29.09.2010

Not Road, aber Flight to Mandalay

Di 31.08. (Nyaung Swe) Um mir nicht nochmal die Nacht im Bus um die Ohren schlagen zu müssen, gönne ich mir einen 30Dollar-Flug mit Air Yangon nach Mandalay. Und denke an Robbie, besser gesagt an das Lied „Road to Mandalay“ und träume ein bisschen. Wie die Stadt wohl ist? Schon im Sammeltaxi in die Stadt wird mir klar, dass der romantisch klingende Ort leider nur eine schmutzig-staubige, laute und stinkende Großstadt ist. Willkommen in der Realität, nach soviel Natur am Inle-Lake. Ich lass mich mit einer Rikscha zum Palast fahren, der leider gerade schließt und gehe kurzerhand oder besser -fuß zum Sonnenuntergang weiter auf den Mandalay Hill. Dort oben treffe ich die Ösis wieder, die zwar gleich nach Yangon weiterreisen, doch wir genießen noch zusammen den Blick auf die Stadt. Danach lass ich mich zu einer sogenannten Beer station fahren, die frisch gezapftes Bier und BBQ servieren. Später im Marionettentheater sind wir nur zu dritt. Gerade so viele, dass die Aufführung stattfindet. Normalerweise ist das nur für Touris, doch da das kleine Theater so leer ist, haben sich einheimische Kinder und Mädels eingeschlichen und haben noch mehr Spaß als wir. Sämtliche Marionetten werden vorgestellt und der Vorhang wird zeitweise höher gehoben, um die professionellen Puppenspieler zu zeigen. Zwischendurch tanzt ein Mädchen wie eine Marionette zur Musik, die live im „Orchestergräbelchen“ vorgetragen wird. Die Instrumente klingen wie eine Oboe und verschiedene Trommeln und Gongs und ähneln dem Gamalan-Orchester, das ich von Java her kenne. Nach fast eine Stunde haben alle Puppen getanzt, gekämpft und einige sogar gezaubert und die Musik ist schnell, laut und hysterisch geworden. Und ich beschließe doch endlich mal die Augsburger Puppenkiste in Deutschland zu besuchen 😉

Mi 01.09. (Mandalay) Heute habe ich den Besuch der 3 antiken Städte Sagaing, Inwa und Amarapura in der Umgebung Mandalay geplant. Mit einem Motorrad-Taxi landen wir erst beim Souvenirshop und eine lange Reihe von Mönchen kommen auf ihrem morgendlichen Bettelgang entlang. Sie sind streng nach Größe aufgereiht und bekommen ihre Mahlzeit von den Anwohnern, die damit hoffen dürfen, dem Nirwana näher zu kommen. Ein Mönch darf nur früh morgens essen, nochmal um 11Uhr und dann den Rest des Tages und die Nacht über nichts mehr. Das wär nix für mich. Jeder Mann ist ein oder zweimal im Leben Mönch. Zwischen 10 und 18 Jahre absolvieren sie als Novize eine Art Examen. Allerdings kostet der ganze Spaß, weil man Ausstattung kaufen muss und die Nachbar und Familie zu einem riesigen Fest einladen muss. Das zweiter Mal kann man als Erwachsener so zwischen 30 und 40 Jahren Mönch werden oder natürlich für immer. Die Mönche sind wohl hier die Bildungselite und leider von der Regierung nach den Aufständen als potentieller Staatsfeind gesehen. Der Respekt gegenüber Mönchen in der Bevölkerung ist sehr groß. Für Mönche werden zum Beispiel Sitzplätze werden freigemacht und Essen gespendet. Die Empörung in der Bevölkerung war unglaublich groß als die Regierung bei den Aufständen 2007 Mönche getötet hatte. Mönche tragen hier übrigens rote Kutten. Die kleinen noch orangefarbene, die älteren dunkelrote. Ein Mönch darf einen Schirm, eine Schale und einen Wasserfilter, sowie seine Kleidung besitzen. Das ist eigentlich alles, wobei ich manchmal Bücher und ein Radio im Kloster gesehen habe. Weibliche Mönche tragen rosa Kutten und haben ebenfalls den Kopf komplett rasiert. Sie genießen den Ruf, die moralischsten Menschen in Myanmar zu sein. Wir fahren nach Sagaing, der ersten alten Stadt, die über eine große Eisenbrücke über den Ayeyarwady (gibt’s ein Wort mit mehr Ypsilons?) erreicht werden kann. Die wichtigste Pagode der Stadt der 500 Pagoden liegt auf dem Sagaing Hill. Dort ist es so ruhig, dass man sagt, dass dahin die gestressten Buddhisten zum Meditieren gehen. Und es ist wahr. Als ich die vielen Stufen erklommen habe, zeigt sich ein toller Blick auf den Fluss mit vielen goldenen Stupas. Die Ruhe hier oben ist „himmlisch“. Ein Tafel erklärt auf englisch, wie man ins Nirvana gelangen kann. Weiter geht’s nach Inwa, und am Bootssteg essen wir erstmal zu Mittag in einem kleinen Holzverschlag. Mein Fahrer Asuhi zeigt mir stolz seine neue Cristiano Ronaldo-Frisur, er war beim Frisör während ich oben im Tempel war. Luschtig, die Fußballfans hier. Normalerweise wird Inwa, die Stadt, die 400Jahre lange Hauptstadt war, mit dem Boot und in der Pferdekutsche besichtigt, doch Asuhi verspricht mir mehr Tempel und den gleichen Preis, wenn wir mit dem Moped fahren. Ist mir recht und wir erreichen den ersten Backsteintempel über holprige Wege. Dort erwarten mich 4 kleine Souvenirverkäuferinnen, die mich als einzigen Tourist in Beschlag nehmen, mir das Tempelinnere zeigen, Fotos wollen und denen ich letztendlich eine Kette abkaufe. Auf dem windschiefen fast 30Meter hohen Wachturm werde ich ebenfalls auf Schritt und Tritt von Kinderverkäufern begleitet. Ich weiß ja, dass man eigentlich nichts von Kindern kaufen sollte, damit sie nicht weiter betteln müssen, doch ich kann leider wieder den charmanten kleinen Verkäuferinnen nicht widerstehen. Das Teakholz Kloster ist ein weiteres Highlight in Inwa mit Schnitzereien übersät und doch noch relativ gut erhalten. Als ich endlich genug von den vielen Tempeln habe, fährt mich Asuhi zur berühmten 1,2 km langen U-Bein’s-Brücke für Fußgänger in Amarapura, die schon 1849 auf Teakpfählen gebaut wurde. Noch 4 Stunden bis Sonnenuntergang. Somit hab ich genug Zeit, um auf der Brücke zu wandeln und lasse mir schließlich aus der Hand lesen. In 2-5 Jahren heirate ich also und in 10 Jahren werde ich sehr reich sein. Ich soll dann Lotto spielen. Ach ja, ein Kind bekomm ich auch noch. Der Handleser prophezeit mir alles, wovon er meint, dass ich es hören will. Und ich find’s superlustig. Den Rest der Zeit verbringe ich im Schatten bei Kaffee, weil’s furchtbar heiß ist heute, und Asuhi bringt mir wichtige burmesische Wörter bei und alle amüsieren sich köstlich über meine Aussprache. Als die Sonne endlich tiefer sinkt, fahr ich mit einem Bootsmann raus und fotografiere was das Zeug hält. Traumhaft und fast schon kitschig. Im Dunkeln fahren wir auf staubigen Straßen zurück nach Mandalay und nach der ersehnten Dusche, esse ich beim Inder auf der Straße Dahl (indisches Linsengericht) und Chapatis (frisch gebackene indische Pfannkuchen).

Do 02.09. (Mandalay) Heute morgen geh ich erstmal ins Internet. Und erobere danach im Schnelldurchgang die übrigen Tempel von Mandalay, die alle in der Nähe des Mandalay Hill liegen. Der Kuthodaw Tempel enthält mehr als 700 Steintafeln, also das größte Buch der Welt. Jede Tafel ist in einer kleinen weißen Stupa verborgen. Ein Mensch, der 8 Stunden am Tag liest, würde 450 Tage benötigen, um das Buch durchzulesen. Hier „treffe“ ich Chery eine beeindruckende alte Dame, eine Bettlerin, die „Viertels-deutsch“ist, eine asiatische lady mit großen blauen Augen, 63 Jahre alt, die behauptet einmal Vize-Kickbox-Vize-Meisterin in Myanmar und in Thailand gewesen zu sein. Eine so einfallsreiche, vermutlich erlogene Geschichte belohne ich mit einer Spende. Sie sagt, dass sie schon 2 Tage lange nichts mehr gegessen habe. Wer weiß, ich habe jedenfalls Mitleid und hoffe, dass die schwachen Touristenströme sie trotzdem irgendwie überleben lassen. Danach besichtige ich noch ein weiteres Teakholzkloster, das mich immer wieder durch seinen Geruch und seine dunkle Stille beeindruckt. Zum Schluss noch eine kurze Stippvisite im Palast, schließlich hab ich ja schon mal 10 Dollar für das Kombiticket in Inwa bezahlt. Zwei junge Mönche schließen sich an, doch da ich nur durchhusche, sind sie etwas enttäuscht. Ich sehe die Pantoffeln und das Glasbett der letzten beiden Könige von Myanmar. Nachmittags fahr ich mit dem Bus nach Hsipaw (sprich Sipoo) und bin mal wieder die einzige Touritante. Leider ist der Bus kaum klimatisiert, obwohl AC draufsteht und ich bin froh, als wir um 21 Uhr endlich ankommen.

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