22.08.2010

Tempel, Tänze und 3 T’s

Fr 23.07. (Pandangaran) Superpünktlich um neun startet der Transport nach Yogyakarta. Ich habe mal wieder „Travel“ gebucht, das ist eine Art Privattransport, der in Java allerdings “nur“ von Indonesiern genutzt wird. Somit lerne ich mal wieder Einheimische kennen. 2 nette junge Indonesier, die in Yogyakarta arbeiten. Nach 8 Stunden Fahrt sind wir endlich da; im Green Garden, einem Wohlfühlhostel, das einem Holländer gehört. Ich übernachte im Dorm und lerne sofort nette Leute kennen. Thomas, der charmante Hostelmanager aus Flores, zeigt uns alles und gibt Tipps zur Stadt und Tempel. Die Fahrrad-Verleih und Wäsche sind sogar gratis! Ich esse im Restaurant „Depot Bandung“. Da mein Indonesisch noch supermager ist, folge ich der Empfehlung der Bedienung, die meint, dass Ausländer auf frittiertes, paniertes Hühnchen mit Reis stehen. Zumindest ist der Fruchtsalat mit Kondensmilchsauce und Käse obendrauf etwas authentischer.

Sa 24.07. (Yogyakarta) Habe für heute eine Tour zu den berühmten Tempeln Borobodur , Prambanan und Ratu Bako mit Sonnenuntergang gebucht. Zu zweit mit Lukas, einem lustigen jungen Deutschen, erwandere ich erst 2 kleinere Tempel zum Aufwärmen. Unter einem riesigen Banyan-Baum (Baum mit langen hängenden Zweigen, die wie Schnüre zu Boden hängen) hat sich eine Schulklasse niedergelassen bzw. drangehängt. Wir befürchten schon schlimmes, nämlich alle 2 Minuten um ein Foto gebeten zu werden. Doch sie trauen sich nicht richtig und wir können fast in Ruhe selber fotografieren. Dann Borobodur: beim „Einchecken“ erhält man eine Flasche Wasser und darf zum Tempel laufen oder mit dem peinlich obligatorischen Touribähnchen, das es wirklich überall auf der Welt gibt, fahren. Der Tempel ist beeindruckend, aus schwarzem Vulkanstein gebaut, 5km langen in Stein gehauenen Reliefs mit unter anderem Geschichten aus Buddhas Leben und 72 Stupas, die fast alle eine Buddhastatue beinhalten, bestückt. 75 Jahren (vom Ende des 8. Jahrhunderts bis Mitte des Neunten) soll die Erbauung gedauert haben. Wir steigen auf die dritte Etage und gucken in die Stupas mit Gitterlöchern, um die Buddhas drinnen zu sehen. Die Reliefs muss man vom Aufgang beginnend auf jeder Etage separat erfassen/lesen, die Pilger steigen so von der Realität, also der Phase der Wünsche bis zur höchsten, dem Nirvana, der wunschlosen Leere. Für uns isses eher von der Phase „viel Touris“ zu „noch mehr Touris“ Oben 2 leere Kammern. Ob diese jemals mit Buddhafiguren ausgestattet waren, ist selbst Wissenschaftlern unklar. Korrekt wärs ja, denn im Nirvana gibt’s ja nix. Bin beeindruckt, fand aber Angkor Wat in Kambodscha interessanter, weils hier ja „nur“ einen Tempel zu sehen gibt. Auf dem Weg zum Prambanan Tempel, dem größten hinduistischen Gebäude Javas, stoppen wir zum Mittagessen in einem kleinen Warung, das uns der Fahrer empfiehlt. Wir dürfen aus verschiedenen Schüssel probieren und zusammenstellen. Die Hühnerherzen lehne ich ab, kann mich aber für Shrimps mit Kokosnuss-Sauce erwärmen. Dazu wieder grünes Gemüse, Urab, aus Bohnen und Spinat und natürlich Nasi (=Reis), Tofu, Tempe und braunes Ei. Dieses gemischte Mahl heisst hier Nasi Campur und das gibt’s in unterschiedlichsten Varianten in ganz Indonesien. Zum Nachtisch halten wir bei einem Fruchtstand, der die sogenannten Schlangenfrucht, Silak verkauft. Die Schale der Frucht sieht wirklich schlangenartig, jedoch braun aus und fühlt sich seltsam an. Ich mag’s und kauf gleich mal ein halbes Kilo. Der Prambanan Tempel besteht aus mehreren Candis, also Tempeln, die zum Teil erst kürzlich renoviert wurden. Die größten sind Siva, Vishnu und Brahma, den wichtigsten hinduistischen Göttern gewidmet und dementsprechend mit verschiedenen Tierfiguren wie Garuda, dem mystischen Vogel, Hamsa, der Gans und Nandi dem Bullen geschmückt. Das Ramayana-Epos, das die Geschichte von Krishna erzählt, wird in Reliefs dargestellt. Wir wandern durch die Tempel bis zum letzten, dem Sewu. Schafe und exotische Bäume findet Lukas interessanter als die Tempel auf dem Weg, die wegen Renovierungsarbeiten gesperrt sind. Gurken am Baum entpuppen sich auf Nachfrage als eine Art Baumwollersatz. Wir spazieren mit musikalischer Untermalung. Ein vermutlich extrem gelangweilten und eventuell unterbezahlten Gamalan-Spieler, der ca. 5minütlich auf seine Xylophon schlägt wird per Lautsprecher in der ganzen Anlage übertragen. Doch wir findens überraschend gemütlich und viel leerer als Borobodur. Abgesehen von den Verkäufern, die selbst die hintersten Tempel belagern, ein paar fratzigen steinernen Tempelwächtern und vereinzelten Touris sind wir fast allein.Und schon geht’s weiter zum Sonnenuntergangstempel. Wir sind zu früh und erwandern den leeren auf einem Berg gelegenen Ratu Bako. Die einheimischen Kids spielen Fußball, eine Schulklasse wird eingesammelt und muss gehen, dann wird’s hier oben ungewöhnlich still und der Blick auf Prembanan, Reisfelder und die Flußlandschaft, mit den Spielzeug-Autos, Bötchen und Zwerg-Menschen breitet sich vor uns aus. Der Vulkan gegenüber liegt noch in den Wolken, doch dann lässt er plötzlich seinen Gipfel blicken. Sehr schön! Auf der Aussichtsterrasse am Restaurant herrscht ein reges Treiben, eine Veranstaltung mit Bestuhlung, Essen und Musik wird vorbereitet, sogar ein Feuerwerk ist geplant. Lukas, der gelernte Veranstaltungstechniker kann sich kaum mehr halten. Dann das Finale, der Sonnenuntergang in rötlichsten Farben. Sehr gelungen! Mutter Natur kreiert die besten Veranstaltungen 😉 Zu Abend essen wir zusammen mit Crystal, einer Amerikanerin im Depot. Und diesmal haben wir mit Lukas Indonesisch-Büchlein die besseren Gerichte identifiziert.

So 25.07. (Yogyakarta) Crystal und ich wollen uns heute mit den Fahrräder in die Innenstadt von Yogyakarta wagen. Lukas hat eine Vulkantour gebucht. Eine Französin schließt sich spontan beim Frühstück (Schlemmer-Niveau) an. Der Straßenverkehr ist die Hölle, aber der Weg in die Stadt eben und in fast 15 Min sind wir schon beim Sultanspalast, dem Kraton. Der Sultan lebt wirklich noch hier und sieht auf einem Jugendbild aus wie Thomas vom Hostel. Ob der auch aus Flores ist? Den nicht bewohnten Teil der Palastes dürfen wir besuchen. Das ist nicht ganz einfach, weil die Eingänge kreuz und quer liegen, um die Geister (und auch uns) zu verwirren. An verschiedenen Stellen müssen wir Eintritt bezahlen. Komisch. Highlight ist der sonntäglich traditionelle Tanz. Ein Mädchen tanzt ungefähr eine Stunde in den langsamsten Bewegungen von einem Gamalan Orchester begleitet. Wir sind fasziniert und als noch ein Tänzer und 2 „kämpfende“ Tänzerinnen darbieten, komme ich aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus. Da ist jede Bewegung exakt und zur Perfektion ausgebildet, selbst die Augen müssen zu jeder Bewegung passen. Unglaublich. Am Ende werden wir von einem Verkäufer in eine Schattenpuppen“fabrik“ mitgenommen. Interessant wie die Puppen aus Lederhaut von Hand in ihre Form gestochen werden. Die Französin muss plötzlich zurück, sie wollen ja noch weiter heute. Toll, wir müssen mit, weil sie den Weg angeblich nicht zurück findet. Danke auch! Nach einer Pause mit Gudeg, Reis mit Jackfruchtsauce mit 3 T (Tahu=Tofu, Temper, T? gekochtem braunem Ei) und Tee im Hostel brechen Crystal und ich nochmal auf, um die Märkte von Yogya unsicher zu machen. Dieses Abenteuer endet leider abrupt damit, dass Crystals Scheckkarte bei einem Bankautomaten eingezogen wird. Sie bleibt ruhig, selbst als der Beamte mitteilt, dass die Karte zerstört werden muss. Crystal fährt zurück, ich kauf mir einen Schal auf dem Markt und fahr dann zum Bahnhof, da ich ja weiter zum Mount Bromo möchte. Da die Züge nur nachts fahren, beschließe ich noch diese Nacht nach Malang aufzubrechen. Im Hostel zurück kocht ein Mädel Chicken wings mit Reis und wir dürfen mitessen. Crystal hat sich auf dem Rückweg zum Hostel noch den Unterschenkel an einem Motorradauspuff verbrannt und so langsam beginnt ihre bewundernswerte Gelassenheit ins Wanken zu geraten. Und ich kann nur hoffen, dass sie ihre Karte wiederbekommt und mehr Glück auf ihrer Weiterreise hat. Ich nehme den Nachtzug um halb zwei nach Malang. Auf dem Bahnhof lerne ich noch einen jungen, modernen Indonesier kennen, der mir erklärt, das alle Züge zu spät kommen. Die lange Wartezeit vergeht schnell, als er über „seine“ Stadt Surabaya, aus der er kommt und in die er zurückfährt, erzählt. Mein Zug kommt nur eine Stunde zu spät und ich falle erschöpft in einen kurzen Schlaf.

Kommentare

…kleine Anmerkung am Rande : das Ramayana erzählt die Geschichte von Rama …einer Inkarnation von Vishnu ( Krishna ist ebenfalls eine Inkarnation von Vishnu aber eben nicht Rama ;-))

Es geht doch nichts über eine gepflegte Klugscheisserei hinweg über die Kontinente

Gruß & paß auf Dich auf

Joachim & Co

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