So 29.08. (Nyaung Shwe) Für heute haben wir einen Bootstrip zu viert auf dem Inlesee mit einem der Bootsführer vereinbart. Unser erstes Ziel liegt eine Bootsstunde südlich von Nyaung Shwe und führt uns zum Markt in Naung Taw. Dort wird alles erdenkliche verkauft, von Haushaltswaren und Kleidung, Hüte über Lebensmittel und Motoren, Ersatzteile bis hin zu Souvenirs für die Touristen. Unser nächster Stopp ist eine Weberstube in einer Hütte auf Stelze. Hier werden Seidenstoffen, mit Lotusfäden durchwirkt, gewebt. Die Lotusfasern werden aus dem See gewonnen wird, mühsam von Hand getrennt und gesponnen. Die Stoffe sind dementsprechend teuer und nicht für unsere Touri-Preisklasse bestimmt. Dann fahren wir in ein normales Dorf, das auf Stelzen im Wasser gebaut ist. Das Alltagsleben spielt sich vor unseren Augen ab. Wäsche waschen im See, Körperpflege, ältere Menschen, die am Fenster stehen und auf den See blicken. Auf einer Wiese wird Chinlon gespielt. Das ist eine Art Fußball mit einem geflochtenen Ball. Die Spieler stehen im Kreis und spielen sich den Ball mit dem Fuß, Brust oder Kopf gegenseitig zu, ohne dass er den Boden berühren darf. Besondere Kunststückchen wie den Ball mit dem Fuß hinter dem Rücken anzunehmen, gehören hier zum Standardrepertoire. Übrigens stehen die Burmesen auch auf normalen Fußball, also Soccer und kennen wie die meisten Asiaten selbst Bundesligaspieler mit Namen. Wir fahren weiter über den See, der braunes Wasser führt. Das Grün der Gärten und vor allem der dramatisch blaue Himmel mit weißen Wolken erinnert mich an die Weite des argentinischen Himmels und ich bin völlig beeindruckt. Eine Pagode auf dem See zeigt im Innern 2 Buddhafiguren, die vor lauter Goldblättchen-Beklebung nur noch als unförmige Goldhaufen identifizierbar sind. Ein Foto nebenan zeigt wie sie noch vor 30 Jahren aussahen. Im Katzenkloster sind „jumping cats“, die, wenn man etwas spendet, ihre Hüpf-Kunststückchen zeigen. Wer hat behauptet, dass man Katzen nicht trainieren kann? Während wir im Kloster umhergehen, setzt draußen ein Platzregen ein. Wir warten ein bisschen und schon strahlt wieder die Sonne. Um 15Uhr sind wir zurück im Nyaung Shwe, weil die beiden Österreicher heute noch mit dem Nachtbus nach Mandalay fahren wollen. Ich lass den Tag ruhig ausklingen und geh zum Abendessen ins View Point Restaurant, um in schönem Ambiente ein burmesische Menü zu essen. Das besteht aus einer wilden Mischung aus Wasserkresse-Salat, Auberginen, Okra (Lady Finger) und weiteren Gemüsesorten, Rind und obligatorischem Reis.
Mo 30.08. (Nyaung Shwe) Die anderen sind schon abgereist, doch ich gönne mir noch einen weiteren Tag am faszinierenden Inlesee. Leider regnet es am frühen Morgen, doch ich lasse mich nicht beirren, leihe mir das klapprigste Fahrrad der Welt und fahre beim kleinsten Aufklaren des Himmels los. Es kommt, wie es kommen musste, als der Regen wieder einsetzt, hänge ich wadentief im Matsch und vielleicht auch in der Kuhscheisse (lecker!), muss Barfußlaufen, damit ich meine Flipflops nicht verliere und stapfe so zurück zur befestigten Straße. Unter einem Baum warte ich ab, bis der stärkste Regen nachgelassen hat. Etwas mutlos schlage ich einen neuen Weg ein und lande am Fuße des Weingutes Red Estate. Oben angekommen, bin ich der erste Gast heute und nachdem ich mich im Klo von der Schlammkur sauber gewaschen habe, genieße ich die Weinprobe auf der Terrasse des Gutes mit fantastischem Blick auf den See. Die Weine sind wirklich gut. Der Kellermeister sei aus Frankreich erzählt mir das Mädel, das mich durch das Weingut geführt hat. Mein Favoritenwein ist der Shiraz-Tempranillo und ich beschließe den Wein auf dem Rückweg in Yangon zu kaufen. Zurück auf der Straße will ich in den nächsten Ort fahren, komme allerdings zu weit nach Süden (kann ja keine Schilder lesen) und kehre schließlich um, als ein freundlicher Herr (vielleicht „burmesischer Stasi“mitarbeiter) fragt, wo ich denn hinwolle. Es regnet wieder und ich entscheide spontan und dekadent den Luxusbunker Hotel Inle Resort zu besichtigen. Das Personal empfängt mich, trotz durchnässter Klamotten, freundlich und führt mich zum Bootssteg des Hotels, für eine Zimmerbesichtigung fühl ich mich zu schmuddelig. Nach diesem schönen Tag mit Sportprogramm, Schlammschlacht und Dekadenz, fahr ich zurück nach Nyaung Shwe, treff ein paar Italiener und beende den Nachmittag mit einer Bierprobe der verschiedenen burmesischen Biere (die Marken Myanmar, Mandalay gegen Tiger). Der junge Wirt des Min-Min war schon mal in Österreich, wurde von Touris eingeladen, erzählt uns von seinem Leben und viel interessantes über die Regierung. Nach einem Abendessen im Miss Nyaung Swe Restaurant (wer ist das eigentlich?) und einem Besuch im superlangsamen Internet, das ja von der Regierung kontrolliert und blockiert wird, fall ich ins Bett.