29.09.2010

Englisch kühl und die Saarländer sind überall

Mo 06.09. (Pyin U Lwin) Mein Touriprogramm heute umfasst eine Pagode (och nö, schon wieder), den Wasserfall Pwe Kauk, der eigentlich aus vielen kleinen Wasserfällchen besteht und eine Höhle, die mit den kitschigsten Figuren bestückt ist. Buddhas und Nats in Hülle und Fülle. Am Wasserfall treffe ich Pauline wieder, deren Programm jedoch noch umfangreicher ist. Ich kehre gegen Mittag zurück nach PUL, wander durch die Kaffeeplantagen zum Botanic Garden, für den ich leider nicht genug Zeit habe. Sehe aus dem Augenwinkel alte englische Häuser im Kolonialstil, so genannte Mansions, die inzwischen als Hotels oder offizielle Gebäude genutzt werden und leider der Regierung gehören. Der Ort war früher Ferienort für die Engländer, die das kühlere Wetter vorgezogen haben. Dann verbring ich 2Stunden in einem Pickup (das ist umgebauter Kleinlaster mit Bänken, der natürlich offen ist und normalerweise pickepacke voll gepackt ist) nach Mandalay. Meine Beine finden kaum Platz zwischen den Zuckerrohrsäcken, bin mal wieder zu groß für dieses Land. Zurück in Mandalaya und im Royal Guesthouse, home sweet home. Abends besuche ich die Aufführung der Moustache brothers. Das sind Komödianten, die politisch verfolgt wurden und mehrere Jahre Zwangsarbeit verrichten mussten. Zuletzt wurde ein Bruder nach den Demonstrationen in Jahr 2007 verhaftet, ist aber inzwischen wieder frei. Heutzutage treten sie in einer Art Grauzone nur für Touristen auf und erklären, was so in diesem Land passiert. Gemixt mit Witzen und Tanzeinlagen der Frau des einzig englisch sprechenden Schnauzbart-Bruders. Ich hatte was komplett anderes erwartet, fand’s aber dennoch außergewöhnlich.

Di 07.09. (Mandalay) Hatte gestern festgestellt, dass ich eine bedeutende Pagode in der Nähe von Mandalay bisher ignoriert habe. Daraufhin nehm ich heute die Fähre nach Mingun. Wir sitzen 1 Stunde lang in gemütlichen Easy-Chairs (eine Art Korblehnstühle) und tuckern auf dem Fluss entlang. Ich lern mal wieder nette Leute kennen. Die Mingun-Pagode wäre die größte und höchste der Welt geworden, wäre sie jemals fertig gestellt worden. Der ungefähr 150m hohe Sockel kann bestiegen werden, ein riesengroßer Riss, der durch ein Erdbeben im Jahr 1883 entstanden ist, durchzieht die Pagode. Der Boden ist unglaublich heiß, wir müssen wie in jeder Pagode barfuß gehen und daher platzieren die Guides Grünzeug zum Draufstellen. Die Aussicht auf den Fluss von hier oben ist einmalig. Mein Privatguide zeigt mir die zweitgrößte Glocke der Welt. Ich stell mich sogar drunter oder besser gesagt hinein. Danach in eine strahlend weiße Pagode. Der Saarbrückener Förderverein hat in Mingun einen Brunnen und eine Computerschule gespendet. Deutsch ist hier sehr beliebt vor allem bei Verkaufsgesprächen 😉 Zurück am Strand und Bootsanleger erzählt mir der Guide die Geschichte vom armen Englisch-Studenten (hab ich schon mal gehört, vielleicht stimmts ja). Egal, ich hätt ihm sowieso Geld fürs Rumführen gegeben. Allerdings nicht ganz so viel. Zurück in Mandalay geh ich zum Bahnhof, um mein Zugticket nach Naba zu kaufen. Die Beamten dort erklären mir, dass kein Zug nach Naba geht. Es hätte einen Unfall gegeben. Bin verwirrt und vermute erst, dass sie mir das Ticket nicht verkaufen wollen. Erfahre aber später, dass es tatsächlich einen Unfall gab. Nachmittags lass ich mich zur wichtigen Mahamuni-Pagode fahren und danach zu einem Festival in Amarapura, von dem ich schon von Gina in Hsipaw gehört hatte. Angeblich sei das einwöchige Festival, ein gay festival, erzählte mir jemand, doch ich sehe nur ein paar tanzenden Ladymen, ansonsten ein normales Kirmesfest mit burmesischen Süßigkeiten, einem antike Mini-Riesenrad, das durch die Schwerkraft der kletternden jungen Männer angetrieben wird und ein paar Betrunkenen. Faszinierend sind allerdings die Tänze in den Tempeln. Die Frauen und Ladymen tanzen sich, mit Whiskeyflasche und Kippen in der Hand, betrunken und rauchend in Trance bis sie nur noch zittern und werden dann behutsam weggeführt. Ein älterer Herr verwickelt mich in ein Gespräch und will nun mein Beschützer sein. Er begleitet mich, weil’s schon dunkel ist, zurück zu meinem Motorradguide. Doch zuvor muss ich noch seine Tarotkartenleger-Kabine im Tempel besichtigen. Der Aberglaube hat Hochkonjunktur in Myanmar. Auch dieser Mann scheint den Nats mehr zu vertrauen als Buddha.

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