20.12.2009

Strand und fette Vögel

Mi 16.12. (Cuidad Bolivar) Heute früh raus ohne Frühstück und ab zum Busbahnhof nach Cuidad Bolivar. Nach kurzer Diskussion mit einem Taxifahrer entscheiden wir uns für einen Billigbus nach San Felix, der 2h braucht. Dort am Spaßterminal erstmal Ratlosigkeit, der offizielle Bus nach Carupano ging nur bis 8Uhr. Was nun? Sicher ist es hier eher nicht. Endlich bieten uns die einzig einigermaßen seriös aussehenden Männer eine Buseta an. Für einen anständigen Preis sogar. Und wir erreichen in nur 9 Stunden Carupano. Juhu, so schnell hätt ichs nicht gedacht. Ein uralt Taxi (32 Jahre alter Ford) bringt uns zur Posada Nena am Playa Copey. Leider sind wir etwas enttäuscht, weil wir ein zweites La Casita erwartet hatten. Hier ist nix los und das Zimmer ist klein und der Strand leider schmutzig und sehr wellig. Egal, wir buchen für morgen gleich ne Tour zum schönsten Strand des Landes „La Medina“. Schnelles Essen und todmüde ins Bett fallen.

Do 17.12. (Carupano) Oli kann leider heute nicht mit zum Strand, weil er nachts viel Zeit im Bad verbringen mußte. So brechen Alex und ich zum Supistrand auf. Die Fahrt über Carupona und Rio Caribe nach Medina ist unterhaltsam. Wir hören nur noch Mana und unterhalten uns mit dem Fahrer Jose. Dann am super Palmen, weißen Strand mit blauem Wasser, nur leichte Wellen und wir sind zuerst komplett allein hier. Ein Traum! Etwas später treffen noch ein paar venezolanische Familien ein. Stört uns nicht, wir genießen einfach. Abends als wir zurückkommen, geht’s Oli fast schon wieder gut und wir gehen zum Spanier im Casa Blanca und essen die tollste Paella ever. Mit soviel Mariscos hab ich das noch nicht erlebt. Hier feiern noch neben uns noch ein paar Chavez-Anhänger in roten T-Shirts mit viel Whisky. Endlich Stimmung, ansonsten ist ja an diesem Ort nix los. Als die gegangen sind, äußert sich der Wirt nochmal richtig negativ über die Geldverschwendung 20 Whiskies 18 Jahre alt für 80 Euro. Gut, seine politische Einstellung ist uns jetzt klar. Erste Berührung mit Chavez, ansonsten eher positiv oder neutral, naja, der aufgeklärte Touri-Guide sagt dann doch mal, was er wirklich denkt. Chavez hat wohl einiges für die Campesinos und die Indigenas getan. Unklar ist mir immer noch, was wirklich läuft. Die Ausländer hier misstrauen der Regierung eher.

Fr 18.12. (Carupano) Oli geht’s gut. Trotzdem wollen wir heute einen ruhigen Strandtag machen. Wir schlafen aus und gehen ans Meer. Leider etwas müllig hier. Egal, wir finden unser Plätzchen, lesen und Oli und ich gehen Wellenhopping. Nachmittags entdecken wir, dass wir am Playa Grande und nicht am Playa Copey liegen. Dieser ist zwar schöner und sauberer, hier sind sogar anderen Menschen. Allerdings riecht er komisch. Etwas enttäuscht buchen wir die Tour zur Guacharo-Höhle für morgen. Essen in der Posada Nena. Lecker. Gute-Nacht-Billard und schon wieder früh ins Bett.

Sa 19.12. (Carupona) Heute früh nach lecker Frühstück fahren wir mit unserem „Fahrer“ Jose zur Guacharo-Höhle, die Humboldt am 18.09.1799 entdeckt hat. Der war echt ne coole Sau. In Höhlen rumwandern, Zuflüsse vom Orinoco zum Amazonas entdecken und in Ecuador auf den Chimborazo steigen. Er soll mein neues Vorbild sein. Naja, so schlecht, wie der ausgerüstet ist, da kann ich durch meine Regenjackenvergesserei nicht aufholen. Die Fahrt durch die Berge ist wunderschön, Jose hält an den wichtigsten Punkten und weist auf den Cerro Negra hin, der immerhin über 2.000m hoch ist. Wir sehen fruchtbare Felder, Ananas, Papaya, Kaffee, hier ist das Land fruchtbar ohne Ende. Caripe ist die Stadt vor der Höhle. Nach 2,5 h sind wir da und betreten mit einer Gruppe Venezolaner die Höhle. Die Fettschwalmen (ja, so heißen die Vögel wirklich) kreischen rum, aber dann doch nicht so laut wie bei Hitchcocks Vögel. Der hatte die ja als Vorlage für seinen Film verwendet. Wir bedecken unsere Häupter mit Hütchen und Tücher und waten ins Dunkel. Der Guide Jose Rodriguez bemüht sich luschtig um jeden Stalagmiten, -titen und Schatten daraus. Und läßt keinen schweinischen Witz über jegliche Geschlechtsteile aus. Gut, dass ich den kaum verstehe, allerdings entgehen uns auch die wichtigen Infos über die Höhle. Nach dem Vögelpart geht’s ins Innere der Höhle, 1200m rein und wir sehen einen Bruchteil der größten Höhle Venezuelas. Die ist fast 11km lang, naja, soviel ist zumindest erforscht. Die Venezolaner sind offen für alle Witze und fassen frei raus alles an und zum Schluß waten wir im Schlick. Eine Frau tut uns den Gefallen, rutscht aus und fällt in den Dreck. Die Gruppe amüsiert sich köstlich. Da es dunkel ist mit nur einer Gaslampe vom Guide tasten wir uns so durch den leeren Raum. Bin froh, dass ich auf dem Rückweg endlich das kreischende Geflügel wieder hören kann, und dann den Ausgang sehe. Sind etwas enttäuscht, hatten mehr erwartet. Die Gruppe ist ansonsten wohl zufrieden und gibt Trinkgeld an den leicht perversen Spaßvogel-Guide. Ich ehre Humboldt noch mit ein paar Gemeinschafts-Fotos. Ich hoffe, dass er das zu schätzen weiß. Unser Fahrer mit dem Spitzenmusik-Geschmack führt uns in ein leckeres Bergrestaurant bei Caripe, das sehr liebevoll eingerichtet ist. Nach Digestif und Kaffee warten am Straßenrand mal wieder Fresa con Crema (Erdbeeren mit Sahne) auf uns. Mmmmhhh. Jose erfüllt uns einen letzten Wunsch und fährt uns zum Zuckerrohr-Limonen-Getränk (Canela)-Stand. Ich geb einen aus, damit die anderen das mal kennenlernen. Der leicht magengeschädigte Oli fragt nach einem großen Schluck, ob da wohl sauberes Wasser verwendet wurde… Öhm. Kann ich nicht garantieren und hoffe, dass ich die beiden jetzt nicht ins Kloverderben getrieben habe. Zuhause in der Posada gibt’s leckere Camarones (Shrimps) mit Knobi und Volker will klären, ob ich das Roraima-Trekking (Tafelberg) machen kann. Und wir wollen zum Abschluß noch nach Mochima und Delfine gucken. Die Gespräche an der Bar mit Volker, dem Posada-Besitzer, sind aufschlußreich.

Playa Medina

Playa Medina

Playa Medina

Playa Medina

und nochmal Playa Medina

und nochmal Playa Medina

Eierbaum ;-)

Eierbaum 😉

Eingang Guacharo-Höhle

Eingang Guacharo-Höhle

wurde von Humboldt besucht und beschrieben

wurde von Humboldt besucht und beschrieben

Humboldt und ich

Humboldt und ich

Riesen-Guacharo-Vogel

Riesen-Guacharo-Vogel

Kommentare

Ich kann nur bestätigen, dass wir von der Posada Nena total enttäuscht waren und dir sicher abgeraten hätten. Es gibt so schöne Alternativen in Rio Caribe.

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