6.07.2010

Der omnipräsente Sultan und das ruhigste Land der Welt

Di 22.06. (Bandar, Brunei) Heute hab ich die Besichtigung von Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt von Brunei vor. Zuerst geh ich in einer Bäckerei frühstücken. Der Bediener meints besonders gut und reicht mir einen Nescafe 3 in 1. Soll heißen Kaffeepulver, Milchpulver und Zucker vorportioniert. Nun gut, hab mich an diesen Kaffee schon gewöhnt. Ich trinke ihn am Hafen und werde gleich mal in ein Pläuschen mit den Bootsleute verwickelt. Natürlich geht’s um Fußball und wie ruhig und langweilig Brunei doch sei. Selbst die Bootsleute jammern, dass nix los sei, alles sterbenslangweilig und es gäbe kaum Touris. Das liegt an der Religion, dem Islam, und dem Sultan, die Alkohol und sonstige Vergnügungen hier komplett verbieten. Der Sultan ist übrigens omnipräsent, überall hängen Bilder von ihm, meistens noch jugendlich und überlebensgroß, am Stadion, auf der Straße und in jedem Geschäft. Dieser Mann wird ja fast wie ein Gott verehrt… Ich fliehe in die Moschee Omar Ali Saifuddien, mit goldener Kuppel und auch sonst recht schick ausgestattet, mit Teppichen aus Belgien und Saudi Arabien, Leuchter aus England, Marmor aus Italien, Granit aus Shanghai und einem Mosaik aus venezianischem Glas. Sagt der Reiseführer. Am Eingang bekomme ich einen schwarzen Umhang mit langen Ärmel gereicht und das obwohl ich mit langer Hose und T-Shirt schon dermaßen konservativ gekleidet bin. Leider darf man in der Moschee nur 10m geradeaus und 3 Meter nach links auf dem roten Teppich gehen. Mehr ist nicht erlaubt. Ich lass mich vom Wärter im Umhang fotografieren und nachdem er erfahren hat, dass ich aus Deutschland bin, führen wir natürlich mal wieder ein kurzes Fußball-Fachgespräch. Sehr lustig! Nun zur Tourist Info, checken wie ich morgen nach Kota Kinabalu komme. Dann ins Sultans-Verehrungsmuseum Royal Regalia. Das ist nun vollkommen kurios und zeigt von Schulbildern, Krönung und 50JahrFeier alles, was der Sultan so berührt hat. Am lustigsten ist ein goldener Arm mit Faust, auf dem der Sultan bei der Krönung sein Kinn aufstützen konnte. Auch schön, sind die Geschenke der verschiedenen Länder und der eigenen Bevölkerung zur Krönung. Darunter alles vom Stück Seil (?) bis zum Diamant besetzten Kuli. Aus Deutschland hab ich nix gefunden. Ob ich mal in der Botschaft im Einkaufszentrum nachfragen soll? Als ich durch die Glastür schaue, ist keiner da. Dann halt nicht. Das nächste Highlight ist eine Bootstour durchs Kampang Ayer. Das sind Hütten auf Pfählen am Fluss, die sich 3km lang gegenüber von Bandar am Ufer entlang erstrecken. Zum Teil modern mit Satellitenantenne ausgestattet, liebevoll mit Topfpflanzen geschmückt. Höhepunkt meiner Tour ist die Wassertankstelle. Der Schlauch wird runtergereicht, mein zahnloser Bootsmann tankt und legt anschließend das Geld in einen kleinen Eimer, den der Tankwart am Seil hochzieht. Das ist modernes Tanken bei Shell! Fühl mich hier übrigens nicht so wohl, alle starren mich an, obwohl ich extra konservativ gekleidet unterwegs bin. Im Swimming-Pool im Pusat Belia Sportzentrum bin ich die einzige Frau, nur Männer und Kinder im Wasser. Na toll! Die Frauen sitzen in voller Verschleierung neben dem Pool. Alle gucken. Danke auch.

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