29.01.2010

Atemberaubende Höhe

Fr. 22.01. (Santiago de Chile – La Paz) Am Flughafen bin ich zu früh dran und steh mir ca. ne Stunde die Beine in den Bauch. Bin todmüde, aber nervös, weil mein Flug nicht angezeigt wird. Etwas beruhigter bin ich als die 2 Damen vor mir mitteilen, dass sie auch nach La Paz fliegen. Die Erklärung: der Flug wird als nationaler Flug eingestuft, weil er zuerst in Antofagasta und dann in Arica landet. Die Passformalitäten werden auch erst in Arica erledigt. Dann geht es alles schnell. Bin um halb eins in La Paz und kann die Uhr mal wieder ne Stunde zurückstellen. Atemberaubend hier, im wahrsten Sinne des Wortes! Bin auf ca. 4.000m angekommen. Auf der Taxifahrt zum Hotel hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und obwohl ich schon mal hier war, find ichs wieder faszinierend. Ein ziegelstein-rotbraun-buntes Häusermeer, riesig und so gar nicht modern, wie man es von einen so großen Stadt erwarten würde. Ein paar wenige Hochhäuser tummeln sich im Zentrum, mehr nicht. Das Straßenbild bestimmen die Frauen mit langen geflochtenen Zöpfen in den bunten, traditionellen Kleidern, Hüten und ihren Verkaufsständen. Die Röcke sind ausgestellt wie Petticoats in bunt, die Hüte eine Art Bowler, die oben schräg auf dem Kopf sitzen. Die Lasten oder Kinder werden in großen bunten Tüchern auf dem Rücken getragen. Eine Hauptstraße ist gesperrt und vieles geschlossen, weil heute der Präsident Evo Morales erneut für 5 Jahre „benannt“ wird und eine Parade stattfindet. Im Dezember war Wahl und er hat mit 64% gewonnen. In der Zeitung hab ich gelesen, dass er gestern in Tinawaku, einer wichtigen Tempelanlage bei La Paz, eine indianische „incio“-Feier durchgeführt hat. Dabei haben ihn 4 wichtige Staatshäupter, u.a. Hugo Chavez und Michelle Bernat besucht. Ob er so was nur für die indigene Wahlbevölkerung macht oder ob er das wirklich ernst meint, weiß ich nicht. Jedenfalls scheint er ein Opportunist zu sein, nimmt Geld von seinem Kumpel Chavez für den Straßenbau und will in Bolivien den Sozialismus einführen und sagt im gleichen Atemzug, dass er Lula (Brasilien) für den besten Präsidenten Südamerikas hält. So in der chilenischen Tageszeitung von heute morgen. La Paz ist übrigens nicht die Hauptstadt, sondern „nur“ Regierungssitz. In die Hauptstadt Sucre reisen wir später. Ich war ja schon mal hier und als ich durch die Straßen gehe, erinnere ich mich sogar an den einen oder anderen Laden. Bin gespannt auf meine Gruppe.Um sieben ist ein erstes Treffen angesagt. Jetzt kommen gerade Susan und Crystal, die Mädels von der Guatemala-Tour in die Lobby. Truppe besteht aus 15 Mädels und Jungs, die ich alle so zwischen 20 und 30 schätze. Die meisten sind vorher schon zusammen ab Lima gereist und kennen sich somit schon gut. Reiseleiter ist Sandro, ein Bolivianer, der einen sehr verschlafenen Eindruck macht. Er sammelt Geld ein und das wars dann. Treffen übermorgen um halb zehn zur Weiterfahrt. Wir lassen uns nicht beirren und organisieren unseren eigenen Willkommensabend im Sol y Luna. Davor beschließe ich eine Downhill-Mountain Bike Tour auf der Death Road, der gefährlichsten Straße der Welt zu buchen. Patrick von der Guatemala-Tour hatte mir davon erzählt und der Gedanke hat mich seit Wochen nicht mehr losgelassen… Meine Zimmergenossin (Roommate klingt besser, gell?) ist Cheryl aus Australien, besser gesagt Alice Springs. Auch nicht mehr die jüngste, aber auch extrem unternehmungslustig.

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