19.03.2010

Vulkansee und Tsunami-Warnung

Do 11.03. (Osterinsel, Hanga Roa) Nach einem lecker Frühstück im Hostal breche ich zu einer kleinen Wanderung zum nächstgelegenen Vulkan Rona Kau auf. Ich find zwar nicht gleich den Weg, wandere hinter dem Flughafen entlang, in der Hoffnung, das nicht gerade jetzt ein Flugzeug landen oder starten will und treffe letztendlich auf 3 Jungs, die auch nicht wissen, wo’s langgeht. Die beiden Holländer und der Italiener sind zwar eher pausenfreudig, nach einer Stunde sind wir jedoch schon oben am Kraterrand. Riesenüberraschung! Darin ist ein See bedeckt mit Schilf, sehr schön. Baden darf man nicht im Süßwasser, alles ist hier geschützt. Unterwegs hatten wir 3 Inseln gesehen, die für den sogenannten Birdman-Kult, der nach den Mohai aufkam, wichtig waren. Die 3. Insel wurde jährlich in einem Wettkampf angeschwommen. Sieger war derjenige, der ein bestimmtes Vogelei am schnellsten von der 3. Insel geholt hat. Nicht so einfach, da man vorher die Klippen runterklettern oder springen musste. Die Wettkämpfer waren Vertreter von Königsanwärtern. Unklar ist jedoch, wer die Jungfrau bekommen hat, der Sportler oder vielleicht doch der König. Die Jungfrauen wurden dafür übrigens extra ein Jahr in einer Höhle versteckt, damit die Haut schön weiß wird. Toll, und danach gleich nen Sonnenbrand! Die Armen! Wir gehen weiter zur historischen Stadt Orongo, die aus der Zeit des Vogelmann-Kultes stammt. Die Häuser hier oben haben sehr kleine Eingänge, wegen des andauernden Windes und im Winter vermutlich auch wegen des Regens. Künstlerisch haben sich die Menschen mit Petroglyphen, den Steinritzungen verewigt. Als wir an den Eingang der Anlage zurückkommen, empfängt uns der Parkwächter mit der Mitteilung „Tsunamiwarnung!“, er hätte jetzt frei und schliesst alles zu. Heute morgen war ein Nachbeben der Stärke 7,5 nochmals in Concepcion und zur Sicherheit will man diesmal rechtzeitig vor einem möglichen Tsunami warnen. Dieser soll allerdings nur einen Meter hoch sein und auf der Ostseite der Insel eintreffen. Also keine Panik. Der Souvenirkäufer packt uns in sein Auto, und ich geh erstmal ins Hostal, um die Situation ab zu checken. Kein Reiten, das steht fest! Man soll sich in der Kirche einfinden. Die Einheimischen, die ja jetzt Zeit haben, gehen alle zum Tsunamiwatching. Auf dem Weg zur Kirche beschließe ich einfach mit zu gehen, da keine Gefahr besteht. Ich möchte einmal im Leben sehen, wie das Meer zurückgeht und dann eine kleine Welle kommt. So war das jedenfalls vor 10 Tagen. Ich lerne Ricardo, einen Rapa Nui kennen und wir philosophieren eine Stunde lang über das Leben und der für 15 Uhr angekündigte Tsunami will nicht kommen. Er lädt mich daraufhin zu seinem Bruder ein, ein langmähniger Künstler, der unglaubliche traditionelle Zeichnungen kreiert. Selbst Bülent Ceylan wäre angesicht dieser Mähne echt neidisch. Dann kommt noch Ricardos Mutter dazu, die gerade im Garten arbeitet. Und es wird munter zwischen spanisch und Rapa Nui-Sprache gewechselt. Osterinsel-Idylle. Abends treffe ich meine Zimmernachbarn, einen Deutschen und eine Italiener und wir gehen lecker Ceviche (rohen Fisch nach chilenischem Rezept) Thunfisch mit Kokosreis essen, dazu mit Weißwein. Wir enden in einem Club-Bar-Disco (Tanga Tägi) mit Livemusik, die Ricardo mir empfohlen hatte. Zuerst gibt’s ne kleine Tanzshow, halbnackte gutgebaute Jungs tanzen im Baströckchen (!) zu Livemusik für die tobenden Einheimischen und Touris. Danach geht’s genauso weiter, allerdings tanzen dann alle und das in normalen Klamotten. Bei solchen Hüpfschwüngen würde selbst Shakira neidisch werden.Unglaublich bei den Frauen, doch kommt selbst bei den Männer ganz gut. Wir amüsieren uns blendend und meinen Nachbarn sind besonders glücklich, als sie die chilenischen Mädels von ihrem gestrigen Ausflug wiedertreffen.

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