motorradguide. Doch zuvor muss ich noch seine Tarotkartenleger-Kabine im Tempel besichtigen. Der Aberglaube hat Hochkonjunktur in Myanmar. Auch dieser Mann scheint den Nats mehr zu vertrauen als Buddha.

Fr 03.09. (Hsipaw) Nach der Großstadt Mandalay und den vielen Pagoden bin ich froh mal wieder in einem Dörfchen und in der Natur zu sein. Die versprochene Kühle stellt sich zwar nicht ein, aber gemütlich ist es hier im Guesthouse Mr Charles auf jeden Fall. Eigentlich wollte ich hier zur nächsten Trekkingtour aufbrechen, habe jedoch immer noch Blasen an den Füßen, erfahre, dass es heute sowieso keine Guide gibt und schlendere somit faul durch die Stadt. Ich lande mal wieder bei einem Tempel, doch diesmal wohnt hier der Hsipaw schützender Nat (Geist) Alles sehr kitschig, die obligatorische Spende ist eine Kokosnuß mit Bananen umgeben, die irgendwie phallisch aussehen. Ein Nat ist stark, steht aber niedriger als Buddha in der Rangordnung. Das sind die Überbleibsel des Animismus. Überall kitschige Tierfiguren, Tiger, Löwen, Elefanten bunt bemalt. Weiter nach Little Bagan, das sind kleine von Gras überwachsene Backsteinpagoden und dann lande ich im Black House Café, im Schatten auf der Terrasse. Es ist brütend heiß und bald kommt das englische Pärchen aus dem Hostel hinzu, die erzählen, dass sie ohne Flug nach Australien auswandern wollen. Sie sind mit dem Zug und dem Schiff gereist und bisher mit nur 2 Flügen ausgekommen. Abends treffen wir uns nach dem Essen im Kino und sehen uns einen Bollywood-Film „Veer“ in schlechtester Form an. So ein Superkitsch und das 2 Stunden 45 Minuten lang, so dass man kaum mehr auf den harten Holzstühlen sitzen kann. Das Kino ist wirklich ururalt wie bei uns vielleicht in den 50er Jahren. Wir lachen uns bei den schlimmsten Kitschszenen kaputt und die 2 Burmesen, die außer uns noch im Kino sind, lachen lauthals bei die Schadenfreude- (diese deutsche Wort ist übrigens wie Hinterland und Angst im englischen übernommen worden) Episoden. So unterschiedlich sind die Kulturen, selbst der Humor ist hier anders.

Sa 04.09. (Hsipaw) Heute wollte ich eigentlich zu einem Wasserfall wandern, doch die 2 Blasen an den Füßen sprechen dagegen. Bei Frühstück treffe ich Gina, eine Deutsche und wir quatschen, was das Zeug hält. Im Dörfchen kaufe ich mir bei Mr. Book das Buch „Burmese Days“ von George Orwell und die weiße Tanhaka Paste zum Ausprobieren. In Hsipaw gibt es einen Mr. Food, der ein chinesisches Restaurant besitzt, Mr. Book verkauft offensichtlich Bücher, Mr. Knowledge weiß alles, ihm bin ich leider nicht begegnet und ein Tourguide der Bohnen anpflanzt, heißt Mr. Bean. Ich bezeichne mich als Mrs. Tourist und geh zum Bahnhof, um das Zugticket für morgen zu kaufen. Der Bahnhofsvorsteher ist köstlich, er spricht mir 3-mal den Ort vor, an den ich fahren möchte und lacht sich kaputt, als ich es nicht wiederholen bzw. nur schlecht aussprechen kann. Zu guter Letzt zeigt er mir seinen Ausweis, auf dem er jugendlich schlank und in Uniform richtig was hermacht. Und jetzt lach ich in mich hinein, weil er so stolz auf sein altes Foto ist. Inzwischen ist Paolo ist auch in Hsipaw eingetroffen und wir gehen alle zusammen bei Mr. Food essen und spielen danach (allerdings äußerst schlecht) Billard.  

So 05.09. (Hsipaw) Nachdem mir der Bahnhofsvorsteher heute morgen noch seine ganze Familie inklusive Enkelin vorgestellt hat, geht der Zug um neun nach Pyin U Lwin, der unaussprechlichen Stadt. Er schwankt, wackelt und zuckelt durch die Landschaft, alle Fenster und Türen sind offen und das Grünzeug wird vom Fensterrahmen neu geschnitten und schneit auf uns Passagiere herab. Leider sitzt mir gegenüber ein Bethelnuß-Kauer, der permanent aus dem Fenster spuckt und eklig schlechte Zähne hat. Die Landschaft ist mal wieder beeindruckend, wir fahren ins Gebirge hoch und schrauben uns langsam bis zum Gokteik Viadukt, das 1901 von den Engländern erbaut wurde. Um die Brücke nicht zu beschädigen schleicht der Zug über die 100m tiefe Schlucht. An den Bahnhöfen bieten Essens-Verkäuferinnen ihre Waren aus Körben an. Kinder verkaufen eine Tasse Trinkwasser und nach sieben Stunden Bummelei erreichen wir endlich das wunderbar kühle in Pyin U Lwin. Das Guesthouse Golden Dream ist eine schlimme Absteige, doch für eine Nacht werd ichs wohl überleben. Ich geh ins Golden Triangle Cafe, das „echten“ Kaffee aus Myanmar anbietet und trinke einen genialen Cappuccino und gönn mir einen Schokokuchen. Hier lerne Pauline kennen, die schon Mitte sechzig ist und in monatelanger Reise mit einem Overland-Truck von England nach Australien reist. (www.UKtoOZ.com) Später essen wir auf dem Nachtmarkt wild gemischtes und gewinnen die volle Aufmerksamkeit aller Kinder.

Di 31.08. (Nyaung Swe) Um mir nicht nochmal die Nacht im Bus um die Ohren schlagen zu müssen, gönne ich mir einen 30Dollar-Flug mit Air Yangon nach Mandalay. Und denke an Robbie, besser gesagt an das Lied „Road to Mandalay“ und träume ein bisschen. Wie die Stadt wohl ist? Schon im Sammeltaxi in die Stadt wird mir klar, dass der romantisch klingende Ort leider nur eine schmutzig-staubige, laute und stinkende Großstadt ist. Willkommen in der Realität, nach soviel Natur am Inle-Lake. Ich lass mich mit einer Rikscha zum Palast fahren, der leider gerade schließt und gehe kurzerhand oder besser -fuß zum Sonnenuntergang weiter auf den Mandalay Hill. Dort oben treffe ich die Ösis wieder, die zwar gleich nach Yangon weiterreisen, doch wir genießen noch zusammen den Blick auf die Stadt. Danach lass ich mich zu einer sogenannten Beer station fahren, die frisch gezapftes Bier und BBQ servieren. Später im Marionettentheater sind wir nur zu dritt. Gerade so viele, dass die Aufführung stattfindet. Normalerweise ist das nur für Touris, doch da das kleine Theater so leer ist, haben sich einheimische Kinder und Mädels eingeschlichen und haben noch mehr Spaß als wir. Sämtliche Marionetten werden vorgestellt und der Vorhang wird zeitweise höher gehoben, um die professionellen Puppenspieler zu zeigen. Zwischendurch tanzt ein Mädchen wie eine Marionette zur Musik, die live im „Orchestergräbelchen“ vorgetragen wird. Die Instrumente klingen wie eine Oboe und verschiedene Trommeln und Gongs und ähneln dem Gamalan-Orchester, das ich von Java her kenne. Nach fast eine Stunde haben alle Puppen getanzt, gekämpft und einige sogar gezaubert und die Musik ist schnell, laut und hysterisch geworden. Und ich beschließe doch endlich mal die Augsburger Puppenkiste in Deutschland zu besuchen 😉

Mi 01.09. (Mandalay) Heute habe ich den Besuch der 3 antiken Städte Sagaing, Inwa und Amarapura in der Umgebung Mandalay geplant. Mit einem Motorrad-Taxi landen wir erst beim Souvenirshop und eine lange Reihe von Mönchen kommen auf ihrem morgendlichen Bettelgang entlang. Sie sind streng nach Größe aufgereiht und bekommen ihre Mahlzeit von den Anwohnern, die damit hoffen dürfen, dem Nirwana näher zu kommen. Ein Mönch darf nur früh morgens essen, nochmal um 11Uhr und dann den Rest des Tages und die Nacht über nichts mehr. Das wär nix für mich. Jeder Mann ist ein oder zweimal im Leben Mönch. Zwischen 10 und 18 Jahre absolvieren sie als Novize eine Art Examen. Allerdings kostet der ganze Spaß, weil man Ausstattung kaufen muss und die Nachbar und Familie zu einem riesigen Fest einladen muss. Das zweiter Mal kann man als Erwachsener so zwischen 30 und 40 Jahren Mönch werden oder natürlich für immer. Die Mönche sind wohl hier die Bildungselite und leider von der Regierung nach den Aufständen als potentieller Staatsfeind gesehen. Der Respekt gegenüber Mönchen in der Bevölkerung ist sehr groß. Für Mönche werden zum Beispiel Sitzplätze werden freigemacht und Essen gespendet. Die Empörung in der Bevölkerung war unglaublich groß als die Regierung bei den Aufständen 2007 Mönche getötet hatte. Mönche tragen hier übrigens rote Kutten. Die kleinen noch orangefarbene, die älteren dunkelrote. Ein Mönch darf einen Schirm, eine Schale und einen Wasserfilter, sowie seine Kleidung besitzen. Das ist eigentlich alles, wobei ich manchmal Bücher und ein Radio im Kloster gesehen habe. Weibliche Mönche tragen rosa Kutten und haben ebenfalls den Kopf komplett rasiert. Sie genießen den Ruf, die moralischsten Menschen in Myanmar zu sein. Wir fahren nach Sagaing, der ersten alten Stadt, die über eine große Eisenbrücke über den Ayeyarwady (gibt’s ein Wort mit mehr Ypsilons?) erreicht werden kann. Die wichtigste Pagode der Stadt der 500 Pagoden liegt auf dem Sagaing Hill. Dort ist es so ruhig, dass man sagt, dass dahin die gestressten Buddhisten zum Meditieren gehen. Und es ist wahr. Als ich die vielen Stufen erklommen habe, zeigt sich ein toller Blick auf den Fluss mit vielen goldenen Stupas. Die Ruhe hier oben ist „himmlisch“. Ein Tafel erklärt auf englisch, wie man ins Nirvana gelangen kann. Weiter geht’s nach Inwa, und am Bootssteg essen wir erstmal zu Mittag in einem kleinen Holzverschlag. Mein Fahrer Asuhi zeigt mir stolz seine neue Cristiano Ronaldo-Frisur, er war beim Frisör während ich oben im Tempel war. Luschtig, die Fußballfans hier. Normalerweise wird Inwa, die Stadt, die 400Jahre lange Hauptstadt war, mit dem Boot und in der Pferdekutsche besichtigt, doch Asuhi verspricht mir mehr Tempel und den gleichen Preis, wenn wir mit dem Moped fahren. Ist mir recht und wir erreichen den ersten Backsteintempel über holprige Wege. Dort erwarten mich 4 kleine Souvenirverkäuferinnen, die mich als einzigen Tourist in Beschlag nehmen, mir das Tempelinnere zeigen, Fotos wollen und denen ich letztendlich eine Kette abkaufe. Auf dem windschiefen fast 30Meter hohen Wachturm werde ich ebenfalls auf Schritt und Tritt von Kinderverkäufern begleitet. Ich weiß ja, dass man eigentlich nichts von Kindern kaufen sollte, damit sie nicht weiter betteln müssen, doch ich kann leider wieder den charmanten kleinen Verkäuferinnen nicht widerstehen. Das Teakholz Kloster ist ein weiteres Highlight in Inwa mit Schnitzereien übersät und doch noch relativ gut erhalten. Als ich endlich genug von den vielen Tempeln habe, fährt mich Asuhi zur berühmten 1,2 km langen U-Bein’s-Brücke für Fußgänger in Amarapura, die schon 1849 auf Teakpfählen gebaut wurde. Noch 4 Stunden bis Sonnenuntergang. Somit hab ich genug Zeit, um auf der Brücke zu wandeln und lasse mir schließlich aus der Hand lesen. In 2-5 Jahren heirate ich also und in 10 Jahren werde ich sehr reich sein. Ich soll dann Lotto spielen. Ach ja, ein Kind bekomm ich auch noch. Der Handleser prophezeit mir alles, wovon er meint, dass ich es hören will. Und ich find’s superlustig. Den Rest der Zeit verbringe ich im Schatten bei Kaffee, weil’s furchtbar heiß ist heute, und Asuhi bringt mir wichtige burmesische Wörter bei und alle amüsieren sich köstlich über meine Aussprache. Als die Sonne endlich tiefer sinkt, fahr ich mit einem Bootsmann raus und fotografiere was das Zeug hält. Traumhaft und fast schon kitschig. Im Dunkeln fahren wir auf staubigen Straßen zurück nach Mandalay und nach der ersehnten Dusche, esse ich beim Inder auf der Straße Dahl (indisches Linsengericht) und Chapatis (frisch gebackene indische Pfannkuchen).

Do 02.09. (Mandalay) Heute morgen geh ich erstmal ins Internet. Und erobere danach im Schnelldurchgang die übrigen Tempel von Mandalay, die alle in der Nähe des Mandalay Hill liegen. Der Kuthodaw Tempel enthält mehr als 700 Steintafeln, also das größte Buch der Welt. Jede Tafel ist in einer kleinen weißen Stupa verborgen. Ein Mensch, der 8 Stunden am Tag liest, würde 450 Tage benötigen, um das Buch durchzulesen. Hier „treffe“ ich Chery eine beeindruckende alte Dame, eine Bettlerin, die „Viertels-deutsch“ist, eine asiatische lady mit großen blauen Augen, 63 Jahre alt, die behauptet einmal Vize-Kickbox-Vize-Meisterin in Myanmar und in Thailand gewesen zu sein. Eine so einfallsreiche, vermutlich erlogene Geschichte belohne ich mit einer Spende. Sie sagt, dass sie schon 2 Tage lange nichts mehr gegessen habe. Wer weiß, ich habe jedenfalls Mitleid und hoffe, dass die schwachen Touristenströme sie trotzdem irgendwie überleben lassen. Danach besichtige ich noch ein weiteres Teakholzkloster, das mich immer wieder durch seinen Geruch und seine dunkle Stille beeindruckt. Zum Schluss noch eine kurze Stippvisite im Palast, schließlich hab ich ja schon mal 10 Dollar für das Kombiticket in Inwa bezahlt. Zwei junge Mönche schließen sich an, doch da ich nur durchhusche, sind sie etwas enttäuscht. Ich sehe die Pantoffeln und das Glasbett der letzten beiden Könige von Myanmar. Nachmittags fahr ich mit dem Bus nach Hsipaw (sprich Sipoo) und bin mal wieder die einzige Touritante. Leider ist der Bus kaum klimatisiert, obwohl AC draufsteht und ich bin froh, als wir um 21 Uhr endlich ankommen.

29.09.2010

Lächeln am Lake

So 29.08. (Nyaung Shwe) Für heute haben wir einen Bootstrip zu viert auf dem Inlesee mit einem der Bootsführer vereinbart. Unser erstes Ziel liegt eine Bootsstunde südlich von Nyaung Shwe und führt uns zum Markt in Naung Taw. Dort wird alles erdenkliche verkauft, von Haushaltswaren und Kleidung, Hüte über Lebensmittel und Motoren, Ersatzteile bis hin zu Souvenirs für die Touristen. Unser nächster Stopp ist eine Weberstube in einer Hütte auf Stelze. Hier werden Seidenstoffen, mit Lotusfäden durchwirkt, gewebt. Die Lotusfasern werden aus dem See gewonnen wird, mühsam von Hand getrennt und gesponnen. Die Stoffe sind dementsprechend teuer und nicht für unsere Touri-Preisklasse bestimmt. Dann fahren wir in ein normales Dorf, das auf Stelzen im Wasser gebaut ist. Das Alltagsleben spielt sich vor unseren Augen ab. Wäsche waschen im See, Körperpflege, ältere Menschen, die am Fenster stehen und auf den See blicken. Auf einer Wiese wird Chinlon gespielt. Das ist eine Art Fußball mit einem geflochtenen Ball. Die Spieler stehen im Kreis und spielen sich den Ball mit dem Fuß, Brust oder Kopf gegenseitig zu, ohne dass er den Boden berühren darf. Besondere Kunststückchen wie den Ball mit dem Fuß hinter dem Rücken anzunehmen, gehören hier zum Standardrepertoire. Übrigens stehen die Burmesen auch auf normalen Fußball, also Soccer und kennen wie die meisten Asiaten selbst Bundesligaspieler mit Namen. Wir fahren weiter über den See, der braunes Wasser führt. Das Grün der Gärten und vor allem der dramatisch blaue Himmel mit weißen Wolken erinnert mich an die Weite des argentinischen Himmels und ich bin völlig beeindruckt. Eine Pagode auf dem See zeigt im Innern 2 Buddhafiguren, die vor lauter Goldblättchen-Beklebung nur noch als unförmige Goldhaufen identifizierbar sind. Ein Foto nebenan zeigt wie sie noch vor 30 Jahren aussahen. Im Katzenkloster sind „jumping cats“, die, wenn man etwas spendet, ihre Hüpf-Kunststückchen zeigen. Wer hat behauptet, dass man Katzen nicht trainieren kann? Während wir im Kloster umhergehen, setzt draußen ein Platzregen ein. Wir warten ein bisschen und schon strahlt wieder die Sonne. Um 15Uhr sind wir zurück im Nyaung Shwe, weil die beiden Österreicher heute noch mit dem Nachtbus nach Mandalay fahren wollen. Ich lass den Tag ruhig ausklingen und geh zum Abendessen ins View Point Restaurant, um in schönem Ambiente ein burmesische Menü zu essen. Das besteht aus einer wilden Mischung aus Wasserkresse-Salat, Auberginen, Okra (Lady Finger) und weiteren Gemüsesorten, Rind und obligatorischem Reis.

Mo 30.08. (Nyaung Shwe) Die anderen sind schon abgereist, doch ich gönne mir noch einen weiteren Tag am faszinierenden Inlesee. Leider regnet es am frühen Morgen, doch ich lasse mich nicht beirren, leihe mir das klapprigste Fahrrad der Welt und fahre beim kleinsten Aufklaren des Himmels los. Es kommt, wie es kommen musste, als der Regen wieder einsetzt, hänge ich wadentief im Matsch und vielleicht auch in der Kuhscheisse (lecker!), muss Barfußlaufen, damit ich meine Flipflops nicht verliere und stapfe so zurück zur befestigten Straße. Unter einem Baum warte ich ab, bis der stärkste Regen nachgelassen hat. Etwas mutlos schlage ich einen neuen Weg ein und lande am Fuße des Weingutes Red Estate. Oben angekommen, bin ich der erste Gast heute und nachdem ich mich im Klo von der Schlammkur sauber gewaschen habe, genieße ich die Weinprobe auf der Terrasse des Gutes mit fantastischem Blick auf den See. Die Weine sind wirklich gut. Der Kellermeister sei aus Frankreich erzählt mir das Mädel, das mich durch das Weingut geführt hat. Mein Favoritenwein ist der Shiraz-Tempranillo und ich beschließe den Wein auf dem Rückweg in Yangon zu kaufen. Zurück auf der Straße will ich in den nächsten Ort fahren, komme allerdings zu weit nach Süden (kann ja keine Schilder lesen) und kehre schließlich um, als ein freundlicher Herr (vielleicht „burmesischer Stasi“mitarbeiter) fragt, wo ich denn hinwolle. Es regnet wieder und ich entscheide spontan und dekadent den Luxusbunker Hotel Inle Resort zu besichtigen. Das Personal empfängt mich, trotz durchnässter Klamotten, freundlich und führt mich zum Bootssteg des Hotels, für eine Zimmerbesichtigung fühl ich mich zu schmuddelig. Nach diesem schönen Tag mit Sportprogramm, Schlammschlacht und Dekadenz, fahr ich zurück nach Nyaung Shwe, treff ein paar Italiener und beende den Nachmittag mit einer Bierprobe der verschiedenen burmesischen Biere (die Marken Myanmar, Mandalay gegen Tiger). Der junge Wirt des Min-Min war schon mal in Österreich, wurde von Touris eingeladen, erzählt uns von seinem Leben und viel interessantes über die Regierung. Nach einem Abendessen im Miss Nyaung Swe Restaurant (wer ist das eigentlich?) und einem Besuch im superlangsamen Internet, das ja von der Regierung kontrolliert und blockiert wird, fall ich ins Bett.

Mi 25.08. (Kalaw) Heute ist ein ruhiger Tag. Etwas ausschlafen, abhängen, waschen und Blog schreiben. Mit einem reichhaltigen Abendessen beim Nepalesen mit Paolo und einem österreichischen Nichtpärchen, denn sie sind Cousin und Cousine, bereiten wir uns auf die 3-tägige Trekkingtour zum Inlelake vor.

Do 26.08. (Kalaw) Um halb neun geht’s endlich los. Robin, unser Guide ist ein 49jähriger Inder mit grünem Turban, ein Sikh, und der Bruder der Guesthouse-Besitzerin. Er weiß unglaublich viel und erzählt ganz offen über Politik, Natur, sein Privatleben und was ihm sonst noch so einfällt. Die Mitwanderer sind Paolo, die Ösis Petra und Michael, Boris, ein Belgier und Julien, ein Franzose, der nur 2 Tage wandern will. Das Wetter ist gut und wir wandern frohgemut 5 Stunden, machen viele Pausen, essen unbekannte Früchte direkt vom Baum und durchqueren Reisfelder, Gemüseanbau und begegnen immer wieder einheimischen Bauern und Ochsenkarren. Die Mittagspause verbringen wir bei einem über 80jährigen Medizinmann, der aus Bergziegenblut und Marihuana und und und, Kugeln und wilde Gebräue herstellt. Wir probieren so einiges, aufs Blut verzichte ich allerdings, laut Robin kanns ja nix schaden, sondern nur helfen. Gegen Asthma und Magenverstimmung und sowas. Unser Koch hat auf dem Feuer beim Medizinmann ein geniales Mittagessen mit Reis und scharfer Sauce gezaubert und wir wanken gefüllt weiter. Diesmal auf Bahngleisen und ich fühl mich wie im wilden Westen, fehlen nur noch die Cowboys und Pferde, denn Büffel hats hier auch genug. Die Bummelzüge hier sind mit kaum 15km/h so langsam, dass das Gleislaufen gefahrlos möglich ist. Beim nächsten Bahnhof machen wir Pause und beobachten wie die gefüllten Gemüsekörbe mit Blumenkohl zur Abfahrt bereitgestellt werden. Die Leute sind sehr freundlich, lächeln immer und Robin tauscht mit jedem auf dem Weg ein paar Worte. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier auf dem Land sehr arm, aber doch sehr humorvoll und vielleicht sogar glücklich sind. Unterwegs serviert uns der beste Koch der Welt auf unseren Pausenbänkchen Tee und wir fühlen uns verwöhnt wie nie zuvor. Wir übernachten heute nacht bei einer Danaw-Familie. Die Danaw sind einer der 40 verschiedenen Stämme, die in Myanmar leben. Unter anderen sind uns noch die Pa-O begegnet, die man leicht an ihren orangefarbenen turbanartigen Kopfbedeckungen erkennt. Der Vater der Familie ist Bürgermeister und Richter und muss alle Vorkommnisse im Dorf an die Regierung melden. Laut Robin ist er allerdings ein weiser und freundlicher Mann, der seine Macht nicht ausnutzen würde. Wir duschen in einer Wasserschöpf-Dusche in einem Bambusverschlag. Und das Klohäuschen erfüllt mit Loch im Boden seinen Zweck. Der Koch hat sich diesmal noch mehr übertroffen und kreiert ein tolles Essen mit vielen verschiedenen Tellern, die wir auf dem Boden sitzend an einem Minitischchen verzehren. Sogar Pommes hat er extra für uns fritiert. Ich frage mich (nicht ihn) ernsthaft, ob er mich wohl mit nach Deutschland begleiten würde, um für immer für mich zu kochen 😉 Im Matratzenlager in der Hütte des Bürgermeisters fallen wir bald ins Bett.

Fr 27.08. (irgendwo zwischen Kalaw und Inlesee) Robin weckt uns erst um 7 statt um 6Uhr, da der Regen unaufhörlich aufs Dach prasselt. Bin etwas frustriert und hab keine Lust im Nassen zu wandern. Doch als wir um 8Uhr nach einem Frühstück des besten Kochs der Welt aufbrechen, klart das Wetter auf und wir bleiben auf der für 8Stunden vorgesehenen Wanderung weitgehend trocken. Wieder begegnen uns Ochsenkarren und viele Bauersfrauen in Tracht, die auf dem Feld arbeiten. Bei einer Pa-O (Ur-)Großmutter, die ihre Urenkeln hütet, während die Eltern die harte Arbeit auf dem Feld erledigen, legen wir ein Päuschen ein und dürfen die würdevoll lächelnde Dame fotografieren. Die Mittagspause ist diesmal im Wohnhaus einer Familie, bei der unser Koch auf dem Feuer kochen darf. Und nach einem tollen Essen fallen wir alle auf dem Boden liegend für 1 Stunde in Mittagsschlaf. Weiter geht’s und wir geraten mitten in eine Militärübung. Robin erzählt, dass vermutlich Vorbereitungen für die Wahlen getroffen werden. In Kalaw ist ein Militärcamp und die Soldaten dort sind teilweise aggressiv und depressiv, weil sie mit ihrem Schicksal unzufrieden sind. Ein Soldat gibt uns Salztabletten mit auf den Weg, soll wohl der Salzhaushalt ausgleichen, sorgt bei mir nur für mehr Durst, so dass ich sie wegwerfe. Ca. 65% (!) des Staatshaushaltes werden für Verteidigung ausgegeben und die Regierung hat Angst, dass die Amerikaner einmarschieren und „träumen“ von einer Atombombe zur Verteidigung. Später begegnen wir Bauern die lauthals ihre Wasserbüffel im Feld antreiben, machen Halt bei einer Schule, und erleben wie die Schüler nach Größe aufgestellt, nach Schulende, fast schon militärisch geordnet, abmarschieren. Noch eine Pause im Dorf und schon erreichen wir nach einem Durchmarsch durch ein Maisfeld das Kloster, in dem wir heute übernachten werden. 13 kleine Novizen sind hier nach den 2007 Aufmärschen übrig geblieben. Die meisten Mönche wurden vom Headmonc (Chefmönch und Vaterersatz) aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt, nur die Waisen und Mittellosen sind übrig geblieben. Boris ist in einem Frisbee-Club in Belgien und will den Kindern das Frisbeespielen beibringen. Sie beten noch, fegen dann und nach einiger Schüchternheit spielen sie mit freudigem Grinsen begeistert Frisbee mit uns. Wir duschen mal wieder in der Schöpfdusche, bei der man hier sogar erst mal Wasser aus dem Brunnen pumpen muss, essen und fallen erschöpft im Kloster auf die Matratzen.

Sa 28.08. (irgendwo zwischen Kalaw und Inlesee) Um 4.30Uhr früh werden wir von den Gebeten der kleinen Mönche geweckt. Schon lautstark und im Singsang beten sie in Pali (Sanskrit) durcheinander und doch irgendwie im Einklang. Wir frühstücken und machen uns für den Abschied vom Obermönch bereit. Wir überreichen eine kleine Spende und das Frisbee mit Signatur und er segnet uns mit einem Armbändchen mit 5 Knoten. Nur noch 4 Stunden bergab Wandern und schon erreichen wir den See. Allerdings hab ich inzwischen 4 Blasen an den Füßen, die mich etwas rumeiern lassen. Landschaft ist wunderschön und ändert sich nun merklich von Toscana zu Pinienwald und vom subtropischen Wald hin zum wärmeren See. Wir erreichen ein Dörfchen, in dem heute zufällig ein Markt stattfindet, essen zu Mittag, und fahren mit einem kleinen Boot über einen Fluss endlich zum Inlesee. Die Anwohner haben sich schwimmende Gärten auf dem See angelegt. Festlandboden wird abgetragen und im See neu befestigt, eine alte Tradition, die viel Geschick erfordert. Dort werden alle möglichen Gemüse angebaut und die schwimmenden Bepflanzungen unter dem gigantischen Himmel sehen unglaublich aus. Die Dörfer stehen auf Stelzen, Boote sind das Transportmittel und als wir den See durchqueren sehen wir erstmalig die berühmten Einbein-Ruderer. Leider beginnt es jetzt zu regnen und wir kriechen unter die Schirme, die schon in unserem langen, schmalen Motorboot bereitliegen. Das Guesthouse Aquarius Inn in Nyaungshwe ist gemütlich und wir werden mit Tee und Früchten begrüßt. Wir treffen uns später zum Essen im Shan Land und lassen den Abend mit original Myanmar-Rum mit Cola, also Cuba Libre auf burmesisch, ausklingen.

Mo 23.08. (Yangon) Nach einem Frühstück im Hotel breche ich mit dem Bus nach Kyaikto auf, um den Golden Rock am Mount Kyaiktiyo zu besichtigen. Ein Motorradtaxi bringt mich nach Kinbun und dort nehme ich einen Trucktransport, der fast eine Stunde den Berg hinauffährt. Den letzten Teil des Weges, das heißt 45 Minuten, muss man laufen, denn die Pilgerstätte soll ja zumindest ein bisschen Anstrengung erfordern. Ich nehme mein kleines Rucksäckchen mit, da ich eventuell oben übernachten möchte und schwitz mir einen ab. Im Truck lern ich Paolo kennen, einen Italiener, der seine 3-wöchige Reise in Myanmar auch gerade erst begonnen hat. Der Golden Rock ist eine Felsbrocken der am Rande des Abgrundes hängt. Goldfarben und seit Jahrhunderten mit Goldblättchen beklebt, trotzt er jeder Statik und ist für Buddhisten eine der wichtigsten Stätten in Burma. Ein Haar Buddhas soll das Gleichgewicht des Klotzes halten. Dort oben ist es fast vollkommen menschenleer, ein paar Mönche bringen Goldblättchen am Stein an, als wir gerade dazukommen und beten. Frauen dürfen leider nicht an den Stein treten, ein Schild mit „Ladies not allowed“ weist auch die Touridamen darauf hin. Die Atmosphäre ist ruhig und der Blick über das Land fantastisch. Selbst als Wolken aufziehen, wirkt das ganze noch mystischer und märchenhafter als vorher. Mit einem Sonnenuntergang wird’s wohl nix werden, so dass ich beschließe, doch unten und nicht im über 30 Dollar teuren Regierungshotel zu übernachten. So kehren Paolo und ich zurück ins Guesthouse und verbringen ein sehr lustiges Abendessen mit einem deutschen Pärchen.

Di 24.08. (Kinbun) Nach einem Frühstück im Guesthouse-Restaurant nehmen Paolo und ich den ersten Bus nach Bago und besichtigen dort mit einem Motorrad-Taxi die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchgang. In einer Zigarettenfabrik (Cheroot factory), also einer Hütte drehen Mädels Zigaretten, die wie Zigarren aussehen, von Hand und amüsieren sich köstlich mit Paolo, der seinen ganzen Charme spielen lässt und für viele Fotos posieren muss. Danach im einem Kloster sehen wir die Novizen bei Examensarbeiten und dürfen den Lernsaal, Speisesaal bis zur Küche alles besichtigen. Weitere Stationen sind der liegender Buddha (Naung Daw Gyi Mya Tha Lyaung), das Schlangenkloster mit einer riesigen fetten Schlange, die wohl einmal eine Frau war, denn über ihr hängen ihre Kleider und ihr Parfum steht noch da. Paolo klebt einen Geldschein als Spende auf ihren Rücken, damit die Schlange auch zukünftig noch was zu Essen hat. Danach zur nächsten Pagode, der Maha Kalyani Sima, deren Besonderheit 4 Buddhafiguren sind, die Rücken an Rücken in einem goldenen Raum stehen. Dann zurück zum Busbahnhof, denn der Nachtbus nach Kalaw fährt schon um 16 Uhr. Nach einer unbequemen Fahrt mit sehr wenig Schlaf erreichen wir 2h früher als gedacht, um 3Uhr morgens, Kalaw und dürfen glücklicherweise im Golden Lily Guesthouse ins Bett fallen.

Sa 21.08. (Singapur) Nachdem ich mein Gepäck auf 19,6kg runtergeschraubt habe, ist das Einchecken bei AirAsia ein „Leichtes“. Dafür ist Miriam jetzt etwas mehr bepackt. Wir verabschieden uns, denn sie fliegt nach Hause und ich nach Yangon, Myanmar. Auch bei Ankunft im Militärdiktatur-Land klappt alles reibungslos. Mein Visa on arrival erhalte ich in 5 Minuten direkt am Schalter. Und schon wartet mein Abholservice vom Ocean Pearl Guesthouse am Gate auf mich. Doch das war’s dann schon mit der Normalität, denn in Myanmar ist alles anders. Kurios, spannend und dennoch freundlicher als jedes andere Land der Welt. Doch erstmal die Kuriositäten: 1970 hat die Militärregierung über Nacht auf Rechtsverkehr umgestellt, obwohl die japanischen oder uralten Autos Rechtslenker sind, also auf Linksverkehr eingestellt sind. Das macht vor allem beim Überholen einige Schwierigkeiten, denn der Fahrer sieht den Gegenverkehr nicht. Deshalb sitzt vorne links im Bus immer ein mehr oder weniger zuverlässiger Ansager, der angibt, wann und ob überholt werden kann. Die burmesisches Schrift sieht übrigens aus wie Nudeln oder wie ein Australier gesagt hat, wie „Google-letters“ und für ein englisches Wort gibt’s viele burmesische. Ein Wort kann je nach Tonhöhe und Aussprache unterschiedliche Bedeutungen haben und für mich selbst nach mehreren Wiederholungen nicht auszusprechen. So bleibt es bei Danke und Hallo, Tschüß und „Ich verstehe nicht“ sowie einigen Zahlen. Was haben die Burmesen mit den Schotten gemeinsam? Nicht die Dudelsäcke, sondern die Röcke. Die so genannten knöchellangen Longyis werden in gedeckten Farben und Karomustern getragen. Ob der Burmese wohl was drunter trägt? Diese Rätsel konnte ich leider nicht lösen, obwohl der eine oder andere Mann beim Neubinden des Stoffschlauches (auf der Straße) ein Stückchen Hose durchblicken lassen hat. Also spart der Schotte wohl mehr an Stoff an den wichtigen Stellen als die Männer hier. Meine Mitreisenden haben auch schon Longyis getragen und fanden’s irgendwie befreiend. Aha. Soviel zu Männern in Röcken. Als Makeup und Sonnenschutz tragen Frauen, Kinder und ein paar Männer eine gold-gelbe Creme (Tahnaka) im Gesicht und auf dem Körper, die aus Sandelholz gewonnen wird. Sie sehen manchmal seltsam geisterhaft damit aus, doch Weiß-sein ist Schönheitsideal und wir Westler werden um unsere Hautfarbe beneidet. Tja, man will wohl immer das, was man nicht hat. Die Mehrheit der Männer kaut Bethelnuß, die rote Farbe absondert und die Lippen und Zähne rötlich färbt. Hrgh, noch schlimmer ist das Ausspucken auf den Fußboden, der dann mit roten „Blutflecken“ übersät ist. Die moderne Version ist künstlich und farblos, praktisch im Beutelchen zu kaufen, während die Naturvariante noch von Hand in ein grünes Blättchen gewickelt wird. Beides enthält wohl was aufputschendes. Ich habs nicht probiert, da man die ganze Zeit eklig ausspucken muss, denn Runterschlucken würde zu einer Magenverstimmung führen. Kann also nicht sagen, wie und wie stark die Wirkung ist, die mir von drogenähnlich bis zu harmlos „wie Koffein im Kaffee“ beschrieben wurde. Die Hauptreligion ist der Buddhismus, doch jeder glaubt an die Nats, also Geister, die vom Animismus stammen. Das lässt sich für die Burmesen gut vereinbaren und um mich davon zu überzeugen fahre ich mit dem Taxi zur Swedagon Pagode. Modern hier! Ein Rolltreppe führt in den Tempel nach oben und man zieht bevor man eintritt – wie in jeder Pagode in Myanmar – die Schuhe aus. Bin sehr beeindruckt vom riesigen Areal und der glänzenden mit 60 Tonnen Gold bedeckten Pagode. Oben in der Spitze soll ein Diamant versteckt sein, den man mit einem Fernglas bestaunen kann. Ich umkreise das Gebäude mehrfach, fotografiere sehr viel und kann kaum glauben, dass so wenig Touristen da sind. Vor allem Gläubige und Mönche gehen bedächtig umher, knien nieder oder sitzen meditativ am Rand. Die Stimmung im spätnachmittaglichen Sonnenlicht ist entspannt und heiter und ich lasse mich gerne anstecken. Verschiedene Leute sprechen mich an, ein Guide und ein junger Student erklären mir, wie man sich hier was wünschen kann. Nachdem wir ermittelt haben, dass ich an einem Dienstag (im Zeichen von Mars und dem Löwen) geboren wurde, wandere ich um die Stupa zum Dienstagsaltar. Dort werde ich angewiesen, 3mal Wasser auf 3 verschiedene Buddhafiguren zu schöpfen. Vor lauter Aufregung vergesse ich mir was zu wünschen. Egal, bin ja eh kein Buddhist. Der junge Dienstagsgeborene neben mir hat sich einen guten Examensabschluß gewünscht, erzählt er mir. In Myanmar ticken selbst die Uhren anders. Die zeigen eine halbe Stunde früher als in Thailand an und unglaublich, aber wahr, es gibt die 8-Tagewoche. Donnerstag bis Dienstag sind gleich, doch Mittwoch ist zweigeteilt, in Mitternacht mit Mittagszeit (der Zeit, in der Buddha geboren wurde) und Mittwoch nachmittags bis Mitternacht. Wer also an einem Mittwoch geboren wurde, hat’s ein bisschen schwerer mit der Altarsuche zum Wünschen. Später geh ich in ein kleines Straßenrestaurant und esse Chicken mit Reis und trinke ein frisch gezapftes Myanmar-Bier und erlebe weitere Kuriositäten. Als ich Küßchengeräusche von den Männern am Nebentisch höre (hab ich mir versehentlich was falsches in der Pagode gewünscht?), bin ich erst etwas irritiert, stelle doch bald fest, das keiner was von mir will, sondern der Kellner hier so gerufen wird. Auch schön. Bin dafür, das das in Deutschland eingeführt wird! Sehr luschtig ;-)))

So 22.08. (Yangoon) Um die Stadt besser kennen zu lernen, folge ich der Lonely Planet Stadttour, im Regen und finds öde. An einem Gebäude werde ich von einem Polizisten gebeten, die Straßenseite zu wechseln, keiner darf hier entlang gehen. Willkommen in der Militärdiktatur! Laut Reiseführer wird man als Tourist mit Stasimethoden ausspioniert und der Staat weiß immer, wo man ist. Wenn mir jedenfalls heute jemand durch die Stadt gefolgt ist und meinen absolut planlosen Weg mitgegangen ist, hält er mich entweder für vollkommen orientierungslos oder für eine clevere Agentin (Jane Blond?), die mit ihrer Verwirrungstaktik den Gegner in den Wahnsinn treiben will. Bin vermutlich dann doch nicht verfolgt worden, da ich niemanden verrückt schreiend wegrennen sehen habe. Endlich darf ich auf dem Bogyoke Aung San Market Souvenirs einkaufen, hab mich bisher in jedem Land aufgrund des kleinen Gepäcks zurückgehalten. Und lande dann in „alter“ Singapurtradition auf dem Sakura-Tower, um die Stadt zu überblicken und ein Bierchen zu schlürfen. Meine Energie ist ungebrochen und die Sonne wieder am Himmel, so dass ich zum Kandawgyi-Park, einer Grünfläche mit See mitten in der Stadt schlendere. Auf einer Holzbrücke läuft man am See entlang, genießt den Blick auf die scheinbar schwimmende Pagode und wirft einen Blick zurück zur Swedagon-Pagode, die sich im See spiegeln soll aber nicht tut. Dieser Park wird fast ausschließlich von Pärchen frequentiert und scheint der Liebespark schlechthin zu sein. Unter Sonnenschirmen auf Bänken wird heimlich geknutscht und gekuschelt, da selbst schon öffentliches Händchenhalten bei Nicht-Gleichgeschlechtlichen Tabu ist. Mindestens eine Szene in den burmesischen Liebesfilmen, die ich später im Bus gesehen haben, wird in diesem Park abgedreht. Übrigens wird Gekuschel bei Gleichgeschlechtlichen in der Öffentlichkeit akzeptiert und praktiziert. Hab noch nie so viele Männer Arm in Arm gehen sehen, mal abgesehen vom Christopher Street Day. Kurz vor Sonnenuntergang gehe ich nochmal zurück in die Swedagon Pagode, um das ultimative Foto bei Dunkelheit mit Vollmond zu schießen. Die Stimmung ist wieder so gelassen und die Pagode so beeindruckend, dass ich hier täglich hingehen könnte und neues entdecken würde. Unglaublich kitschig und viel zu modern für meinen Geschmack sind die Heiligenscheine aus bunten blinkenden Glühbirnen, die um die Köpfe der Buddhafiguren strahlen, wie bei uns die billigsten Lichterketten in den Fenstern um die Weihnachtszeit.

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