Mo 05.04. (Christchurch) Der Shuttle zum Zug geht schon um halb sieben. Und ich steh frierend an der Haltestelle und hab ein Kälte-Deja-vu von gestern. Der TransAlpinZug ist ein spezieller Tourizug mit Aussichtsplattform und Cafewagen, der durch eine der schönsten Gegenden der Südinsel fährt. Vorbei an Springfield, am Arthurs Pass, Gebirge und türkisfarbenen Flüssen bis nach Greymouth auf der anderen Seite der Insel. Mir gegenüber sitzt ein älterer Engländer, der leider ganz schrecklich stinkt (vor allem nach abgestandenem Rauch), gelbe Zähne hat und irgendwie die ganze Zeit in seinem seltsamen Englisch (er hat einen Sprachfehler, wie er erwähnt) das Gespräch mit mir sucht. Aus Protest schlafe ich dann irgendwann ein, was bei einer Scenic Zugfahrt nicht gerade das beste ist. Aber die 9 Tunnel unterwegs können einen ja wirklich ermüden. Zumindest schleppe ich mich zwischendurch zum offenen Aussichtswagen, um nicht endgültig am Atem des Engländers zu ersticken, der natürlich jede kleine Pause am Bahnhof nutzt, um sich noch eine rein zu ziehen. Er behauptet übrigens, dass Springfield, die Stadt der Simpsons ist. Die liegt zwar nicht in Neuseeland, aber ich stimme allem zu, denn so benebelt von schlechtem Geruch könnten mich auch Zeichentrickfiguren nicht überraschen. In Greymouth selbst gönn ich mir noch ein Burgerchen, bevors weiter mit dem Bus zum Fox Glacier geht. Das Wetter sieht sehr bewölkt aus als ich ankomme, ob das Gletschertrekking morgen wohl stattfindet?
Di 06.04. (Fox Glacier) Als ich aufwache, ist das Wetter super! Fast schon blauer Himmel, doch ich fühl mich total schlapp mit Halsweh und Ohrenschmerzen. Das darf doch nicht wahr sein. Ich will doch auf den Gletscher! Ich schleppe mich zum Trekkingcenter und frag, ob ich von Ganztagstrekking auf das Halbtagstrekking umbuchen kann. Geht, soll aber nur halb so schön sein. Als ich nachmittags ankomme, ahne ich böses. Ein Gruppe Asiaten mit Schühchen und Jäckchen und Handtäschchen wollen auch auf den Gletscher. Sie werden erstmal komplett ausgerüstet und dann geht’s in den Bus zum Fox Gletscher. Wir werden in 2 Gruppen aufgeteilt und ich bin glücklicherweise nicht bei den Asiaten. Zuerst laufen wir durch ein fast tropisches Waldstück zum Gletscherrand. Ich keuch rum, vermutlich krieg ich ne Grippe. Am Eisfeld ziehen wir die Steigeisen unter die Schuhe und dann unter höchsten Sicherheitsbedingungen (ehrlich) mit eingeschlagenen Stufen und Halteseil im Eis, dürfen wir uns auf den Gletscher wagen. Kein Vergleich zu meinem Gletschertrekking letztes Jahr in Patagonien, das viel spannender und ursprünglicher war. Doch ich bin einfach nur froh, dass ich in meinem kränklichen Zustand zumindest so weit gekommen bin. Wir dürfen in Gletscherspältchen gucken und viel fotografieren. Auf dem Rückweg wird uns noch ein Sonnenuntergang mit knallorangefarbenen Wolken inszeniert. Die Asiatengruppe ist so langsam, dass wir noch ein bisschen warten und fotografieren dürfen. Sieht genial aus. Was für ein Tag!
Mi 07.04. (Fox Glacier) Hab mich jetzt auf Paracetamol 1g gesetzt. Die Geheimdroge seit Südamerika. Daher ist die Busfahrt vom Fox Gletscher nach Queenstown einfach nur mit Schlafen und Rausgucken zu beschreiben. Die Landschaft ist toll! Da neuerdings ältere Herren an mir Interesse zeigen, hab ich diesmal einen Kanadier an der Backe, der aber einfach nur freundlich ist, Fotos von mir (völlig ermattet) macht und nicht stinkt. Wir halten an einer Lachs- und Regenbogenforellen-Zucht. Und meine Mitreisenden geben sich schon morgens die ersten Fischbrötchen. Der sympathische Mr McDonald hat eine Fischallergie und verzichtet geruchsneutral auf jegliche Fischsnacks. Was bin ich dankbar. Nochmal zurück ins Adrenalinstädtchen Queenstown… Doch ich geh nur ins Hostel, leg mich ins Bett ab und bau mein fiebriges Nicht-Adrelin ab.
Do 08.04. (Queenstown) Heute Busfahrt nach Christchurch. Es geht langsam aufwärts. Gesundheitlich,mein ich. Trotzdem hab ich keine einschneidenden Ereignisse und von keinem älteren Herrn zu berichten. Hab diesmal ein richtig cooles Hostal mitten in der Stadt gefunden und werfe mich nach einem guten Essen (Chicken Tandoori) beim Inder ins Bett! Mein natürlich nicht in ein indisches Bett, sondern in mein eigenes.