19.03.2010

Im Fußballstadion am Weltfrauentag

Sa 06.03. (Buenos Aires) Jason, ein paar Jungs und Mädels aus seinem Hostal und ich wollen heute zum Fußball ins legendäre Stadion „La Bombonera“ (der Pralinenschachtel) in BA gehen. Heute abend spielen Boca Juniors (die Lokalpatrioten) gegen Racing. Um 10Uhr stehen wir schon in der langen Schlange vor dem Stadion, um uns Karten für den Abend zu sichern. Lustig, die Fans mit ihren T-Shirts zu beobachten, einer hat sich sogar einen Spielernamen eintätowiert… Die Polizei riegelt schon mal vorsorglich alles um das Stadion ab. Wir sichern uns Tickets und werden fast ganz oben in diesem unheimlich steil gebauten Stadion sitzen. Danach schleppe ich die Jungs noch nach La Boca, dem kleinen bunten vormals italienischen Viertel gleich hinter dem Stadion. Nachmittags erreiche ich endlich Nico, unseren Patagonien-Reiseleiter von letztem Jahr, der diese Woche bei seinen Eltern in Buenos Aires ist. Wir wollen uns irgendwie nach dem Fussballspiel treffen. Um 5 müssen wir schon beim Spiel sein, Jason kauft noch schnell ein neues T-Shirt von Boca Juniors, da das vorher gekaufte Argentinien-Shirt dann doch zu sehr dem Racing-Shirt ähnelt und somit Probleme im Fanblock bereiten könnte.Wir erklären uns kurzerhand zu Boca-Fans, weil 95% der Fans für Boca sind und wir im richtigen Block jubeln wollen. Das Stadion brodelt als die erste Spieler eintrudeln. Racing wird gnadenlos ausgepfiffen, die Ränge sind voll, alles ausverkauft. Kurz vor dem Spiel wird schon eine riesige Flagge über den Mega-Boca-Fanblock gerollt, die eigene Trommelband feuert die Mannschaft und das Spiel fängt spannend an. In der ersten Viertelstunde fallen schon 2 Tore: 1:1. Bei diesem Spiel kommt wirklich keine Langeweile auf; die Südamerikaner wissen einfach, wie man einen Ball bewegt. 😉 Palermo ist der gutaussehende Boca-Superstar. Auf seinem Arm ein Tatoo mit dem Namen seines Sohnes Stefano. Wenn er ein Tor schießt, küsst er den Arm. Da sind die Frauen natürlich hingerissen. Davon gibt’s übrigens viele im Stadion, die sogar ohne Mann, in voller Fantracht und mit ultimativem Schimpfwortschatz anrücken. Heute ist übrigens auch Tag der Frau, so dass ein paar Frauen am Anfang aufs Spielfeld dürfen und Werbung für Herzinfarkt-Prophylaxe bei Frauen machen. Seltsam. Zur Halbzeit bekommen wir noch einen schönen Sonnenuntergang über der Stadt beschert. Das Spiel nimmt seinen Lauf. Racing schießt ein weiteres Tor. Der Fanblock Racing gegenüber ganz oben brodelt, die Boca Fans versuchen unermüdlich, auch in der 2. Halbzeit, ihre leicht verwirrte Mannschaft anzufeuern. Vergeblich! Racing gewinnt. Wir gehen rechtzeitig kurz vor der 90. Minute, bevor die Ausgänge für Boca Fans für eine halbe Stunde geschlossen werden, weil die Racing Fans einen leichten Vorsprung bekommen. Nico ist glücklich, weil Racing, seine Mannschaft gewonnen hat und lädt mich zu seinen Kumpels nach San Telmo ein. Dort lern ich auch seine Freundin, eine Schweizerin kennen und wir reden mal wieder so richtig viel deutsch, was für mich schon fast ungewohnt ist. Der Abend wird noch ein bisschen länger und ich lern mal ne Kneipe kennen, in die nur Einheimische gehen.

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