Mi, 28.10. (Antigua) Heute ist ein langer Transfer-Tag. Wir fahren lange mit dem Bus. Dann umsteigen in Guatemala-City. Fühl mich unwohl hier. Bloß weg. Weiter nach Antigua. Es regnet. Nur noch essen und ins Bett. Weil es morgen schon um halb sechs los geht.
Do 29.10. (Chichicastenango, San Jorge am Lake Attitlan) wir haben uns mit einem kleinen Rucksack für den Homestay bei einer Familie gerüstet. Das große Gepäck bleibt in Antigua. Heute erleben wir Chicken Bus hoch drei. Gequetscht in 3er Sitze mit Einheimischen rasen wir im Hochgebirge durch die engen kurvigen Straßen. Mehrmaliges Umsteigen kostet Nerven, da wir teilweise hinten aus dem Bus springen müssen. Wir erreichen den traditionellen Donnerstagsmarkt in Chichicastenango. Hier wird alles verkauft und ich hebe mein Souvernirverbot auf. Wollte eigentlich nix kaufen, da ich ja keinen Platz in meinem 20kg Gepäck habe. Was solls, eine Handtasche und 2 Röcke müssen sein. Um die Mittagszeit steigen wir mal wieder in diverse Chicken Buse und erreichen um ca. 16Uhr San Jorge. Carla und ich sind zusammen bei der indigenen Familie Ramos untergebracht. Carmelita ist 42, verheiratet mit Juan und hat 6 Kinder im Alten von 6-22 Jahren. Wir übernachten im Zimmer, in dem normalerweise die Jungs schlafen. Ich spiel erst mal ein bißchen Fußball mit dem Daniel (9J) und Pedrito (6J), dann geht’s zur Dorftour. Alles sehr ursprünglich. Das Gefängnis mit offener Holzgittertür ist sicher sehr ungemütlich. Die Familie spricht nur Spanisch und ihre eigene Maya-Sprache, die seltsame Krächzlaute beinhaltet. Gute Nacht heißt Scho-ok-kra oder so ähnlich. Alle sind sehr nett und lachen sich über meine Sprachversuche auf Maya kaputt. Carla und ich helfen Maria (der 16jährigen Tochter) beim Tortillamachen auf dem Feuerofen im Hof. Wir unterhalten über alles mögliche und Carla zeigt ein Foto ihrer über 22 und 23jährigen Söhne. Einer ist Single und Carmen, die 20-jährige Tochter sagt im Spaß, dass sie ihn heiraten möchte. Daraufhin darf sie das Foto behalten. Dann kommen noch Jose, Carlos (die anderen Söhne) und Juan (der Papa) heim. Wir essen Reise, Kartoffel und Fleisch und natürlich unsere Tortillas. Zu zehnt an den Küchentisch gequetscht. Die Mädels sind gut drauf und quatschen die ganze Zeit. Dennoch, das ist hier wirklich eine ganz andere Welt. Wir sind todmüde und fallen um neun ins Bett.
Fr, 30.10. (San Jorge am Lake Attitlan) Wir haben einen Bootsausflug mit Dorfbesuchen gebucht. Auf der Ladefläche eines Pickups fahren wir nach Panajachel, einem etwas touristischeren Dorf am Lago Attitlan. Vor uns ragen riesige Vulkane (5000m?) auf. Der See ist der größte Guatemalas und eigentlich sehr blau. Allerdings herrscht seit 2 Wochen eine seltsame Algen? oder Pilzerkrankung, die den See teilweise bräunlich färbt. Man darf keinen Fisch essen und nicht baden. Daniel, der Guide, sagt, dass es jetzt schon etwas besser geworden ist, da es geregnet hat. Die Einheimischen reinigen den See an manchen Stellen, indem sie das braune Zeug rausfischen. Im nächsten Dorf (San Antonio) sind die Trachten wieder etwas anders und es wird nicht gerne gesehen, wenn die Dörfer untereinander heiraten. Man bleibt lieber für sich und bewahrt seine speziellen Traditionen. Der spanische Einfluß kommt doch auch hier wieder durch. Die verheirateten Frauen tragen eine kreuzförmige Bordüre auf dem Rock. Wir besuchen eine Werkstatt mit Kunsthandwerk. Die Frauen weben und besticken Kleidung und flechten Armbänder. Aeoifa (irisch und gesprochen Ifa) wird in traditionelle Kleidung gesteckt. Im nächsten Dorf auf anderen Seite des Sees zeigt uns Daniel verschiedene Früchte, eine Kürbisart, die sich schmarotzerartig eine Palme hochwindet und wie Kaffee angebaut wird. Hier ist es fruchtbar und die Leute können sich villenartige Gebäude leisten. Deshalb heißt der Ort wohl auch Cerro de Oro. Der letzte Ort unserer Tour ist Santiago. Eine Frau zeigt uns wie sie den traditionellen Kopfschmuck, ein Band kompliziert um den Kopf geschlungen, anbringt. Zurück im Dorf, erklärt uns die Mama Carmelita, dass sie heute perlenbestickte Geldbörsen im übernächsten Dorf verkauft hat. Sehr mühselig. Perlen auffädeln und dann noch mit Bus und zu Fuß zum Zwischenhändler. Wir kaufen ihr sofort ein paar Armbänder ab. Die sind so billig, dass es schon fast peinlich ist. Auch wir sollen jetzt die traditionellen Blusen und Röcke tragen. Boah, seh ich doof darin aus. Egal es ist Fotoshooting, wir machen mal wieder Tortillas und zum Schluß essen wir eine traditionelle Suppe, die zu Allerheiligen (also eigentlich am 01.Nov) gegessen wird. Sehr gut und wir bekommen immer die größten Fleischstücke angeboten. Der Abend wird länger, Carmelita erzählt viel von Freunden aus Minnesota und dem Studium der Tochter und von der Heimarbeit.

Markt in Chichi

so bunt

Marktfrauen

Kinder in San Jorge

(Teil-)Gruppe aufem Boot

Kopfschmuck in Santiago

Eltern Ramos, Carla und ich