Mi 08.09. (Mandalay) Ein Taxi bringt uns (10 Touris ausem Hostel) um 4.30Uhr zum Jetty. Das Boot nach Bagan soll um 5.30Uhr ablegen. Wir haben das local slow boat gebucht, kommen uns aber sehr kolonial vor, weil wir erhöht über den Burmesen auf Plastikstühlen sitzen dürfen. Die Einheimischen sitzen auf Matten auf dem Boden, nunja, sie sinds wohl gewöhnt. Ungefähr 10 Touris aus allen möglichen Ländern unterhalte ich mich mit den Jungs, die ich schon vorher getroffen habe, nämlich Christof, Roy, Hauke, Hamish und treffe ein finnisches und 2 französische Pärchen, eine durchgeknallte Russin, die Myanmar in nur 6 Tagen bereist, einen Neuseeländer und ein Paar aus Sri Lanka. Nach 11stündiger Fahrt, die ich 10 Stunden lang lustig finde, wegen der vielen Stopps, Dörfern mit Nichts, manchmal nicht einmal einer Andeutung von Hafen, sondern nur Ufer und einer Planke, die vom Schiff gelegt wird und Schweine, Ochsenkarren und Menschen. Die Passagier und Händler tauchen aus dem Nichts auf, wenn das Schiff hupt.Das erste Dorf verkauft vor allem Bananen en masse und wird daher für uns zum Bananendorf, das nächste das Melonendorf. Doch was kommt als nächstes? Veronika und ich wünschen uns Mangos und dann Ananas, leider kommt nichts mehr Fruchtiges. Wir essen auf dem Schiff, in der improvisierten Feuerküche im Heck. Fried Noodles primitiv aber gut. Je länger die Fahrt dauert, desto mehr Spaß haben wir mit den Mitreisenden, die uns Essen anbieten und leider mehr Fragen als Englischkenntnisse haben. Der Ayeyarwady ist unglaublich breit, dennoch fahren wir am Rand entlang, weil durch die Regenzeit genug Wassertiefe besteht. Nur die letzte Stunde ist heiß und langweilig, fast alle Einheimischen sind schon ausgestiegen, und nur noch wir, die Touris, die bis Bagan fahren, sind übrig. Das Guesthouse New Heaven holt mich in der Pferdekutsche ab (was ein Luxus!), weil ich vorreserviert habe und ich bin begeistert von meinem Zimmer. Weils schon dunkel ist, können wir leider nix mehr von Bagan sehen, daher gehen Christof, Hauke und ich zum Inder essen. Esse Chicken Tandoori, das mich leider etwas enttäuscht, denn es schmeckt nicht nach Tandoori. Christof gibt seine Schlachtergeschichten von Sulawesi zum besten und ich geh ins Bett bevor ich kotzen muss.
Do 09.09. (Bagan) Heute miete ich mir ein Fahrrad und will zumindest die wichtigsten Pagoden in Bagan besichtigen. Ausgerüstet mit dem Lonely Planet Reiseführer und einem chinesischen Damenrad strampel ich dem Tempelwahn entgegen. Ein junger, 20jähriger Oil-painting Verkäufer hängt sich dran. Mist. Egal, er ist lustig und erklärt mir die Welt, sowohl philosophisch als auch den einen oder anderen Tempel. Standardspruch „Better than nothing“ oder „if you marry a good wife, you will have a good life, if you marry a bad wife, you will become a philosopher“ Aha, ich frage nach seinem derzeitigen Beziehungsstatus, der seine philosophischen Ansätze erklären könnte, doch er erzählt, dass er nach 2 Freundinnen (gleichzeitig?) jetzt Single sei. Aha. Wir landen weit weg von allem beim Tempel Nummer 7 (das ist die Lonely Planet Bezeichnung, da ich mir die Namen nicht merken kann. Die könnten die Tempel hier eigentlich auch durchnummerieren, wär viel einfacher). Dieser ist einsam, weit weg von allen nicht vorhandenen Touris, mit Gold besetztem Dach, das wir kurz mal erklimmen. Ein schöner Garten drumrum und ein einzigartiger Blick auf Nummer 8, zweitgrößten pyramidenartigen Pagode. 7 und 8 sind meine absoluten Favoriten. In 8, dem Bad Luck Tempel, haben sich ein paar Jungs, dem Münzensammeln verschrieben und ich kann sie ganz gut aus meiner Südamerika-Sammlung versorgen. Dafür bekomme ich alte Kyat-Scheine mit Generälen drauf und einen steinernen Nat (spirit) geschenkt. Sie zeigen mir noch eine innere Treppe, in der man ein bisschen rumklettern kann und noch ein bissel Aussicht hat. Als uns ein älterer Herr mit dem Fahrrad entgegenkommt, erzählt mein Guide, das er ihn kennt, weil er schon zum 3. Mal da sei. Er sei homosexuell, Deutsch und würde kleine Jungs mögen. Disgusting! Er ist gerade auch noch von Boys umringt. Ich kann es nicht fassen, als mein Guide ergeben sagt, dass man sich seine Vorlieben halt nicht aussuchen könnte. Krass! So hat mich der Sextourismus der ekligsten Art im scheinbar idyllischen Myanmar eingeholt. Nachdem wir quer Feld ein, über holprige Wege einen Hindutempel und noch einige andere besucht haben, mach mein Radeln schlapp, soll heißen der Hinterreifen platt. Einfach zu viele Dornen hier. Wir fahren zum Aufpumpen ans Temparan-Tor, dem Eingangstor von Old Bagan, an dem ein Fahrradreparatur-Dienst lukrative Dienste anbietet. Und hoffen, dass der Schlauch noch etwas aushält. Weitere Tempelbesuche werden nach dem 2. Platten und der Mittagshitze unmöglich, so dass ich nach erneutem Pumpen zurückfahre. Vorher kaufe ich noch ein überteuertes Bild von meinem Guide, der sehr luschtig war und finde, dass sein Unterhaltungswert größer als der des Bildes ist. Die „wichtige“ Anara-Pagode, in der 2 Buddhafiguren je nach Perspektive grollen oder mildtätig lächeln, hole ich spätnachmittags nach und treffe mich abends mit den Jungs beim Sonnenuntergang auf der Shwesadan Pagode. Die Sonne bietet ein kleines Spektakel, legt sich blutrot und feurig glühend ins Zeug, während ich mit dem englischen Pärchen aus Hsipaw, Hauke und den Finnen auf dem Tempel sitze. Die 2 einzigen Pauschaltouri-Busse verpassen den Sonnenuntergang, weil sie komischerweise kurz vorher wegfahren. Seltsam. Fahre im Stockdunkeln zurück und verfahr mich natürlich, weil ich die Abzweigung verpasse. Finde mich jedoch bald wieder und verfolge frei das Motto von Herrn Schröder „ Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ Esse später mit Roy, Christof und Hauke im Nepal/Indisch/Italienisch/ Burmesischen Restaurant Wonderful Tasty, das trotz seltsamer Vielfältigkeit wirklich sehr gut ist.
Fr 10.09. (Bagan) Für heute haben wir einen Ausflug zum Mount Popa im Minibus gebucht. Der erste Halt bei einer Peanut und Palmtree-Farm bringt uns neue Erkenntnisse über Palmwein, Schnaps und Christof zeigt uns seine Kletterkünste an der Palme. Mich beeindruckt am meisten der Vorzeigeochse, der gepflegt und weiß ist und das Palmöl-Mühlrad antreibt. Irgendwie sieht das alles nach Tourinepp und Verkaufsstation aus, doch Mühe gegeben haben sie sich jedenfalls. Mit Blick auf Mount Popa, halten wir an. Der Berg selbst ist über 3000m hoch, der Vulkanturm nebendran, auf dem das Kloster steht beeindruckt uns schon von weitem. Dort sind 37 Nats beherbergt und somit die wichtigste Pilgerstätte für die in Myanmar so wichtigen Geister, die noch vom Animismus stammen, der hier mühelos mit dem Buddhismus verschmilzt. Nats sind stark, doch Buddha steht darüber, die ein Tarotkartenleser mir ernsthaft mitteilt. Wir erklimmen die vielen Stufen zum Tempel und kämpfen uns durch die lästigen Makakken-Affen, für die man Snacks kaufen kann und die dann aus lauter Dankbarkeit die Treppen zuscheißen. Ich gehe einmal zu nahe an einem vorbei, sofort ist er aggressiv, zeigt die Zähne und packt mich am Bein. Oben angekommen ist der Blick über die grüne Ebene fantastisch. Gibt es etwa doch noch so etwas wie Regenwald oder so hier? Etwas seltsam mutet die laute Mucke an, zu der ein durchgeknallter Pagodenwächter im Takt zur Musik mit Eisenstangen ans Geländer schlägt. Einen Haupttempel gibt es hier oben nicht, dafür viele für die vielen Nats. Ich schalte in einem mein Dienstags-Geburtstagslämpchen an. Und die anderen tun es mir nach. Man dürfte sich eigentlich was wünschen, doch ich bin doch gerade mal wunschlos und zufrieden. Später nachmittags zurück in Bagan, fahr ich mit Roy und meinem Rad nochmal los. Den heutigen Sonnenuntergang wollen wir auf Nummer 5, dem Geheimtipp (höhö!) ausem Lonely Planet genießen. Doch wir landen auf einem nummernlosen Tempel. Leider beginnt es zu regnen und wir fliehen bevor die Sonne untergeht. Als sich der Himmel orangepink färbt, bildet sich ein Regenbogen und wir fotografieren solange das Licht noch etwas hergibt. Treffe mich mit den Jungs zum Essen im a Bit of Myanmar und der Abend wird superlustig. Ich esse Beef-BBQ vom Charkoal-Ofen, das zwar etwas zäh ist und versuche nicht an den schnuggeligen weißen Ochsen von heute morgen zu denken.
Sa 11.09. (Bagan) Um 8 Uhr fahr ich mit dem Bus zurück nach Mandalay und werde im Royal Guesthous begrüßt als würde ich schon zur Familie gehören. Bin ja auch schon zum 3. Mal da. Sehr lustig ist, dass ich in diesem Land immer die gleichen Zimmernummern bekomme, also entweder 101 oder 107 oder 17. Zumindest wenn ich vorreserviere. Nummerologie ist so wichtig hier, jeder glaubt dran und diese scheinen wohl spezielle Glücknummern zu sein. Die 9 und die 4 sind ebenfalls so glücksbringend, dass ein früherer Staatsmann 90 und 45 Kyat-Scheine eingeführt hat. Soviel zum Thema Aberglaube in Myanmar. Dann los zum Bahnhof und das Zugticket für morgen kaufen, das übrigens die Nummer 44 (also sehr gut) trägt. Auf dem Zeygo-Markt kaufe ich mir eine Art Strandmatte, auf der ich an Deck auf der Bootstour auf dem Rückweg schlafen möchte. Zum Sonnenuntergang lass ich mich diesmal mit dem Mopedtaxi zum Yankin Paya, einem kleinen Hügel mit Kloster östlich fahren. Nach vielen Stufen aufwärts, die mich mal wieder bei nur 32 Grad ins Schwitzen bringen, treffe ich oben eine Australierin, die die Bootstour, die ich plane, von Myitkyina aus (also weiter nördlich), gemacht hat. Sie erzählt mir von ihrer abenteuerlichen Zugfahrt, bei der eine Lok und ein Wagon entgleist sind. (nur 2 Tote, aha). Und zeigt mir Fotos, nur von der Lok und dem Wagon natürlich. Ach deshalb konnte ich vor 4 Tagen kein Zugticket kaufen! Sie musste 2mal in einen anderen Zug umsteigen und war dann insgesamt 40 Stunden unterwegs. Nun gut, bei mir geht’s ja nur nach Bhamo, das ist die Hälfte der Strecke und der Zug wird ja wohl nicht jede Woche entgleisen. Zu Abend essen ich im Too too, einem burmesischen Restaurant. Hab mal wieder keine Ahnung, was ich gegessen habe, da man hier einfach mit dem Finger auf irgendwelche Töpfe zeigt und so einfach vieles probieren kann. Gut und interessant wars jedenfalls.