29.09.2010

Die schrägste Guesthouse-Besetzung der Welt und finally deported

Sa 18.09. (Yangon) Um halb sechs sind wir am Busbahnhof Yangon und ich lass mich im strömendem Regen mit dem Taxi zum Busbahnhof, von dem die Strandbusse abfahren, bringen. Nach einer Stunde Wartezeit fährt der Bus nach Pathein los. Doch nach einer weiteren Stunde ist die Fahrt für mich zu Ende. Wir werden von einer Militärkontrolle gestoppt und da mein Visum heute abläuft, darf ich nicht mehr weiterfahren. Muss aussteigen und zwischen 10 Militärtypen am Straßenrand auf einen Bus zurück nach Yangon warten. Sie bringen mir ein Bänkchen, auf dem ich (gefühlt wie eine Sünderin) sitzen darf. Nach einer halben Stunde kommt ein Localbus, der von dem Militaries genötigt wird mich mitzunehmen. Kein Sitzplatz ist mehr frei, so dass ich vorne auf einem Plastikstühlchen sitzen darf. Es regnet und die Fahrt durchs Delta ist etwas deprimierend. Was mach ich nur im langweiligen Yangon? Shoppen? Zumindest gönn ich mir ein gutes Guesthouse und lande im Motherland, das bei weitem die schrägste Gästebesetzung meiner ganzen Weltreise hat. 2 Residents, ein fast Resident, der sich gerade als Lehrer beworben hat. Dieser sieht aus wie Ozzy Osbourne in Blond und ist Australier. Der andere Lehrer ruft durch ein in der Wäsche verlorenes T-Shirt, das nun ein Angestellter trägt, eine Hostelkrise und einen Riesenkrach mit Tränen hervor. 5 Mennoniten aus Pennsylvania, bei denen die Mädels lange Kleider und Kopftücher tragen, die hier Urlaub von ihrer Thailändischen Missionarsschule machen, dann ein paar Touris, die ich teilweise schon kenne und die kleinen durchgeknallten Jungs und Mädels, die hier arbeiten und von einer strengen Chefin befehligt werden. Als der Regen aufhört, schlendere ich zum Supermarkt und bin erschlagen vom Warenangebot. Es gibt Schokolade und den Rotwein, den ich am Inle-Lake probiert habe. Locker bin ich von ein bisschen Geld befreit. Dann ab in die Innenstadt, Kinofilme checken und beim Inder essen. Bin hundemüde und nach einem Bierchen im Guesthouse bei einer „The Office-“DVD, das ist Stromberg auf englisch, fall ich ins Bett. 

So 19.09. (Yangon) Genieße das Riesenfrühstück und werde danach etwas ungemütlich,d.h. mit harschem Klopfen an meine Zimmertür, gefragt, wann ich denn abreisen werde. Ein Uniformierter hat die Gästeliste gecheckt und mein abgelaufenes Visum bemerkt. Ohoh. Meine neuen Guesthousefreunde lachen sich mal wieder schlapp und das Wort „overstay“ wird zum Running Gag. Als ich bestätige, dass ich morgen mit dem AirAsia-Nachmittags-Flug verschwinde, sind alle erstmal zufrieden. Ich geh wieder in die Stadt, gönn mir einen Cappuccino beim Café Aroma, das ist der burmesische Starbucks, und danach den Film „Inception“ im Kino. Mal wieder anders in Myanmar, nach den Filmvorschauen ertönt die Nationalhymne und die meisten stehen im vollbesetzten Kino auf. Alles knabbert Popcorn oder sowas und das den ganzen Film über. Lärm ist für die Asiaten einfach kein Problem. Dennoch find ich den Film toll, soweit ich was verstehe und Leonardo di Cabrio find ich diesmal richtig gut. Die letzte Stunde ist allerdings etwas frisch, da die Klimaanlage auf Hochtouren läuft und ich vor Kälte fast aus dem Kinosaal geblasen werden. Zum Schluß und letzten Abend in Myanmar esse ich luxuriös im Edelrestaurant Monsoon, ein Ayeyarwady Butterfish Curry und zum Nachtisch einen hausgemachten Joghurt. Yammie. Der Abend klingt aus mit den lustigen Guesthouse-Leuten (overstay und lemonates) und ein letztes Mal kommt Backpackerfeeling auf.

Mo 20.09. (Yangon) Heute morgen frühstücke ich und sitze ansonsten nur in der Lobby und schreibe Blog. 3 nette Männer, die ich von Bagan kenne, treffen gerade ein und wir tauschen noch mehr Reisegeschichten aus. Overstay ist in aller Munde. Bevor der gratis Airport Shuttle abfährt, treffen 2 Immigrationbeamte im Guesthouse ein und die Umstehenden, die meine Geschichte kennen, kriegen mal wieder das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Doch keiner der Beamten fragt oder eskortiert mich, sie warten vermutlich nur, dass ich endlich das Land verlasse. Ich winke noch freundlich zum Abschied aus dem Bus und hoffe, dass ich am Flughafen keine Ärger bekomme. Der AirAsia-Checkin ist jedoch schon die erste Hürde. Mit 22,6 Kilo hab ich das Mindestgewicht von 20kg mit mehr als 10% überschritten. Mist, nochmal umpacken. Beim Immigrationschalter gestehe ich sofort mein Delikt des Overstays ein und ein Beamter in diesmal weißer Uniform (ist das hier die Marine oder was?) begleitet mich unauffällig ins Büro hinter den Toiletten. Upss. Nach einer fast schon lächerlichen Standpauke. „You broke my rules and now you immediately have to leave my country“ (Warum bin ich wohl hier am Flughafen, um mit den Beamten zu tratschen?) verkneife ich mir mühselig einen Kommentar und das Lachen, entschuldige mich förmlich, gebe alles zu und muss nur 6 Dollar bezahlen. Tolle Show, die lachen sich sicher sofort schlapp, nachdem ich das Büro verlassen habe. Und das guter Bulle, böse Bulle-Spiel kennt ja inzwischen jeder, der schon den einen oder anderen Kinofilm gesehen hat. Im Pass trage ich jetzt einen Stempel „Deported“ und das auch noch durch die Militärjunta in Myanmar. Ob ich wohl jemals wieder einreisen darf? Glaub schon, nachdem ich die Beamten später doch noch grinsen gesehen habe. Die mitreisenden Holländer amüsieren sich mal wieder köstlich, als ich ihnen die Story beim Kaffee erzähle. Doch dann schon ab ins Flugzeug und auf nach Bangkok, das unter dem Motto des berühmten Songtextes „One night in Bangkok“ steht. Riemke und ich suchen uns ein Zimmer in der Nähe der Kao San Road, der Partymeile von Bangkok. Unglaublich wie global die Welt ist, beim späteren Essen und Bier, könnten wir auf Malle am Ballermann oder sonst wo sitzen. Zumindest ist das PadThai gut.

Di 21.09. (Bangkok) Heute morgen nur noch ein schnelles Frühstück und schon bin ich mit dem Bus zum Flughafen unterwegs. Alles läuft problemlos, sogar das bisschen Übergepäck (21,6kg) wird von AirBerlin wortlos akzeptiert. In 10Stunden sind wir in Berlin und dann Frankfurt und ich kann immer noch nicht fassen, dass ich nach fast 1 Jahr Reise wieder zu Hause sein werden. 21 Länder hab ich besucht, die verschiedensten Verkehrsmittel vom Rikscha über Pferd bis zum Flugzeug genutzt, unglaublich viele nette Leute kennen gelernt, Tauchen gelernt, meine Höhenangst mehr oder weniger überwunden und letztendlich noch mehr Reisefieber bekommen. Den Heimweg begehe ich nun mit gemischten Gefühlen wegen Job, Arbeitsamt, Wohnung und Geld, doch insgesamt freu ich mich aufs normale Leben und Geldverdienen, und dass ich vielleicht bald wieder reisen kann ;-). Fotos, Gedanken und Leben sortieren sowie Familie und Freunde besuchen und Souvenirs verteilen werden wohl meine wichtigsten Aufgaben in den nächsten Wochen sein. Was bleibt wohl von der Reise übrig außer Erinnerungen und geschätzte 20.000 Fotos? Gleitschirmfliegen, Frisbee spielen, Westernreiten, Spanisch auffrischen und deutsche Trekkingwege erkunden? Schaumermal. Ich freu mich jedenfalls drauf.

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