So 28.03. (Te Anau) Um meine Schuhe einzulaufen und weil der direkt vor der Türe liegt, nehme ich mir heute ein Teilstück des Kepler Tracks vor. Um halb zehn das Bötchen zur Brod Bay , dann locker ein bisschen einwandern. Aus dem Einwandern wird dann auf Empfehlung des Bootsführer doch eine längere Tour zur Mount Luxmore Hütte und dann um den See zurück nach Te Anau. Am weißen Sandstrand der Brod Bay gehe ich los und lande sofort in einem bemoosten Märchenwald mit Riesenfarnen. Ich fühl mich wie Frodo. Grüner geht’s nicht. Nach 2,5 Stunden erreiche ich die Waldgrenze und werde mit einer fantastischen Sicht über den Te Anau-See belohnt. Noch ein bisschen auf der Höhe durch goldenes Neuseeland-Gras gewandert und dann ein Päuschen in der Luxmore Hütte. Die Wege sind luxeriös. Überall Brückchen, damit die fragile Graslandschaft nicht zertrampelt wird, wenns steil wird, gibt’s ne Treppe und alles harmonisch eingepasst. Gerne auch mal gekiest. So einen Luxus hab ich seit den Wanderungen in Costa Rica nicht mehr gehabt. Auf dem Rückweg kommen wir die voll bepackten 3 Tageswanderer entgegen, die durch den Märchenwald schnaufen. Mit voller Verpflegung und Zelt sieht das Tempo doch nochmal anders aus… Das letzte Stück um den See hab ich schon fast genug. Später berechne ich, dass ich an diesem Tag 22km und fast 7h gewandert bin. Muskelkater ist ok, aber leider hab ich auch Blasen an den Füßen. Mist. Um 17.45 Uhr geht mein Bus zurück nach Queenstown. Von dort werde ich den Routeburn Track beginnen. Lustig, im Bus zeigen sie den March of the Penguins, den ich schon auf dem Antarctic Schiff gesehen habe. Die Pinguine lassen mich einfach nicht mehr los. Ich werte das als gutes Zeichen und genieße.
Mo 29.03. (Queenstown) Heute geht’s früh los. Mein kleiner Rucksack ist voll gepackt mit Essen, einem Schlafsack und ein paar dicken Vliespullis und Regensachen. Die Ansage: „Auf dem Routeburn Track muss man damit rechnen, mindestens einmal richtig nass zu werden.“ Meine stille Hoffnung ist, dass das gute Wetter mit mir reist und Glück habe. Dieser Morgen ist wunderbar. Nach einer kleinen Pause in Glenorchy fahren wir an den Startpunkt und mit vielen Fotos erreiche ich nach einer kleinen Wanderung schon die Routeburn Flats Hütte. Sobald man sich niederläßt wird’s doch etwas kühler. Ich esse kurz was und mach mich auf zur nächsten Hütte, der Routeburn Falls. Jetzt setzt ein bißchen Sprühregen ein. Ich beschleunige. Bin bald da und hab noch eine tolle Aussicht auf das nächstgelegene Tal. In der Küche wird bald gekocht. Eine Schulklasse kommt von der anderen Seite des Weges, ich lerne 2 ältere Pärchen kennen aus Australien. Dann lese ich noch ein bisschen in meinem Whale Rider Buch, das ich bisher nicht als Film gesehen hatte und deshalb passend zu NZ unbedingt haben musste. Riesenschlafsaal mit Holzstockbetten. Keine Duschen. In der Küche wird jetzt alles gegeben, die Brutzelei erreicht ihren Höhepunkt, die Schulklasse mit 20 halbwüchsigen Jungs brät Würstchen, 4 Spitzenköche panieren ihre gefrorenen Hühnchenschnitzel und bereiten Salat. Ph, meine Pasta mit Tomatensauce und Tunfisch ist auch lecker…
Di 30.03. (Routeburn Falls Hütte) Es schüttet! Angesagt sind 6h durch Regen und stürmischen Wind. Bin lustlos, viel zu schnell und erreiche nach 4h, in denen ich fast vom Bergkamm gestürmt worden wäre, als erste die Hütte. Es ist noch ungemütlich, kein Feuer an. Bin klatschnass, vor allem die Stiefel sind nicht wasserdicht. Mist! Karen aus Kalifornien kommt aus der anderen Richtung und hat ein Zelt dabei. Also keine Voranmeldung für die Hütte. Wir diskutieren, sie soll den Hüttenwart einfach bitten auf dem Boden in der Küche zu schlafen.. Ist auch nicht viel anders als im Schlafsaal. Als es voll wird, sind noch 3 Kiwis bereit ihr zu helfen. Letztendlich ist der Hüttenwart verwirrt, verwechselt Karen und mich, weil wir beide blaue Softshells tragen. Und vergißt sie nach ihren Ticket zu fragen. Danach zieht er noch ein Riesenspaßshow ab und erzählt in witzigen Stories, wie eine dicke Dame die Türe zum Schlafsaal nachts offen gelassen hätte und dann ein Possumpärchen alle wachgehalten hätte. Mein Lieblingspart: Wenn Feueralarm ist, treffen wir uns vor seiner Hütte und stehen im Regen. (Ja, es regnet hier wohl immer, nur 2 Tage im Jahr seien sonnig, aha, steht so nicht in der Broschüre) und schauen zu wie die Hütte abbrennt. So so. Feuer ist sowieso die größte Angst des Kiwis. Wohl auch berechtigt. Selbst an den Straßen sind Feuerwahrscheinlichkeits anzeiger (längstes Wort I-EVER). Heute gibt’s Thai Curry als Fertiggericht. Sehr empfehlenswert, die hiesige Überlebensküche. Danach hab ich immer noch Hunger und esse den Rest meiner Pasta in Currysauce. Auch lecker.
Mi 31.03. (Routeburn MacKenzie Hut) Es regnet. Diesmal bin ich cleverer. Warte bis zehn bevor ich losgehe, hab zum Schluss ja keine richtige Hütte mehr am Abholpunkt. Trotzdem zu schnell, is ja kalt. Leg ne Pause in der Howden Hute ein und esse die Reste auf. Regen, Regen, Regen, viele viele Wasserfälle. Hier wurde auch einer der LOTR (Lord of the Rings) Wasserfälle gemixt mit einem von der Nordinsel gefilmt. Mach keine Fotos, will meine Kamera ja nicht zerstören. Bin zu früh da, hab mir ja ne Sicherheitszeit eingebaut. Unterwegs treff ich noch 2 deutsche Jungs aus Köln und Münster, haben sich in den Hütten ein bißchen versteckt, jedenfalls kommts mir vor, als sähe ich sie zum ersten Mal. Bei über 40 Leuten pro Hütte, ist da ja auch kein Wunder. Meine Aussies und die Spitzenköche bleiben noch eine Nacht in der letzten Hütte. Um 15.15Uhr ist endlich Abholung vom Divide. Kalt, nix mehr richtig trockenes, anzuziehen. Gut, dass der Bus so richtig schön überhitzt ist. Ich trockne und taue auf. Nach 2,5h sind wir in Te Anau und ich miete mich wieder in der Juhe ein, in der ich mein großes Gepäck gelassen hatte. Alles dreckig und nass, ich wasch erstmal. Leider funktioniert der Trockner mehr schlecht als recht, so dass meine Socken noch Tage später komisch riechen. Bäh! Heute gönn ich mir ein Ripeye Steak mit Pommes (muss ja wieder zu Kräften kommen;-)) und es schmeckt fast so gut wie in Argentinien.
Nachtrag von den deutschen Jungs, die übrigens Dirk und Oli hießen (keine Ähnlichkeit mit lebenden Personen): Kommentar von Dirk „Also mit Vögeln haben wir bisher nicht so viel Glück gehabt“. Als Oli und ich grinsen, merkt er, was er gesagt hat und wir lachen uns schlapp. Er meinte natürlich, dass sie noch keinen Kiwi und keine Keas gesehen haben, obwohl es zumindest sehr viele Keas hier geben soll. Ja, Papa, das sind die Vögel, die gerne mal Gummi essen.