17.01.2010

Der lange Weg nach Salvador de Bahia

Do 14.01. (Rio) Ein Sturm ist angesagt für heute Abend, so dass ich froh bin heute Richtung Norden abzureisen. Der 10.30Uhr Bus ist voll, für den 9.15Uhr hätte ich das tolle Frühstück verpasst, so dass ich letztendlich den 14.30Uhr-Bus nehme. Schnelle Abreise und Abschied von Yi, die ich in der Antarktis wiedersehe. Der Busbahnhof von Rio ist so modern und gepflegt, wie ein Flughafen in Europa. So gehen die 4 Stunden Wartezeit mit Leute beobachten, lecker Pasta essen und rumbummeln schnell vorbei. Der Bus ist zuerst nicht ganz voll. Nach ca. 1,5 h geraten wir in ein richtigen Gewittersturm mit Hagel. Die anderen Fahrer halten an, um ihre Autos unter Bäumen zu schützen, unser Busfahrer fährt unbeirrt durch das Wetterchaos weiter. Vor mir sitzt ein vermutlich schwules Pärchen, die etwas nerven, weil der ältere ununterbrochen laut zu seiner Musik mitsummt und an die Scheibe klopft, Ansonsten ist der Bus voll mit allem, was Brasilien zu bieten hat. Also alle Formen und Farben. Von den megadicken, großen schwarzen Muttis in schönen bunten Kleidern, die kaum in die Sitze passen, junge coole gemixt-farbige Jungs, ein weißer superdünner Opa, der wohl ein Prostataproblem hat, weil er andauernd aufs Klo muss. Dann 2 schwedische Touristinnen, die qualmen müssen in jeder Pause, ein kleiner, eher kolumbianisch anmutender Typ, der sehr bemüht ist, dass die DVDs mit den Filmen richtig laufen. Der junge hippe, helle brillen- und zahnspangentragende Checker, der mit seinen hellblauen Kettchen superschwul wirkt. Oma mit ca. 8jährigen Mädchen mit goldiger Rastafrisur usw. Da Brasilien flächenmäßig so groß ist, sind die Unterschiede in der Bevölkerung ebenfalls groß. In Manaus waren die Menschen eher indianisch angehaucht, in Rio alles gemischt, eher mit guter Figur, schlank bis durchtrainiert und in Salvador meistens schwarz und teilweise richtig „big“. In irgendeinem Kaff steigt mein Nebensitzer zu und beginnt sofort mit seinem Handy lautstark zu telefonieren. I-phone ist hier sowieso angesagt ohne Ende. Etwas nervig. Wir machen noch eine gepflegte Abendessen-Pause mit Buffet und sauberer Toilette und dann heißt es schlummern.

Fr 15.01. (Salvador) Erwache im Bus, wo sonst. Sind ja insgesamt 27h geplant, also Ankuft so um 17Uhr. Inzwischen laufen Filme wie Rainman auf Portugiesisch und ich versuche mich etwas reinzuhören. Schwierig sind für mich besonders die nasalen Laute, welche die Sprache auch leicht quengelig für meine Ohren klingen lässt. Die Frühstückspause fällt kurz aus, nur 10Min. Vermutlich sind wir hinter dem Zeitplan. Nächster Film „The golden door“ naja, schlafe schon fast wieder ein, lese dann lieber und höre Ipod bis die Batterie ausgeht. Mittagessen nochmal 30 Min. Gut, bald sind wir ja da. Von wegen. Um fünf erreichen wir San Antonio de Jesus und nach einem kurzen Blick auf die Karte erahne ich, dass wir doch sehr verspätet sind. Jetzt hab ich keine Lust mehr und die anderen wohl auch nicht. Endlich erreichen wir um halb neun, den Busbahnhof in Salvador. Aufgrund der Zeitverschiebung ist es erst halb, so ein Glück. Ich kauf mir gleich das Ticket für Recife am Montag abend und komme endlich in der Galeria 13, dem Hostal im Pelhourino an. In diesem Stadtteil ist die Hölle los, es ist Freitagabend, wenige Wochen vor Karneval und die Straße brennt. Gefällt mir gut hier und nach einer kurzen Dusche, Caipi und raus auf die Straße zum Essen und Leute gucken. Salvador ist cool und leider hab ich heute ein Riesenfestival am Strand verpaßt, weil ich zu spät bin. Egal, ich genieß einfach die tolle Stimmung hier und beschließe noch einen Tag länger zu bleiben und erst am Sonntag auf die Insel (Morro de Sao Paolo oder Biopeba) zu fahren. Bisher bin ich mit meinen spontanen Entscheidungen wohl doch ganz gut gefahren. Treffe im Hostal auf einen Typen, der den Neunfünfzehn-Bus von Rio genommen hat. Er war insgesamt 37h unterwegs, weil der Bus mehrmals Pannen hatte. Da bin ich mit meinen schlappen 31h supergut weggekommen. Schlummern im superengen 10-Bett.Mixed-Dorm ohne Aircondition, nur mit Fan. Boah, bin ich heut „backpacker“!

Kommentare

haha, ja, die langen busfahrten… unglaublich wie lange man unterwegs ist… und immer noch in einem und dem gleichen land.
das pelhourino finde ich persönlich einfach nur toll. tagsüber in den alten gemäuern der geschichte nachhängen, abends dann an den gleichen stellen abfeiern. und das können die leute dort bestens. wenn du zeit hast, gehe bei „olodum“ vorbei. eine der bekanntesten trommelbands in ganz brasilien, haben ihr „hauptquartier“ mitten im pelhourino.

in recife dann unbedingt rüber nach olinda…

lg
m.

ach übrigens. probier mal „acaraje“, ist ein snack typisch für bahia und bekomst du bei den mamas am „strassenrand“ in ihren „garküchen“.

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