Do 12.08. (Ubud, Bali) Heute haben wir einen Fahrer engagiert, der uns zu den wichtigsten Tempeln in der Gegend bringen soll. Wir beginnen unsere Tour beim Gungung Kawi, einer Tempelanlage, die tief unten im Tal liegt. An Reisfelder vorbei steigen wir 315 Treppenstufen hinunter bis wir die im 11. Jahrhundert aus dem Felsen gehauenen riesige Tempel erreichen. Bevor wir durchs Tor gehen, werden wir gebeten, heiliges Wasser auf unseren Kopf zu träufeln. Dann über einen Brücke durch einen Tempel mit Fernseher, in dem gerade das Meeting und Briefing für die Souvenirverkäufer stattfindet, erreichen wir schließlich die 5 Candis, die auf beiden Seiten des Flusses liegen. Das war die Begräbnisstätte/tempel des Königs Anak Wungsu und seiner Frauen, die sich vermutlich selbst ins Feuer geworfen haben. Heiliges Wasser kann in der Mitte gezapft werden. Überall wird gefegt und gesäubert, wir sind mit 2 alten einheimischen Damen in Tracht offensichtlich die ersten heute morgen. Die Anlage ist in javanesischen Stil erbaut, einzigartig in Bali und beeindruckend. Unser nächstes Ziel ist Tirta Empul, die heiligste Stätte Balis und Quelle, die magische heilende Kräfte haben soll. Die populäre Pilgerstätte ist von Einheimischen gut besucht, als wir ankommen. Zuerst werden Opfergaben, wie z.B. Blumen an jeder Quelle abgelegt, dann in jedem der 30 Wasserspeier hintereinander „geduscht“ und dabei gebetet. Jede Quelle hat eine bestimmte Funktion, z.B. eine für die spirituelle Reinigung. Eine Frau füllt in einem großen Wasserkanister Wasser für den Tempel zu Hause ab. Jede Familie hat einen Familientempel, jedes Dorf mehrere Tempel für verschiedene Anlässe und Wünsche. Bei der Schule eine Bildungstempel, einen Begräbnistempel, einen klassischen Versammlungs-und Dorftempel und und und. Für die Zeremonien wird das heilige Wasser benötigt, das hier abgefüllt wird. Wir verbringen sehr viel Zeit an diesem faszinierenden Ort der tiefen Gläubigkeit, in den ganzen Familien eintauchen. Ein paar Touris sind sich allerdings nicht zu schade ihre weißen käsigen Füße in das heilige Wasser zu hängen, was ich persönlich sehr respektlos finde. Unser Fahrer philosophiert mit uns über den Hinduismus und erzählt, wie er seinen Glauben praktiziert. Seine Frau bereitet jeden Tag ein Blumenkörbchen fürs Auto vor, er geht jeden 2. Tag in den Tempel, wenn er sich sauber genug füllt, d.h. wenn er seine Haare frisch gewaschen hat. In den Tempel gehen ist eine Art Pflicht, ansonsten würde man von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden würde. Die Hinduisten glauben an die Wiedergeburt, wer kein gutes Karma hat, wird als etwas „schlechteres“ wiedergeboren. Es gibt einen Gott, der sich in 3 verschiedenen Göttern zeigt. In Vishnu, Brahma und Shiva. Einer für den Beginn, die Geburt, einer für das Leben und einer für den Tod. Den nächsten Tempel erreichen wir nach ca. eineinhalb Stunden Fahrt. Es ist der Pura Besakih, genannt der Muttertempel. Diese Anlage mit 22 Tempeln liegt am Fuß des Mount Agung und ist Shiva gewidmet. Leider versuchen sie hier die Touristen mit einem Spendenbuch abzuzocken. Jeder trägt ein, was er gibt und die Betrüger malen eine 4 oder mehr davor. Wer also 50.000 Rupiah spendet, hat vermeintlich 450.000 gespendet. Wir fallen zwar nicht drauf rein, trotzdem sehr ärgerlich! Schlechtes Karma! Nach dem Eingang liegt vor uns eine steile Steintreppe, die in einen Tempel führt, der wegen einer derzeitigen Zeremonie gerade nicht zugänglich ist. Wir dürfen seitlich reingucken und ein bisschen Zeremonie erhaschen. Die Leute sind in traditioneller Tracht gekleidet und singen und beten. Der Besakihtempel zeichnet sich durch die vielen kleinen Pagoden (genannt merus), die aus mehreren (3, 7 oder 11) übereinander angeordneten Dächern bestehen, aus. Wir steigen seitlich viele Treppenstufen zu den verschiedenen Ebenen des Tempels hinauf. Ganz oben befindet sich ein kleines zugewachsenes stilles Tempelchen, das mir sehr gut gefällt. Die Sicht von oben auf die Dächer und die Ebene unten ist fast schon mystisch, als die Wolken aufziehen und die Bäume unten verhüllen. Wir essen zu Mittag in einem Warung am Ausgang und diesmal kann ich Miriam zu einem Bakso überreden, bei dem sie die Fleischbällchen leider nicht mag. Hier gibt’s sogar blaue Fanta! Unser nächster Halt ist bei einer Teeplantage mit Aussicht bis zu Meer. Letzter Stopp bei Goa Gaja. Das ist eine Dämonengrotte, die irrtümlich als Elefantengrotte bezeichnet wurde. Ein paar Nymphen mit Körbchengröße F speien Wasser in eine vermutlich ehemaliges Badebecken. Durch das Maul des Dämon landet man in der Grotte, in der wohl Eremiten gelebt und in den Steinerkern geschlafen haben sollen. Höhepunkt sind die 3 Lingams (Fruchtbarkeitssymbole) mit denen ich mich, wie schon in Laos, mal wieder gerne ablichten lasse. Ein kleiner Wanderweg mit Seerosenteich, Bächlein und dem lustigen Schild „JANGLE“ runden unseren Tag ab. Spätnachmittags zurück in Ubud brauchen wir erstmal eine kleine Pause, um die vielen verschiedenen Tempel zu verdauen. Danach gehen wir ins Café Tugmak zum Abendessen, und suchen im Internet nach einer Unterkunft in Seminyak. Zum Ausklang des Abends nehmen wir noch das Ende eines coolen Livekonzert in einer Bar bei einem Bierchen mit.
2.09.2010
Tempel und gelebter Hinduismus
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