Do 07.01. (Manaus, Brasilien) Mach mich unbeliebt im Mehrbettzimmer durch frühes Aufstehen und aufbrechen. Frühstück ist super (heißes Sandwich mit Käse und Schinken und Melone) und inklusive hier. Stehe um halb acht am Reisebüro und warte mit einer Mitarbeiterin. Doch der Chef will nicht früher aufmachen. Bin am Tourbüro und schildere mein Problem. Sie zeigen Verständnis und versprechen mich am Reisebüro wieder abzuholen. Das hat inzwischen geöffnet, doch der Superpreis für den 10.01. nach Sao Paolo ist weg. So fliege ich halt am 11.01. nachts. Alles dauert, das Taxi steht vor der Tür. Der Agenturfuzzi wirkt vertrauenswürdig und ich bitte ihn, dass Ticket für mich abzuholen, weil die Tourleute nicht länger warten können. Wir fahren an den Hafen von Manaus und ich lern im Taxi 2 nette Argentinier Diego und Gaston kennen. Roberto ist aus Sao Paolo und versteht leider kein Englisch. Auf dem Boot lerne ich noch Rinse, eine Holländer, eine verrückte Schweiz-Brasilianerin und ein nettes, älteres brasilianische Pärchen kennen. Der Mann sieht aus wie der brasilianische Präsident Lula und wir witzeln, dass er es eigentlich ist und inkognito unter dem Namen Francisco reist. Hier kommt auch unser Guide Sami, ein Mann mit indischen (nicht indianischen) Vorfahren und ursprünglich aus British Guayana hinzu. Er ist im Dschungel aufgewachsen und war früher Gold- und Diamantensucher, der alles Geld mit Frauen (und Drogen?) auf den Kopf gehauen hat. Die Mischung der Leute ist bizarr. So auch der Fluss. In der Flussmitte treffen sich der blau-schwarze Rio Negro und der gelb-braune Rio Solimoes und fließen über viele Kilometer (18?) nebeneinander her, so dass 2 Streifen entstehen. (wird ganz wichtig „Encontro das aguas“ genannt) Das hat wohl was mit der Wasserschwere, Temperatur (22 und 28 Grad) und den unterschiedlichen Bestandteile der Flüsse zu tun. Der Guide kann es auch nicht erklären. Ab hier heißt der Fluss – jetzt noch gestreift – Amazonas und fließt bei Macapa/ Belem in den Atlantik. Dann erreichen wir die andere Flussseite und steigen in einen VW-Bus um. Der sieht sehr altmodisch aus, wird hier aber viel als Taxi benutzt und noch in Sao Poalo gebaut. Über eine Rumpelstrecke geht’s bis zum Lago de Jumo. Dann mit dem Schnellboot zum Jumo Lake Inn. Das ist ein floating restaurant mit Mehrbettzimmern und Bad an Land. Ist gemütlich hier. Obwohl wir alle mit unterschiedlichen Agenturen gebucht haben, sind wir alle in einem Camp gelandet. Gut, dass ich nach dem günstigsten Preis gebucht habe. Wir baden erstmal im braunen Fluss, die Piranhas und Kaiman gibt’s nur auf der anderen Seite. Hoffentlich. Dann schon wieder Mittagessen. Jerry’s Frau kocht hier und alles schmeckt lecker. Auf zum Piranha Fischen. Die durchgeknallte Schweizerin hat sich extra eine Angel gekauft. Unnötig. Die Fische beißen sowieso, wenn man nur den Haken mit dem Fleisch reinhält. Nach 2 Minifischen hör ich auf. Ist ein bisschen eklig, weil sogar mal das Auge durchbohrt ist und wir die armen Tiere eh gleich wieder reinwerfen. Es braut sich ein Gewitter zusammen. Wir fahren mit den Holzboot zurück, werden trotzdem noch nass. Die Schweizerin qualmt die ganze Zeit und wirft ihre Zigaretten in den Fluss. Nach dem Abendessen ist Kaiman gucken angesagt. Der Guide hat keine Lust und fährt mit uns 2 Minuten an die andere Flußseite und fängt einen Minikaiman, den er dann im Restaurant auf den Tisch legt. Sami gibt Anweisungen und die Schweizerin leuchtet mit der Taschenlampe genau in dem Augenblick, als sie nicht soll. Wie kann man so blöd sein. Nun sollen wir das Tier im Restaurant für Fotos halten. Dazu hab ich keine Lust, voll die Tourinummer. Dann noch ein Trick. Sami legt den Kaiman auf den Rücken und streichelnd ihm den Bauch so dass er regungslos da liegt. Vorab gewarnt: Kein Geräusch machen. Der ca. 10 jährige Junge der Familie brabbelt los und kriegt eine gescheuert als der Kaiman sich dann natürlich unkontrolliert bewegt. Das hätte schief gehen können. Supernummer! Um ca. 22Uhr geht das Licht aus, so dass ich vorher ins Bett gehe. Morgen früh Sonnenaufgangstour, falls es nicht regnet.
Fr 08.01. (Jumo Lake Inn, ein paar Kilometer südlich von Manaus im Amazonsgebiet) Mist, um 5 Uhr regnets, kein Sonnenaufgang, dann schlafen wir halt noch etwas. Die Schweizerin bezichtigt alle des Diebstahls und will sofort zurück nach Manaus. Sie schreit hysterisch rum und will nicht mehr mitspielen. Nach dem Frühstück brechen wir ohne sie zur Trekkingtour auf. Wir laufen 3h durch den Dschungel und Sami erklärt Pflanzen und was man damit heilen kann. Kein Tier zu sehen. Bin etwas enttäuscht, aber Sami erklärt, dass die Siedler (keine Indianer hier) alles gejagt haben und ich meine, dass die Touris alles niedergetrampelt haben. Er zeigt uns Würmer, die in Nüssen wachsen. Roberto und Francisco essen die Riesendinger echt auf. Ich diesmal nicht, ekle mich vor dem Tier, obwohl es schon eßbereit auf der Hand hatte. Sami flechtet Krönchen und Fächer für die Frauen aus Palmblättern. Wir trinken Wasser aus Pflanzen und essen Pekanüsse, die hier brasilianische Nüsse heißen. Fast schon Survivaltraining. Höhö! Zurück zum Mittagessen und dann brechen die Schweizerin und das brasilianische Ehepaar wieder auf zurück nach Manaus. Wir, d.h. 5 Männer und ich brechen nachmittags zur Übernachtung in der Hängematte im Dschungel auf. Bootsfahrt ca. 1h und dann stellt Sami fest, dass sein Stammcamp von anderen Leuten okkupiert wurde. Er ist stinksauer, es fängt an zu regnen und Sami tickt aus. Er beschimpft die Touristen, dass sie nie helfen würden, alles ist fucking, er säuft den mitgebrachten Schnaps und redet die ganze Zeit davon, dass er ins andere Camp fahren will und den Leuten dort die Meinung sagen will. Betrunken erzählt er noch ein paar Schweinereien aus seinem Leben und ich muss an das Buch von Rüdiger Nehberg denken, in dem ein betrunkener Guide mit der Machete in der Nacht seine Gäste niedergemetzelt hat. Ich unterhalte mich mit Sami, um ihn zu beruhigen und schäle Kartoffeln. Roberto schnitzt Stöcke zum Hühnchenbraten. Die anderen sagen nix mehr, was ich gut verstehen kann. Sami läßt sich beruhigen und liest mir sogar noch aus der Hand und verklickert mir seine Karma- und Reggaeman-Theorien. Als er noch nachts zum Kanufahren aufbrechen will, haben wir keine Lust. Es scheint mir zu riskant mit diesem durchgeknallten Typen. Als ich auf Toilette muss, gibt mir Sami sogar seine Machete mit. Wo schläft eigentlich der Jaguar? Wir gehen in die Hängematte und es regnet fast die ganze Nacht. Ich schlafe mal wieder den Schlaf der Gerechten und hoffe, nicht ermordet zu werden. Als ich nachts, diesmal ohne Machete, aufs Klo gehe, sind die Geräusche des Dschungels (Kreischen von Vögeln, Affen?) laut und ich meine sogar einen Jaguar fauchen zu hören. Ups, schnell zurück in die Hängematte. 😉
Sa 09.01. (Hängematte im Amazonasdschungel) Gaston ist schon frühmorgens mit einem Boot abgeholt worden, er muss rechtzeitig sein Flugzeug nach Cordoba erreichen. Sami hat ein Frühstück gezaubert. Ich bin etwas enttäuscht von der Dschungelnacht. Nix gesehen und ansonsten nur einen ausgetickten Guide dabei. Wir fahren zu einer einheimischen Familie, die Maniok produzieren. Man zeigt uns die Pflanze und wie geschält, zerkleinert, gesiebt und danach geröstet wird, um die Giftstoffe daraus zu entfernen. Die Familie sieht überhaupt nicht indianisch aus, ist sie auch nicht. Kommt aus Manaus und diese Leute werden Caboclos genannt, weil sie Mischlinge aus Indigenas und Weißen sind. Sie besitzen eine Kühltruhe, einen Kühlschrank und einen Fernseher mitten im Dschungel. Strom allerdings immer nur kurz, wenn sie den Generator anwerfen. Noch ne Tourinepp-Nummer. Lasse mich sogar beim Maniok-Rösten von Diego fotografieren, um wenigstens ein bisschen Spaß zu haben. Hält nicht lange vor, meine Laune sinkt. Sami hat auch keine Lust mehr und will zurück nach Manaus, wie Diego auch. Rinse, Roberto und ich haben ja 4 Tage gebucht und hoffen, Sami loszuwerden. Klappt nicht. Der Chef sagt, er muss bleiben. Rinse und ein Italiener, den ich schon von Venezuela kenne, baggern wie blöde eine sehr gut aussehende Japanerin (Kana) an. Es wird schon fast schon ein Wettbewerb, wer denn mal randarf, weil sie doch recht offen für alles zu sein scheint. Es steht unentschieden. Nach dem Mittagessen machen wir eine Kanutour, d.h. 1 Stunde Motorbootfahren und dann noch etwas durch Nebenflüsse paddeln. Nach 15 Minuten rudern kommen wir nicht weiter, Wasser zu niedrig, Pflanzen zu dicht, Sami hat eh keine Lust mehr, also zurück. Wir finden noch ein paar Affen und der Weg zurück mit untergehender Sonne ist richtig schön. Kurz vor dem Camp halten wir zum Sonnenuntergang an und treffen 2 Schweden, die die Luxus-Amazonas-Lodge gebucht haben. Ob sie mehr sehen, als wir? Wir essen zu Abend, das Camp wird immer voller und ich habe zuerst gar kein Bett. Ich finde noch eins, allerdings ohne Moskitonetz. Egal, besonders viele gibt’s hier eh nicht und ich nehm ja Malariaprophylaxe. Rinse und ich beschließen uns beim Chef Jerry, der inzwischen eingetroffen ist, über Sami zu beschweren. Er bietet uns 70 Reales oder einen Tag mehr als Ausgleich. Da das so schnell kommt, hege ich den Verdacht, dass Sami wohl mal öfter ausrastet. Jerry fragt mich sogar, ob er jemanden angegriffen hätte. Puh, da hatte mein Gefühl mich wohl nicht getäuscht. Marco, der Italiener ist verschwunden, Kana, Rinse und ich widmen uns dem Caipi am Abschlußabend. Rinse hofft bei Kana landen zu können. Erfolglos. Vielleicht ist sie ja heimlich zum Italiener verschwunden?
So 10.01. (Juma Lake Inn) Die anderen machen die Sonnenaufgangstour und trampeln uns um 5Uhr wach. Ich schlaf noch ein bisschen bis 7Uhr und hoffe, die letzte Tour mit Sami unbeschadet zu überstehen. Wir fahren zu einen Rubber (Gummi) production. D.h. In einer Tourishow im Dschungel wird gezeigt, wie man Gummistiefel, Handschuhe, Geldbörsen und Kondome aus Kautschuk herstellt. Der Baum wird angeritzt, die Milch eingesammelt, dann die Flüssigkeit auf die jeweilige Form gegossen. Wir stellen einen Kindergummistiefel her, der dann über dem Rauch eines Feuer aus Mininüssen getrocknet wird. Das wird mehrmals wiederholt und funktioniert ganz gut, ich lass mich spontan mal wieder fürs Touriprogramm ablichten. Roberto möchte 2 Säcke Pekanüsse für seinen Familie in Sao Paolo mitnehmen. Wir warten bis alles geerntet ist, stehen uns die Füße in den Bauch. Werde gestochen und laufe etwas genervt durch die Plantage. Zurück im Camp warten wir aufs Boot, um zurück nach Manaus gebracht zu werden. Bin insgesamt enttäuscht und genervt, weil wir in einer Art Massenabfertigung von Tourinepp zu Tourinepp geführt wurden und dabei jegliche Regeln des Naturschutzes missachtet haben. Wenn Sami zumindest nett und informativ gewesen wäre, hätte mir das sicher auch noch Spaß gemacht. So bin ich etwas deprimiert, dass ich 4 Tage verschwendet habe, den Flug nach Sao Paolo verfallen lassen habe und mehr Ärger als Spaß hatte. Gut ist natürlich, dass ich wieder nette Leute kennen gelernt habe und im Camp doch so einige Empfehlungen für die Küste (das Litoral) abstauben konnte. Auf dem Rückweg zum Stinkehostal gönne ich mir noch ein Rieseneis und dann eine richtig lange warme Dusche. Das Flugticket liegt vor und ich kann beruhigt den ganzen Abend surfen und Blog schreiben und ausruhen. Das Hostal stinkt dann doch nicht mehr so und ich bleib noch eine Nacht hier.

VW-Bus, neu aber schon schmutzig

Manaus, Altstadt

Zusammentreffen der beiden Flüsse

Jamo Camp mit Betten

Boot vorm floating restaurant

Sami mit Kaiman

nochmal der gequälte Kaiman

Dschungelkönigin

Maniok-Mann

Maniok-Frau

Idylle am Fluß

Himmel über Fluß

Kanufahrn am Abend

Sonnenuntergang

Flussschifffahrt - tolles Wort

Alles aus Gummi

Beisse in meinen selbstgemachten Gummistiefel