29.09.2010

Die Misters in den Shan-Hügeln

Fr 03.09. (Hsipaw) Nach der Großstadt Mandalay und den vielen Pagoden bin ich froh mal wieder in einem Dörfchen und in der Natur zu sein. Die versprochene Kühle stellt sich zwar nicht ein, aber gemütlich ist es hier im Guesthouse Mr Charles auf jeden Fall. Eigentlich wollte ich hier zur nächsten Trekkingtour aufbrechen, habe jedoch immer noch Blasen an den Füßen, erfahre, dass es heute sowieso keine Guide gibt und schlendere somit faul durch die Stadt. Ich lande mal wieder bei einem Tempel, doch diesmal wohnt hier der Hsipaw schützender Nat (Geist) Alles sehr kitschig, die obligatorische Spende ist eine Kokosnuß mit Bananen umgeben, die irgendwie phallisch aussehen. Ein Nat ist stark, steht aber niedriger als Buddha in der Rangordnung. Das sind die Überbleibsel des Animismus. Überall kitschige Tierfiguren, Tiger, Löwen, Elefanten bunt bemalt. Weiter nach Little Bagan, das sind kleine von Gras überwachsene Backsteinpagoden und dann lande ich im Black House Café, im Schatten auf der Terrasse. Es ist brütend heiß und bald kommt das englische Pärchen aus dem Hostel hinzu, die erzählen, dass sie ohne Flug nach Australien auswandern wollen. Sie sind mit dem Zug und dem Schiff gereist und bisher mit nur 2 Flügen ausgekommen. Abends treffen wir uns nach dem Essen im Kino und sehen uns einen Bollywood-Film „Veer“ in schlechtester Form an. So ein Superkitsch und das 2 Stunden 45 Minuten lang, so dass man kaum mehr auf den harten Holzstühlen sitzen kann. Das Kino ist wirklich ururalt wie bei uns vielleicht in den 50er Jahren. Wir lachen uns bei den schlimmsten Kitschszenen kaputt und die 2 Burmesen, die außer uns noch im Kino sind, lachen lauthals bei die Schadenfreude- (diese deutsche Wort ist übrigens wie Hinterland und Angst im englischen übernommen worden) Episoden. So unterschiedlich sind die Kulturen, selbst der Humor ist hier anders.

Sa 04.09. (Hsipaw) Heute wollte ich eigentlich zu einem Wasserfall wandern, doch die 2 Blasen an den Füßen sprechen dagegen. Bei Frühstück treffe ich Gina, eine Deutsche und wir quatschen, was das Zeug hält. Im Dörfchen kaufe ich mir bei Mr. Book das Buch „Burmese Days“ von George Orwell und die weiße Tanhaka Paste zum Ausprobieren. In Hsipaw gibt es einen Mr. Food, der ein chinesisches Restaurant besitzt, Mr. Book verkauft offensichtlich Bücher, Mr. Knowledge weiß alles, ihm bin ich leider nicht begegnet und ein Tourguide der Bohnen anpflanzt, heißt Mr. Bean. Ich bezeichne mich als Mrs. Tourist und geh zum Bahnhof, um das Zugticket für morgen zu kaufen. Der Bahnhofsvorsteher ist köstlich, er spricht mir 3-mal den Ort vor, an den ich fahren möchte und lacht sich kaputt, als ich es nicht wiederholen bzw. nur schlecht aussprechen kann. Zu guter Letzt zeigt er mir seinen Ausweis, auf dem er jugendlich schlank und in Uniform richtig was hermacht. Und jetzt lach ich in mich hinein, weil er so stolz auf sein altes Foto ist. Inzwischen ist Paolo ist auch in Hsipaw eingetroffen und wir gehen alle zusammen bei Mr. Food essen und spielen danach (allerdings äußerst schlecht) Billard.  

So 05.09. (Hsipaw) Nachdem mir der Bahnhofsvorsteher heute morgen noch seine ganze Familie inklusive Enkelin vorgestellt hat, geht der Zug um neun nach Pyin U Lwin, der unaussprechlichen Stadt. Er schwankt, wackelt und zuckelt durch die Landschaft, alle Fenster und Türen sind offen und das Grünzeug wird vom Fensterrahmen neu geschnitten und schneit auf uns Passagiere herab. Leider sitzt mir gegenüber ein Bethelnuß-Kauer, der permanent aus dem Fenster spuckt und eklig schlechte Zähne hat. Die Landschaft ist mal wieder beeindruckend, wir fahren ins Gebirge hoch und schrauben uns langsam bis zum Gokteik Viadukt, das 1901 von den Engländern erbaut wurde. Um die Brücke nicht zu beschädigen schleicht der Zug über die 100m tiefe Schlucht. An den Bahnhöfen bieten Essens-Verkäuferinnen ihre Waren aus Körben an. Kinder verkaufen eine Tasse Trinkwasser und nach sieben Stunden Bummelei erreichen wir endlich das wunderbar kühle in Pyin U Lwin. Das Guesthouse Golden Dream ist eine schlimme Absteige, doch für eine Nacht werd ichs wohl überleben. Ich geh ins Golden Triangle Cafe, das „echten“ Kaffee aus Myanmar anbietet und trinke einen genialen Cappuccino und gönn mir einen Schokokuchen. Hier lerne Pauline kennen, die schon Mitte sechzig ist und in monatelanger Reise mit einem Overland-Truck von England nach Australien reist. (www.UKtoOZ.com) Später essen wir auf dem Nachtmarkt wild gemischtes und gewinnen die volle Aufmerksamkeit aller Kinder.

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