19.01.2010

Salvador und Boipepa – back into the flow

Sa 16.01. (Salvador) Als ich zum Frühstück geh, treff ich Karin, die Schweizerin, die ich von Rio kenne und der ich ohne zu wissen, wo sie absteigt, vorhergesagt habe, dass ich sie wiedertreffe. Keine hellseherischen Fähigkeiten, einfach nur purer Zufall. Wir beschließen mit Joana und Ana eine Stadttour zu machen und die berühmte Kirche Bonfirm zu besichtigen. Mit dem Lift geht’s in die Unterstadt und dann mit dem Bus zur Kirche. Dort werden Bändchen angebunden, die mit jedem der 3 Knoten 3 Wünsche erfüllen sollen. Ich kauf 2 Bändchen und bind sie an den Kirchenzaun. 6 Wünsche hab ich net, dann halt 2 mal die gleichen. Drin ist gerade Gottesdienst, wir dürfen kurz zugucken. Am Donnerstag war großer Bonfirm-Feiertag in Salvador. Eine Prozession ging vom Hafen zur Kirche, ein Umzug 6km lang, Karin war schon da und hat ihn teilweise gesehen. Wir wandern noch ein bisschen rum und als es anfängt zu regnen, zurück mit dem Bus ins Zentrum. Die beiden anderen Mädels wollen sich mit irgendwelchen Capoeira-Typen treffen und nach Itaparica, einer Halbinsel fahren. Aufgrund des Regens will ich nicht an den Strand,  und so laufen Karin und ich noch ein bisschen in der Altstadt rum. Und genehmigen uns aufgrund des Regens lecker Crepe und Cappucchino. Zurück im Hostal, sammeln wir einen herrenlosen Engländer auf (Simon) und besichtigen die wichtige Kirche San Francisco.Viel in Gold, es riecht nach weißen Rosen, die für eine Hochzeit gerade geschmückt werden. Beeindruckend ist ein uralter Spiegel, der perfekt gearbeitet ist. Mach Fotos von mir und zu sehen, wie gut er ist 😉 Danach gehen wir Acaraje essen, das ist ein typisch bahianischer Snack, der hier von den dicken Mamas in voluminösen, weißen Kleidern an Straßenständen angeboten wird. Lecker frittierte Teigmasse, die mit Salat, Gemüse, scharfer Sauce und kleinen Shrimps gefüllt wird. Die Shrimps isst man komplett mit Kopf und Schale. Etwas seltsam, aber gut. Eigentlich wollen wir jetzt sofort in einen Club mit Livemusik gehen, Karin und ich brauchen jedoch einen Nachtisch. Dann aber auf ins Nachtleben, leider ist der Club unserer Wahl schon zu und so bleiben wir in einer Reggaebar hängen. Nachdem wir uns einig sind, dass wir Rio alle 3 nicht leiden können, bekennen wir uns voll zu Salvador, insbesondere dem Pelourinho. Lt. Simon die Stadt mit so much energy and so many vibes. Jau, so isses and I like it.

So 17.01. (Salvador) Trotz später Heimkehr gestern, will ich heute nach Boipepa, einer Insel ca. 100km von Salvador entfernt. Diese Insel hab ich in einem portugiesischen Reisemagazin entdeckt und sie wird im Gegensatz zu Morro de Sao Paolo als sehr idyllische, wenig touristische, kleine Insel mit schönem Strand gelobt. Nur die Anreise ist etwas kompliziert. Ich pack mein kleines Rucksäckchen und fahr mit dem Aufzug in die Unterstadt und an den Hafen. Dort nehm ich ein Boot zur Halbinsel Itaparica. Schon ein Erlebnis für sich. Gegenüber von mir sitzen ein paar Teenies, die über die Gringas am Hafen ablästern, so weit ich das versteh. Ich muss grinsen, weils ich ja hier auf dem Boot die einzige Gringa schlechthin bin. Nach einer halben Stunde ungefähr beginnt das Schiffchen zu schlingern und unter lauten, gut gelaunten „Eppa“-Rufen der Mitfahrenden, schaukelt es so durch die See. Den beiden Kindern neben mir wird schlecht, der eine kotzt auf das Bein seines Nachbarn, der andere vor seine Mutter auf den Boden. Mmmh, drumrum wird den anderen Kindern jetzt auch schlecht. Die Stimmung sinkt, die Teenies schweigen mittlerweile leicht grünlich im Gesicht. Gut, dass ich nicht seekrank werde. Endlich sind wir da. Kein Bus nach Valenca. Mist, ich frag viele, doch versteh die Antwort leider nicht. Dann kommt mir am Hafen ein typischer Straßenumzug mit feiernden Damen in Tracht entgegen. Sehr schön und bunt. Doch als sie näherkommen, stell ich fest, dass das alles Männer sind. Wo kommen denn jetzt die ganzen Transen her? Alle haben Spaß, die Mädels drumrum reichen Bier und die Jungs tanzen. Finds auch lustig. Letztendlich versteh ich einen Taxifahrer, der mir erklärt, dass ich im falschen Ort auf der Insel bin. Die Busse nach Valenca fahren vom Terminal in Bom Despacho. Von dort erwisch ich jedenfalls sofort einen Bus, der allerdings 2h bis Valenca braucht. Von Valenca nehm ich dann ein Schnellboot nach Boipepa. Der Bootsführer ist mal wieder der coolste und rast in Miami Vice Manier zwischen den Mangrovenhainen hindurch. Nach 1h sind wir da, im Paradies. Entscheide mich für eine erschwingliche Pousada (juhu, ein Zimmer ganz für mich allein!!!) und bin schon am Strand. Herrliches Wasser und ich bleib erstmal für fast 2 Stunden im Meer. Aufgeweicht dann noch ein entspanntes Bier in der Strandbar und Sonnenuntergang und Hippies gucken. Das ist ja fast wie früher in Thailand… Etwas wehmütig, denn das wird vielleicht erstmal das letzte Mal Strand in Südamerika sein, weil’s den in Bolivien weniger gibt und ich noch nicht weiß, was ich in Chile mach. Später probier ich noch in einem Restaurant die zweite typisch bahianische Spezialität „Moqueca“, das ist Fisch in Kokosmilch und Gemüse gekocht, mit Reis, schwarzen Bohnen und Salat. Leider schmeckt mir der Fisch zu fischig, vielleicht hab ich einfach den falschen ausgesucht. Dann folge ich halt meiner bisherigen Devise und ess ich einfach drumrum.

Mo 18.01. (Biopepa) Wache um 5Uhr auf, weil’s regnet. Erstmal weiterschlafen und sehr lecker frühstücken mit verschiedenen Säften und allerlei Selbstgebackenem in süß und salzig. Der Regen hat aufgehört und ich beschließe das 9Uhr Boot zu nehmen. Das ist erstmal komplett, aber dann findet sich doch noch ein Plätzchen für mich. Glück gehabt, als ich um halb elf im Bus sitze, regnets schon wieder. Auf dem Boot wär das unangenehm gewesen. Hab mich für die schlimmste aller Busgesellschaften entschieden, die anderen Reisenden beschweren sich andauernd, dass der Bus so langsam sei und so viel verspätet und genauso teuer wie die anderen. Eine Frau textet mich mal wieder in Portugiesisch zu, obwohl ich sage, dass ich nichts verstehe, will sie sich einfach mal alles von der Seele reden. Ich nicke lächelnd und verständnisvoll. Ja, das Leben ist schlimm und die Busse zu langsam. Bei Regen scheinen selbst die Brasilianer auch schlechte Laune zu bekommen. Von Bom Despacho nehm ich die große Autofähre nach Salvador, die regengeschützt ist und auf der es viele Leute zu gucken gibt. Und die Kinder nicht kotzen müssen. Zurück in der Stadt ist die Sonne auch zurück und ich schlender noch ein bisschen rum und gönn mir mal wieder Cappucchino und Schokotorte. Brasilien ist übrigens echt eine Geschmacksexplosion. Die Säfte und das Eis sind genial. Acai, ein dunkle Beere, die als Saft, Mousse oder Eis angeboten wird und sehr gesund sein soll, ist nicht ganz mein Geschmack und auch für Guarana, das Wachmacher-Nationalgetränk kann ich mich nicht so erwärmen. Ist mir zu süß. Dafür sind das Grillfleisch, die Salate, das Acaraje und selbst die einfachen schwarzen Bohnen mit Reis und die Backwaren sehr gut. Im Hostal treff ich nochmal auf Simon, der wohl gestern abend von 6 Brasilianerinnen auf eine Favela-Party geschleppt wurde. Das nenn ich mal richtig authentisch 😉 Er wünscht mir nochmal viel Spaß in der Antarktis, das war sein Weltreise-Highlight. Dann an der Busbahnhof und mit dem Nachtbus nach Recife, meiner letzten Station im Brasilien-16 Tage-Schnelldurchlauf.

Blick vom Lift auf den Hafen

Blick vom Lift auf den Hafen

Bonfirm-Kirche mit Bändchen

Bonfirm-Kirche mit Bändchen

Straßenmusik

Straßenmusik

Bahianerinner

Bahianerinner

Stadtbild von der San Francisco-Kirche

Stadtbild von der San Francisco-Kirche

der Wunderspiegel

der Wunderspiegel

Stadt mit Lift links vom Schiff aus fotografiert

Stadt mit Lift links vom Schiff aus fotografiert

Boipepa schon in der Dämmerung

Boipepa schon in der Dämmerung

San Francisco-Kirche in Salvador

San Francisco-Kirche in Salvador

der berühmte Olodum Musikclub

der berühmte Olodum Musikclub

Straße im Pelourinho

Straße im Pelourinho

Kommentare

tja …da kommt man dann doch ins schwanken ….von 6 Brasilianerinnen abgeschleppt zu werden versus Antaktis ….mhmmm….was trägt hier den Namen highlight zurecht ??

Gruß
Joachim

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