Sa 21.08. (Singapur) Nachdem ich mein Gepäck auf 19,6kg runtergeschraubt habe, ist das Einchecken bei AirAsia ein „Leichtes“. Dafür ist Miriam jetzt etwas mehr bepackt. Wir verabschieden uns, denn sie fliegt nach Hause und ich nach Yangon, Myanmar. Auch bei Ankunft im Militärdiktatur-Land klappt alles reibungslos. Mein Visa on arrival erhalte ich in 5 Minuten direkt am Schalter. Und schon wartet mein Abholservice vom Ocean Pearl Guesthouse am Gate auf mich. Doch das war’s dann schon mit der Normalität, denn in Myanmar ist alles anders. Kurios, spannend und dennoch freundlicher als jedes andere Land der Welt. Doch erstmal die Kuriositäten: 1970 hat die Militärregierung über Nacht auf Rechtsverkehr umgestellt, obwohl die japanischen oder uralten Autos Rechtslenker sind, also auf Linksverkehr eingestellt sind. Das macht vor allem beim Überholen einige Schwierigkeiten, denn der Fahrer sieht den Gegenverkehr nicht. Deshalb sitzt vorne links im Bus immer ein mehr oder weniger zuverlässiger Ansager, der angibt, wann und ob überholt werden kann. Die burmesisches Schrift sieht übrigens aus wie Nudeln oder wie ein Australier gesagt hat, wie „Google-letters“ und für ein englisches Wort gibt’s viele burmesische. Ein Wort kann je nach Tonhöhe und Aussprache unterschiedliche Bedeutungen haben und für mich selbst nach mehreren Wiederholungen nicht auszusprechen. So bleibt es bei Danke und Hallo, Tschüß und „Ich verstehe nicht“ sowie einigen Zahlen. Was haben die Burmesen mit den Schotten gemeinsam? Nicht die Dudelsäcke, sondern die Röcke. Die so genannten knöchellangen Longyis werden in gedeckten Farben und Karomustern getragen. Ob der Burmese wohl was drunter trägt? Diese Rätsel konnte ich leider nicht lösen, obwohl der eine oder andere Mann beim Neubinden des Stoffschlauches (auf der Straße) ein Stückchen Hose durchblicken lassen hat. Also spart der Schotte wohl mehr an Stoff an den wichtigen Stellen als die Männer hier. Meine Mitreisenden haben auch schon Longyis getragen und fanden’s irgendwie befreiend. Aha. Soviel zu Männern in Röcken. Als Makeup und Sonnenschutz tragen Frauen, Kinder und ein paar Männer eine gold-gelbe Creme (Tahnaka) im Gesicht und auf dem Körper, die aus Sandelholz gewonnen wird. Sie sehen manchmal seltsam geisterhaft damit aus, doch Weiß-sein ist Schönheitsideal und wir Westler werden um unsere Hautfarbe beneidet. Tja, man will wohl immer das, was man nicht hat. Die Mehrheit der Männer kaut Bethelnuß, die rote Farbe absondert und die Lippen und Zähne rötlich färbt. Hrgh, noch schlimmer ist das Ausspucken auf den Fußboden, der dann mit roten „Blutflecken“ übersät ist. Die moderne Version ist künstlich und farblos, praktisch im Beutelchen zu kaufen, während die Naturvariante noch von Hand in ein grünes Blättchen gewickelt wird. Beides enthält wohl was aufputschendes. Ich habs nicht probiert, da man die ganze Zeit eklig ausspucken muss, denn Runterschlucken würde zu einer Magenverstimmung führen. Kann also nicht sagen, wie und wie stark die Wirkung ist, die mir von drogenähnlich bis zu harmlos „wie Koffein im Kaffee“ beschrieben wurde. Die Hauptreligion ist der Buddhismus, doch jeder glaubt an die Nats, also Geister, die vom Animismus stammen. Das lässt sich für die Burmesen gut vereinbaren und um mich davon zu überzeugen fahre ich mit dem Taxi zur Swedagon Pagode. Modern hier! Ein Rolltreppe führt in den Tempel nach oben und man zieht bevor man eintritt – wie in jeder Pagode in Myanmar – die Schuhe aus. Bin sehr beeindruckt vom riesigen Areal und der glänzenden mit 60 Tonnen Gold bedeckten Pagode. Oben in der Spitze soll ein Diamant versteckt sein, den man mit einem Fernglas bestaunen kann. Ich umkreise das Gebäude mehrfach, fotografiere sehr viel und kann kaum glauben, dass so wenig Touristen da sind. Vor allem Gläubige und Mönche gehen bedächtig umher, knien nieder oder sitzen meditativ am Rand. Die Stimmung im spätnachmittaglichen Sonnenlicht ist entspannt und heiter und ich lasse mich gerne anstecken. Verschiedene Leute sprechen mich an, ein Guide und ein junger Student erklären mir, wie man sich hier was wünschen kann. Nachdem wir ermittelt haben, dass ich an einem Dienstag (im Zeichen von Mars und dem Löwen) geboren wurde, wandere ich um die Stupa zum Dienstagsaltar. Dort werde ich angewiesen, 3mal Wasser auf 3 verschiedene Buddhafiguren zu schöpfen. Vor lauter Aufregung vergesse ich mir was zu wünschen. Egal, bin ja eh kein Buddhist. Der junge Dienstagsgeborene neben mir hat sich einen guten Examensabschluß gewünscht, erzählt er mir. In Myanmar ticken selbst die Uhren anders. Die zeigen eine halbe Stunde früher als in Thailand an und unglaublich, aber wahr, es gibt die 8-Tagewoche. Donnerstag bis Dienstag sind gleich, doch Mittwoch ist zweigeteilt, in Mitternacht mit Mittagszeit (der Zeit, in der Buddha geboren wurde) und Mittwoch nachmittags bis Mitternacht. Wer also an einem Mittwoch geboren wurde, hat’s ein bisschen schwerer mit der Altarsuche zum Wünschen. Später geh ich in ein kleines Straßenrestaurant und esse Chicken mit Reis und trinke ein frisch gezapftes Myanmar-Bier und erlebe weitere Kuriositäten. Als ich Küßchengeräusche von den Männern am Nebentisch höre (hab ich mir versehentlich was falsches in der Pagode gewünscht?), bin ich erst etwas irritiert, stelle doch bald fest, das keiner was von mir will, sondern der Kellner hier so gerufen wird. Auch schön. Bin dafür, das das in Deutschland eingeführt wird! Sehr luschtig ;-)))
So 22.08. (Yangoon) Um die Stadt besser kennen zu lernen, folge ich der Lonely Planet Stadttour, im Regen und finds öde. An einem Gebäude werde ich von einem Polizisten gebeten, die Straßenseite zu wechseln, keiner darf hier entlang gehen. Willkommen in der Militärdiktatur! Laut Reiseführer wird man als Tourist mit Stasimethoden ausspioniert und der Staat weiß immer, wo man ist. Wenn mir jedenfalls heute jemand durch die Stadt gefolgt ist und meinen absolut planlosen Weg mitgegangen ist, hält er mich entweder für vollkommen orientierungslos oder für eine clevere Agentin (Jane Blond?), die mit ihrer Verwirrungstaktik den Gegner in den Wahnsinn treiben will. Bin vermutlich dann doch nicht verfolgt worden, da ich niemanden verrückt schreiend wegrennen sehen habe. Endlich darf ich auf dem Bogyoke Aung San Market Souvenirs einkaufen, hab mich bisher in jedem Land aufgrund des kleinen Gepäcks zurückgehalten. Und lande dann in „alter“ Singapurtradition auf dem Sakura-Tower, um die Stadt zu überblicken und ein Bierchen zu schlürfen. Meine Energie ist ungebrochen und die Sonne wieder am Himmel, so dass ich zum Kandawgyi-Park, einer Grünfläche mit See mitten in der Stadt schlendere. Auf einer Holzbrücke läuft man am See entlang, genießt den Blick auf die scheinbar schwimmende Pagode und wirft einen Blick zurück zur Swedagon-Pagode, die sich im See spiegeln soll aber nicht tut. Dieser Park wird fast ausschließlich von Pärchen frequentiert und scheint der Liebespark schlechthin zu sein. Unter Sonnenschirmen auf Bänken wird heimlich geknutscht und gekuschelt, da selbst schon öffentliches Händchenhalten bei Nicht-Gleichgeschlechtlichen Tabu ist. Mindestens eine Szene in den burmesischen Liebesfilmen, die ich später im Bus gesehen haben, wird in diesem Park abgedreht. Übrigens wird Gekuschel bei Gleichgeschlechtlichen in der Öffentlichkeit akzeptiert und praktiziert. Hab noch nie so viele Männer Arm in Arm gehen sehen, mal abgesehen vom Christopher Street Day. Kurz vor Sonnenuntergang gehe ich nochmal zurück in die Swedagon Pagode, um das ultimative Foto bei Dunkelheit mit Vollmond zu schießen. Die Stimmung ist wieder so gelassen und die Pagode so beeindruckend, dass ich hier täglich hingehen könnte und neues entdecken würde. Unglaublich kitschig und viel zu modern für meinen Geschmack sind die Heiligenscheine aus bunten blinkenden Glühbirnen, die um die Köpfe der Buddhafiguren strahlen, wie bei uns die billigsten Lichterketten in den Fenstern um die Weihnachtszeit.