Di, 03.11. (Bogota, Kolumbien), heute ist nur ein Reisetag. Alice ist schon nachts um 3 abgereist. Die Arme. Ich fliege um 14Uhr von Guatemala-City, nach Manaus (Nicaragua), nach Panama City und erreiche endlich nachts um 22 Uhr Bogota. Luschtig, im Flugzeug lerne ich einen Mann aus Guatemala kennen, der bei Thyssen-Krupp arbeitet und irgendwas mit Aufzüge zu tun hat (Ronald, ein ehemaliger Kollege!) Wir unterhalten uns über alles mögliche (boah, mein Spanisch ist schlecht) und erzählt, dass er extreme Flugangst hat und ein Kollege beim Flugzeug-Absturz vor Brasilien ums Leben gekommen ist. Er muß leider viel Fliegen in seinem Job. Gut, dass er in Manaus aussteigen darf. Er kann es übrigens kaum fassen, dass der Mauerfall schon 20 Jahre her ist. Kein Wunder, geht mir ja genauso. Gibts eigentlich bald ne große Party? Übrigens, die Unabhängigkeit Kolumbiens, Mexicos und der meisten anderen südamerikanischen Staaten wird in 2010 200Jahre her sein. Da gibts dann ne richtig große Party! Ich bin etwas nervös, weil ich in Bogota bei Nacht ankomme. Alles klappt. Leider isses im Hostal und draußen saukalt. Zumindest für meine Begriffe. In Guatemala wars halt doch wärmer. Bin im Mini-Zimmer mit 4 Asiatinnen. Ansonsten hab ich kaum jemanden gesehen, nur Carlos, der mir alles erklärt und seinen kleiner weißer Minipudel, der laut allgemeinen Anweisungen an den Wänden auf keinen Fall gefüttert werden darf. Mit was denn? Hier gibts nur Bier, Rum, Wein und Cola.
Mi, 04.11. (Bogota) Die Asiatinnen werden von Carlos um viertel vor acht geweckt, in dem er einfach in unser Zimmer kommt. Auch schön! Soweit ich erraten kann, machen sie einen Spanischkurs im Hostal. Immer noch kalt hier, aber juhu die Duschen sind heiß. Spanisch ist hier übrigens wieder mal anders. Als ich zum Frühstück einen Cafe con leche bestelle, bekomme ich viel Milch mit einem Schuß Kaffee. Der Reiseführer gibt die Erklärung. Kaffee mit Milch ist hier ein Cafe Perico, ein Espresso ist ein Tinto. Klingt für mich eher nach einem Rotwein. Nachdem ich das Viventura-Programm für die nächsten Tage gecheckt habe, verschiebe ich die Highlights auf später und gehe ich ins Museum für Koloniale Kunst, das vor allem durch seinen wunderschönen Innenhof besticht und danach ins Botero-Museum. Botero hat allerlei europäische Kunst gesammelt. Seltsam ausgerechnet in Bogota Max Ernst, Degas, Kokoschka und Miro zu sehen. Botero selbst malt wunderbar humorvoll vor allem dicke Menschen, Essen und dicke Pferde und ich bin begeistert. Da ich die einzige Blonde in ganz Bogota zu sein scheine, sind die Menschen äusserst kontaktfreudig. Zuerst diskutiert ein älterer Herr mit mir die ironischen Details eines Botero Bildes. Die gelangweilten Wachen amüsieren sich über mein rudimentäres Spanisch, wollen aber unterhalten werden, selbst als der Chef anrückt. Halbwüchsige Schüler sagen gern mal kichernd „hello“ zu mir. Und zu allerletzt lerne ich in einer Pizzeria den vermutlich einzigen Deutschlehrer Kolumbiens kennen, der morgens deutsch unterrichtet und abends als Kellner arbeitet. Er war mal auf einem Austausch in Augsburg und weiß sofort, dass jemand aus Stuttgart, schwäbisch ist. Luschtig! Der Kolumbianer an sich ist übrigens entweder sehr konservativ gekleidet und kurzhaarig oder alternativ sehr langhaarig à la Juanes. Freu mich auf meine neue Viventura-Reisegruppe, die ich übermorgen treffen werde. Ist doch ein bißle komisch so allein hier unter den Kontaktfreudigen. Ihr könnt übrigens ab dem 06.11. auch die Reiseberichte unter Viventura.de anschaun.