2.09.2010

Die Stadt der Gegensätze

Mo 16.08. (Seminyak) Bali war wirklich toll, viel ursprünglicher als ich dachte. Ich kann gut verstehen, dass einige Leute hierher ausgewandert sind. Heute morgen geh ich nochmal zum Kantor Immigrasi und bekomme meinen Pass mit Visaverslängerungsstempel zurück. Um die Mittagszeit fliegen Miriam und ich mit getrennten Flügen nach Singapur. Als wir im Hotel ankommen, stellen wir leider fest, dass unsere Reservierung per Internet entweder verloren gegangen ist oder unser Zimmer an jemand anderen vergeben wurde. Da ich mir die teuren Zimmer eigentlich nicht leisten kann, telefoniert der supernette Hotelangestellte überall rum, um was billigeres für uns zu finden. Vergeblich. Also auf nach Chinatown und dort unser Glück versuchen. Wieder nix. Da gerade die Jugend Olympische Spiele stattfinden, ist entweder alles voll oder noch teurer. Wir beschließen im ursprünglichen Hotel im Zentrum in der Nähe vom Clarkes Quay zu bleiben und Miriam leiht mir vorübergehend das Geld. Ein gutes hat unser Chinatown-Ausflug, wir haben schon fast ein ganzes Stadtviertel kennengelernt. Alles ist hier sehr sauber, ein paar Straßenzüge komplett renoviert, kleine schicke Hotels und Restaurant säumen die Straßen. Und eine typische „Freßstand“-Straße darf natürlich nicht fehlen. Wir beschließen bei Tageslicht nochmal herzukommen. Zu Abend essen wir bei einem kleinen thailändischen Foodstall in der Nähe unseres Hotels.

Di 17.08. (Singapur) Wir frühstücken im Café im 5. Stock nebenan, das von 2 netten Singapurerinnen geführt wird. Danach nehmen wir die U-Bahn – hier MRT (also Mass Rapid Transport) genannt, zur Orchard Street. Das ist eine moderne und sehr teure Einkaufsmeile. Ich muss allerdings erstmal zur burmesischen Botschaft, um zu klären, ob und wie ich mit Visa on Arrival einreisen kann. Offiziell gibt’s das wohl seit 01. Mai, in der Realität allerdings erst ab Mitte Juni. Man kann also nie sicher sein, was gerade aktuell ist. Wir laufen uns die Hacken ab, bis wir die Botschaft endlich gefunden haben. Dann aber grünes Licht, ich brauch nur ein Paßfoto, Paß und 30 Dollar und natürlich ein ausgefülltes Formular. Zurück in der Orchard Road vor dem größten Einkaufszentrum ION mit Gucci und Konsorten, bekommen wir den Fotografier-Flash. Und treffen auf die ersten Olympioniken, die natürlich auch Sightseeing machen. Mit ihren offiziellen T-Shirts mit dem jeweiligen Land hintendrauf sind sie auch leicht zu erkennen. Wir schlendern durch die eiskalte Mall, entdecken Miriams Arbeitsgeber L’Occitane, eine Bäckerei für mich und weiter die Orchard Road entlang und staunen über protzige Läden und die wilde Mischung an Singapurer Einwohnern, die aus Asiaten, Indern, Westler zu bestehen scheint. Und alle sprechen sehr gut englisch! Das Leben als Expat (hier arbeitender Ausländer) ist hier sicher sehr angenehm, auch wenn die Singapurer sich wohl vor allem in ihren Vierteln tummeln. Business und Geld regieren die Stadt, Banken en masse, irrwitzige Hochhäuser, Hightech von der U-Bahn bis zum Esplanade-Theater. Luxus gepaart mit Traditionsvierteln wie Chinatown, Little India, Arab Street und dem malaysischen Kampung. Tropenklima mit Regenschauern und tiefgekühlte Restaurants und Einkaufszentren. Kolonialbauten in der „Altstadt“ umgeben vom neuesten Hochhaus-Komplex, dem Marina Bay. Die Stadt lebt von Gegensätzen und dadurch ist sie noch faszinierender. Wir fahren mit der MRT zurück in den kolonialen Stadtkern. Am Fullerton Hotel soll unser Bootstour auf dem Singapore River starten. Diese ist allerdings auf die andere Seite zur Statue des Herrn Thomas Stamford Raffles verlegt worden. Nach einem kleinen Regenschauer kanns losgehen. Zu dritt auf einen großen Boot schippern wir zur Merlion-Statue, dem häßlichen Tier halb Löwe halb Fisch, das unermüdlich Wasser „kotzen“ muss. Die Touris findens toll und drängeln sich fürs Foto drum rum. Zuvor zum Boat Quay und zum Clarke Quay, die renoviert mit Restaurants, Bars und Läden gespickt sind, das alte Parlament, das Asian Civilisation Museum. Als sich der Singapur River öffnet sehen wir den Singapure Flyer, ein gigantisches Riesenrad, das sich in Schrittgeschwindigkeit bewegt, die Esplanades, das ist das Theater in Durianfrucht-Form, vielleicht um Sydney mit seinem Opernhaus Konkurrenz zu machen. Und die neueste Errungenschaft gleich hinter dem Olympiastadion mit brennender Fackel in einer Art Leuchtturm ist das Marina Bay Gebäude. Gerade erst im Juni fertiggestellt, bestehend aus 3 riesigen Hochhäusern, auf denen ein weiteres Gebäude in Schiffsform quer drüber liegt. Ein Must-Do in Singapur ist der Besuch der Bar im berühmten Raffles-Hotel. Wir bestellen, wie jeder Touri hier, einen Singapur Sling, der so teuer ist, dass ich versuche das über ungehemmten Erdnußkonsum auszugleichen. Da man die Schalen hier direkt auf den Fußboden fallen lässt, bleibt das nicht unentdeckt und wir waten knackend etwas peinlich berührt aus der Bar. Abendessen in einem Foodstall in Chinatown. Laksa, das ist eine Art scharfe Nudelsuppe, die nach Singapurer Art Hühnchen und Seafood enthält.

 Mi 18.08. (Singapur) Nach einem kleinen Frühstück im Starbucks fahren wir mit der MRT nach Little India. Wir folgen dem Lonely Planet-Weg in umgekehrter Richtung und schlendern von der Dunlop Street, an hinduistischen Tempeln und duftenden Gewürzläden, Märkten, renovierten Shophäusern, die inzwischen bewohnt sind und bunten Sarishops vorbei. Leider meint es der Wettergott heute nicht gut mit uns. Es schüttet und wir fliehen ins Black Sheep, leider dem einzigen Nobelrestaurant in Little India. Ein Süppchen können wir uns leisten. Dann weiter zur Arab Street, mit einer Moschee und einem idyllischen autofreien Sträßchen, in dem wir einen Kaffee trinken „müssen“. Nachdem wir im Kampung, dem malayischen Viertel eine hippe kleine Straße mit vielen Klamottenläden entdeckt haben, gehen wir zum Bugis, einem Markt, der uns leider mit allerlei Billigkram und Plunder nur enttäuscht. Unseren obligatorischen Abendcocktail nehmen wir diesmal in der Bar des Swiss Hotel im 70. Stock ein. Ich bestelle einen Merlion-Cocktail, der auch noch in einem Porzellangefäß in Form des kotzenden Tieres serviert wird. Wir genießen die gediegene Atmosphäre hier oben und Miriam stellt fest, dass man sogar in den Pool vom Raffles gucken kann. Später landen wir in einem Hawker Stall, dem Lau Pa Sat Market, einem Tipp von Bärbel und essen viele, viele Satespieße und trinken dazu Tiger Bier. In dieser Essenshalle steht die Luft vor Essensqualm und oben auf eine Tribüne spielt eine Liveband. Das ist echtes Singapur-Feeling!

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