Mi 25.08. (Kalaw) Heute ist ein ruhiger Tag. Etwas ausschlafen, abhängen, waschen und Blog schreiben. Mit einem reichhaltigen Abendessen beim Nepalesen mit Paolo und einem österreichischen Nichtpärchen, denn sie sind Cousin und Cousine, bereiten wir uns auf die 3-tägige Trekkingtour zum Inlelake vor.
Do 26.08. (Kalaw) Um halb neun gehtâs endlich los. Robin, unser Guide ist ein 49jähriger Inder mit grünem Turban, ein Sikh, und der Bruder der Guesthouse-Besitzerin. Er weiß unglaublich viel und erzählt ganz offen über Politik, Natur, sein Privatleben und was ihm sonst noch so einfällt. Die Mitwanderer sind Paolo, die Ösis Petra und Michael, Boris, ein Belgier und Julien, ein Franzose, der nur 2 Tage wandern will. Das Wetter ist gut und wir wandern frohgemut 5 Stunden, machen viele Pausen, essen unbekannte Früchte direkt vom Baum und durchqueren Reisfelder, Gemüseanbau und begegnen immer wieder einheimischen Bauern und Ochsenkarren. Die Mittagspause verbringen wir bei einem über 80jährigen Medizinmann, der aus Bergziegenblut und Marihuana und und und, Kugeln und wilde Gebräue herstellt. Wir probieren so einiges, aufs Blut verzichte ich allerdings, laut Robin kanns ja nix schaden, sondern nur helfen. Gegen Asthma und Magenverstimmung und sowas. Unser Koch hat auf dem Feuer beim Medizinmann ein geniales Mittagessen mit Reis und scharfer Sauce gezaubert und wir wanken gefüllt weiter. Diesmal auf Bahngleisen und ich fühl mich wie im wilden Westen, fehlen nur noch die Cowboys und Pferde, denn Büffel hats hier auch genug. Die Bummelzüge hier sind mit kaum 15km/h so langsam, dass das Gleislaufen gefahrlos möglich ist. Beim nächsten Bahnhof machen wir Pause und beobachten wie die gefüllten Gemüsekörbe mit Blumenkohl zur Abfahrt bereitgestellt werden. Die Leute sind sehr freundlich, lächeln immer und Robin tauscht mit jedem auf dem Weg ein paar Worte. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier auf dem Land sehr arm, aber doch sehr humorvoll und vielleicht sogar glücklich sind. Unterwegs serviert uns der beste Koch der Welt auf unseren Pausenbänkchen Tee und wir fühlen uns verwöhnt wie nie zuvor. Wir übernachten heute nacht bei einer Danaw-Familie. Die Danaw sind einer der 40 verschiedenen Stämme, die in Myanmar leben. Unter anderen sind uns noch die Pa-O begegnet, die man leicht an ihren orangefarbenen turbanartigen Kopfbedeckungen erkennt. Der Vater der Familie ist Bürgermeister und Richter und muss alle Vorkommnisse im Dorf an die Regierung melden. Laut Robin ist er allerdings ein weiser und freundlicher Mann, der seine Macht nicht ausnutzen würde. Wir duschen in einer Wasserschöpf-Dusche in einem Bambusverschlag. Und das Klohäuschen erfüllt mit Loch im Boden seinen Zweck. Der Koch hat sich diesmal noch mehr übertroffen und kreiert ein tolles Essen mit vielen verschiedenen Tellern, die wir auf dem Boden sitzend an einem Minitischchen verzehren. Sogar Pommes hat er extra für uns fritiert. Ich frage mich (nicht ihn) ernsthaft, ob er mich wohl mit nach Deutschland begleiten würde, um für immer für mich zu kochen đ Im Matratzenlager in der Hütte des Bürgermeisters fallen wir bald ins Bett.
Fr 27.08. (irgendwo zwischen Kalaw und Inlesee) Robin weckt uns erst um 7 statt um 6Uhr, da der Regen unaufhörlich aufs Dach prasselt. Bin etwas frustriert und hab keine Lust im Nassen zu wandern. Doch als wir um 8Uhr nach einem Frühstück des besten Kochs der Welt aufbrechen, klart das Wetter auf und wir bleiben auf der für 8Stunden vorgesehenen Wanderung weitgehend trocken. Wieder begegnen uns Ochsenkarren und viele Bauersfrauen in Tracht, die auf dem Feld arbeiten. Bei einer Pa-O (Ur-)Großmutter, die ihre Urenkeln hütet, während die Eltern die harte Arbeit auf dem Feld erledigen, legen wir ein Päuschen ein und dürfen die würdevoll lächelnde Dame fotografieren. Die Mittagspause ist diesmal im Wohnhaus einer Familie, bei der unser Koch auf dem Feuer kochen darf. Und nach einem tollen Essen fallen wir alle auf dem Boden liegend für 1 Stunde in Mittagsschlaf. Weiter gehtâs und wir geraten mitten in eine Militärübung. Robin erzählt, dass vermutlich Vorbereitungen für die Wahlen getroffen werden. In Kalaw ist ein Militärcamp und die Soldaten dort sind teilweise aggressiv und depressiv, weil sie mit ihrem Schicksal unzufrieden sind. Ein Soldat gibt uns Salztabletten mit auf den Weg, soll wohl der Salzhaushalt ausgleichen, sorgt bei mir nur für mehr Durst, so dass ich sie wegwerfe. Ca. 65% (!) des Staatshaushaltes werden für Verteidigung ausgegeben und die Regierung hat Angst, dass die Amerikaner einmarschieren und âträumenâ von einer Atombombe zur Verteidigung. Später begegnen wir Bauern die lauthals ihre Wasserbüffel im Feld antreiben, machen Halt bei einer Schule, und erleben wie die Schüler nach Größe aufgestellt, nach Schulende, fast schon militärisch geordnet, abmarschieren. Noch eine Pause im Dorf und schon erreichen wir nach einem Durchmarsch durch ein Maisfeld das Kloster, in dem wir heute übernachten werden. 13 kleine Novizen sind hier nach den 2007 Aufmärschen übrig geblieben. Die meisten Mönche wurden vom Headmonc (Chefmönch und Vaterersatz) aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt, nur die Waisen und Mittellosen sind übrig geblieben. Boris ist in einem Frisbee-Club in Belgien und will den Kindern das Frisbeespielen beibringen. Sie beten noch, fegen dann und nach einiger Schüchternheit spielen sie mit freudigem Grinsen begeistert Frisbee mit uns. Wir duschen mal wieder in der Schöpfdusche, bei der man hier sogar erst mal Wasser aus dem Brunnen pumpen muss, essen und fallen erschöpft im Kloster auf die Matratzen.
Sa 28.08. (irgendwo zwischen Kalaw und Inlesee) Um 4.30Uhr früh werden wir von den Gebeten der kleinen Mönche geweckt. Schon lautstark und im Singsang beten sie in Pali (Sanskrit) durcheinander und doch irgendwie im Einklang. Wir frühstücken und machen uns für den Abschied vom Obermönch bereit. Wir überreichen eine kleine Spende und das Frisbee mit Signatur und er segnet uns mit einem Armbändchen mit 5 Knoten. Nur noch 4 Stunden bergab Wandern und schon erreichen wir den See. Allerdings hab ich inzwischen 4 Blasen an den Füßen, die mich etwas rumeiern lassen. Landschaft ist wunderschön und ändert sich nun merklich von Toscana zu Pinienwald und vom subtropischen Wald hin zum wärmeren See. Wir erreichen ein Dörfchen, in dem heute zufällig ein Markt stattfindet, essen zu Mittag, und fahren mit einem kleinen Boot über einen Fluss endlich zum Inlesee. Die Anwohner haben sich schwimmende Gärten auf dem See angelegt. Festlandboden wird abgetragen und im See neu befestigt, eine alte Tradition, die viel Geschick erfordert. Dort werden alle möglichen Gemüse angebaut und die schwimmenden Bepflanzungen unter dem gigantischen Himmel sehen unglaublich aus. Die Dörfer stehen auf Stelzen, Boote sind das Transportmittel und als wir den See durchqueren sehen wir erstmalig die berühmten Einbein-Ruderer. Leider beginnt es jetzt zu regnen und wir kriechen unter die Schirme, die schon in unserem langen, schmalen Motorboot bereitliegen. Das Guesthouse Aquarius Inn in Nyaungshwe ist gemütlich und wir werden mit Tee und Früchten begrüßt. Wir treffen uns später zum Essen im Shan Land und lassen den Abend mit original Myanmar-Rum mit Cola, also Cuba Libre auf burmesisch, ausklingen.