29.01.2010

Adrenalinjunkie – die erste

Sa 23.01. (La Paz) Boah, die Luft ist immer noch dünn und ich hab sehr schlecht geschlafen in der ersten Nacht auf ca. 3.800m. Um 6.30Uhr Treffen im Tourbüro. Erstmal Frühstück und ich lern gleich mal sehr nette Leute kennen. Dann Briefing. Regenhose, Handschuhe, Weste und Helm verteilt. Der Adrenalinspiegel steigt. Wir sind zu siebt im Bus und ein weiterer Bus mit 11 von Gecko -Tours. Mit den Bikes auf dem Dach geht’s los. Wir fahren ca. 1h bis zum La Cumbre auf 4.700m. Hier ist die Luft noch dünner und es fängt an, leicht körnig zu schneien. Und jetzt Radfahren, spinnen die? Ich fahr ne Proberunde am See, stell nochmal den Sattel um und bin schon wieder außer Puste. Gut, dass es die meiste Zeit nur bergab geht. 5 Minuten auf der nassen Straße einfahren bis zum nächsten Treffpunkt. Läuft gut. Die nächsten 20Min gehen steil bergab, alles neblig, man verliert jedes Gefühl für Geschwindigkeit und fährt und fährt und fährt. Toll! Als wir anhalten, spüre ich meine Finger vor Kälte nicht mehr und das Wasser läuft durch die leider nicht dichte Regenhose die Beine runter in die Schuhe. Lecker! Wer Abenteuer will, muss halt auch ein bisschen leiden. Und das beste kommt ja noch, die Todestraße. Bisher alles noch harmlos und asphaltiert. Ich hab sogar einmal einen LKW überholt, mit dem Rad!!!! Nochmal 20 Min zum Kontrollposten, an dem 25 Bolivianos abgedrückt werden müssen. Wir steigen kurz in die Busse, die zur Sicherheit immer hinter oder vor uns fahren. Die ersten Mädels wollen nicht mehr. Einer hat schon sein 2. Bike abgeben müssen, weil Bremsen und dann Gangschaltung kaputt. Ich bin am klappern im Bus, nicht vor Angst, sondern vor Kälte. Als es endlich wieder auf die Räder geht, 10 Min später, ist die Temperatur schon minimal höher. Der Regen hat nachgelassen. Die Straße ist nun Schotterpiste, teilweise Lehm, keine Leitplanke, links geht’s direkt abwärts. Man muss auf dieser Straße immer links fahren, warum hab ich nicht verstanden, normalerweise ist Rechtsverkehr. Wir fahren in 3 Gruppen und warten jeweils auf die Langsamsten. Dan muss aufgeben, sein 3. Bike ist jetzt auch kaputt, Ersatz gibt’s nicht mehr und er stinksauer. Fühl mich gut und find’s gar nicht so gefährlich. Komisch. Wir halten an einem Gedenkstein. Hier ist ein israelisches Mädel abgestürzt als sie bei Gegenverkehr die Kontrolle über ihr Rad verloren hat. Mmmh, nicht sehr beruhigend. Die Strecke wird allerdings heutzutage kaum mehr für Autoverkehr benutzt, weil man einfach zu lange braucht und es eine neue Strecke gibt. Und bei Regenzeit, wie jetzt, sowieso nicht. Uns kommt kein Auto entgegen. An dieser Stelle möchte ich allen Autofans das Youtube-Video „Top gear Bolivia challenge Death road“ empfehlen, von 3 durchgeknallten englischen Autofreaks, die mit totalen Schrottautos die „alte“ Straße hochfahren. Vermutlich in der Trockenzeit, weil dann doch sehr viel mehr Verkehr ist. Wir erreichen die San Juan Wasserfälle, die auf die Straße stürzen, so dass wir direkt hindurchfahren müssen. Macht nix, sind ja eh schon klatschnass. Die Landschaft ist inzwischen gut zu sehen, sehr hohe, braungrüne Berge, sehr tiefe Abgründe, gigantisch. Ich konzentrier mich auf den Weg, genieße die Geschwindigkeit und fahr mein eigenes Tempo, das so in der Mitte liegt. Wir halten am Cerro Rojo, die letzten 20 Min waren nicht zu steil und fantastisch zum Dahingleiten. Fotos, Sandwich, Cola, endlich die dicken Klamotten aus und weiter geht’s auf einer etwas mehr besiedelten Strecke an Hühnern und Kindern vorbei. 2Mal durchqueren wir noch einen Fluss, dann ein „jump“, der keiner ist, nur ein kleiner Hubbel (für alle Nichtschwaben: eine kleine Erhebung) und schon sind wir am Zielpunkt angekommen. Die Moskito Bar. 63Km Downhill in ca. 4,5h runter auf 1.200m Höhenmeter. Genial und absolut empfehlenswert, selbst in der Regenzeit!!!!! Unten ist es richtig warm und nach einer kleinen Bar-Pause zusammen mit vielen Moskitos (der Name ist Programm) fahren wir zum Mittagsbuffet an den Pool. Herrlich, erstmal duschen. Der Dreck im Gesicht sah zwar cool aus, aber doch nicht so angenehm und raus aus den nassen Schuhen. Und schon fahren wir mit dem Bus auf der „neuen“ Straße zurück nach La Paz. Ehrlich gesagt, find ich diese Busfahrt gefährlicher als die Mountainbike-Downhill-Fahrt. Wir werden Zeuge eines Unfalls. Ein LKW-Fahrer hat die Konrolle verloren und ist wohl gerade in die Bergwand gefahren. Keiner scheint verletzt aber alle drumrum gucken völlig fertig. Verständlich. Weil die Fahrerkabine in die Wand eingeklemmt ist. Nach ca. 4 Stunden sind wir endlich zurück und ich völlig fertig. Ich bekomme noch eine CD mit Filmen und Bilder und dann zurück ins Hotel. Nur nochmal schnell duschen, beim Inder essen und dann ins Bett.

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Kommentare

yep … bei dünner Luft fällt das mit dem Schlafen recht schwer …insbesondere wenn man so schnell „hochkommt“ / oh man wat’n Erlebnis …habe mal in das youtube Video reingeschaut / bestimmt ein Erlebnis dass man nicht so schnell vergißt !!!

Gruß
Joachim & Co.

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