17.04.2010

Der weiße Vlitzer

Fr 02.04. (Queenstown) Morgens hole ich am Flughafen mein Auto, ein Tojota Vlitz (heißt echt so) in strahlendem weiß und mit ein paar Macken ab. Eine Deutsche, die hier lebt, übergibt mir das Fahrzeug und jammert ein bisschen, dass Neuseeland dann doch nicht immer so toll wäre, wie man sich das als Urlauber vorstellt. Naja, den Optimismus hat diese Frau allerdings auch nicht erfunden. Dann die ersten Meter linksfahren, muss mich konzentrieren, aber dann klappt’s ganz gut. Nehme gleich die Gebirgsroute nach Wanaka und genieße das Kurvenfahren in vollen Zügen. Mein kleines Autochen mit Automatik zieht an, wenn es soll und ich kann endlich überall anhalten und Fotos machen, wenn ich will. Der Tag ist wunderschön, die Sonne strahlt und so viel türkisfarbenes, Gletschermehl-Wasser, blauer Himmel und dann noch die Berge. Fantastisch. Weiter geht’s zum Mt. Cook. Ich geh kurz ins Museum, gleich unterhalb der Hermitage, dem berühmten Hotel am Platze. Edmund Hillary hat schon hier für den Mount Everest geübt. Immerhin ist der Mount Cook (Aoraki) 3754m hoch und sehr wetterwechselhaft, weil auf der einen Seite am Meer immer Regenwolken gebildet werden. Deshalb sehen die Wolkenformationen auf meiner, der anderen Seite auch so exotisch aus. Die Regenwolken haben sich abgeregnet und übrig bleiben nur noch seltsam geformte weiße Flecken. Ich fahr ins Hooker Valley für eine kleine Wanderung. Allerdings ist es wegen Karfreitag sehr voll und viele Familien mit Kindern sind unterwegs, so dass ich auf dem überfüllten Weg bald keine Lust mehr habe. Bin ja unabhängig und fahre einfach weiter von Omarama an die Küste nach Oamaru und verlasse somit das Fjordland. An der Kreuzung in Omarama sehe ich ein Hippiepärchen am Straßenrand stehen und beschließe sie mitzunehmen. Einmal muss man hier einfach Anhalter mitnehmen. Sie wollen zu einem Künstlerfest nach Wilson und das liegt ja in meiner Richtung. Das Mädels ist aus USA, der Typ schläft auf dem Rücksitz gleich ein. Sie haben schon 3Stunden erfolglos in Omarama an der Kreuzung gewartet. Die Armen. Dafür müssen sie jetzt meinen Osterinsel-Mucke anhören, da das Radion hier nicht funktioniert und ich ja nur eine begrenzte Anzahl CDs habe. Nämlich nur die frisch gekauften. In Oamaru an der Küste ist nix geöffnet, ist ja Karfreitag, ich geh kurz tanken und beschließe die beiden nach Wilson zu bringen. Wir fahren ca. 20km in eine noch ländlichere Gegend, die sehr schön, hügelig und so richtig am Arsch der Welt ist. Der Farmer vor mir fährt so langsam, dass wir fast stehen bleiben. Das Kunstfest besteht aus einer Ansammlung von 20 Hippies auf einer Wiese, mit Zelt und Dixiklo, so dass ich beschließe, hier nicht zu bleiben. So basic bin ich doch nicht und freu mich auf meine Hostelbett. Zurück in Oamaru check ich erstmal im hiesigen, höchst altertümlichen Hostel ein und die Wirtin rät sofort zu den blaue Pinguinen zu gehen, die nach Sonnenuntergang heimkommen. Diesmal bin ich etwas enttäuscht. Ungefähr 50 Leute sitzen auf einer Holztribüne und warten bis 20 kleine blaue Pinguine heimkommen. Die Asiaten werden unruhig, keine Lust mehr zu warten. Aber dann kommen sie, die kleinen 1kg-Tierchen. Trödeln rum, unterhalten sich erstmal am Felseinstieg über den heutigen Tag und den Fischfang und wandern dann gemütlich in 2 Gruppen zum Brutplatz. Völlig unspektakulär, man sieht fast nix und dafür hab ich auch noch 20 NZ-Dollar bezahlt. Och nö. Amüsant finde ich, dass man auf dem Parkplatz noch unterm Auto gucken soll, weil sich die Pinguine ab und zu dorthin verlaufen. Aufem Parkplatz ist wahrscheinlich mehr los, deshalb tummeln die sich dort aus lauter Langeweile. Danach wird’s mal wieder schwierig mit Essengehen, ist ja schon fast neun. Selberkochen is auch nich, Supermärkte hatten heute ja nicht offen. Erleichtert find ich noch ne Pizzeria, hatte ich zwar schon gestern, aber was solls.

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