Do 29.04. (Adelaide) Heute trennen sich die Wege von Jenny+Silvi und Silke+mir. Silvia und Jenny haben eine Kangaroo Island-Tour gebucht und fliegen danach nach Hause. (Sie waren ja schon 3 Wochen früher in Australien) Silke und ich fliegen nach Alice Springs. Seltsame Stadt, wir schlendern durch die Einkaufsstraße, bestätigen unsere 3-Tages-Tour ins Outback. In der Fußgängerzone hängen Aborigines ab und sind entweder schon oder noch nicht betrunken. Tragische Gestalten, die von staatlichen Geldern leben, und leider ihre Identität komplett verloren haben, als man sie als Kinder aus den Familien gerissen und zu Weissen „umerziehen“ wollte. Die Fehler der Vergangenheit sind hier spürbar, erst 2008 hat sich der Premierminister Kevin Rudd offiziell bei den Aborigines für 2 Jahrhunderte angetanes Unrecht entschuldigt. Die Kultur der Aborigines ist ca. 40.000 Jahre alt, sie lebten in familienartigen Gruppen, mit mehr als 400 verschiedenen Sprachen (von denen noch 250 übrig sind) und lebten perfekt mit und in der Natur. Die Enteignung ihres Landes bedeutete Entwurzelung. In der Traumzeit-Religion ist die Erde die Seele der Urahnen, die es zu bewahren gilt. Die Natur stellen die Aborigines in Mythen, Liedern und Bildern dar, um die Regeln und Traditionen an ihre Kinder weiterzugeben. Wir bewundern die paint-dotting Bilder, Bumerangs und Dingeridoos in den Galerien von Alice Springs. Hier in Alice Springs scheint die Situation der Aborgines extrem zu sein und somit ist die Kriminalitätsrate höher als in anderen australischen Städten, dementsprechend fühlen wir uns nicht ganz so wohl als wir abends im Dunkeln zum Essen laufen. Zu allem Übel entpuppt sich unser Hostel Annies Place als Partyhostel mit entsprechend hohem Lärmpegel.
Fr 30.04. (Alice Springs) Um sieben werden wir zu unseren Outbacktour mit Rocktours abgeholt. Die Gruppe mit 21 Personen ist wild gemischt, mit ein paar Deutschen, Asiaten und anderen Europäern. Und vielen Anfang 20jährigen. Guide Jared ist gleichzeitig Koch, Entertainer, Fahrer und Guide und hat den vielfältigsten Musikgeschmack, den man haben kann. 80, 90erJahre-Mucke, JohnnyCash, Aussie-Mucke – alles bunt gemischt. Wir schreiben unsere Namen an die Scheiben, stellen uns mit wilden Stories vor, spielen Partyspiele im Bus. Bissle Kindergeburtstag, aber luschtig. Kurz gesagt, wir versuchen wirklich alles um uns die Fahrtzeit von ca. 5Stunden zum Kings Canon zu verkürzen. Dort wandern wir ca. 2 Stunden treppauf, treppab spektakulär durch den Canon, springen in den eiskalten, erfrischenden See (ich jedenfalls, Silke kneift) und fotografieren die rot-gelben Felsen von allen Seiten. Später kommen wir am Mount McConnor vorbei. Der sieht schon aus wie ein Mini-Ayers Rock. Am Aussichtspunkt knallroter Sand. Ansonsten hängen hier am Straßenrand überraschenderweise Kamele rum. Sind das etwa die modernen Känguruhs? Nö, Kamele wurden zum Bau der Eisenbahn in Australien eingeführt. Die Känguruhs sind zur Zeit eher schüchtern, weil sie wegen der vielen Regenfälle genug zu Essen im Landesinneren haben. Dann Bierkaufen (in der letzten Kneipe vor dem nirgendwo) und Feuerholz sammeln, denn Jared kocht heute auf dem Feuer kocht und bei den nächtlichen kalten Temperaturen schlafen wir, nicht nur wegen der Stimmung, um das Feuer gebettet. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir schlafen in sogenannten Swags, das sind eine Art verstärkte Schlafsäcke mit Matratze drin, in die der eigene Schlafsack reingepackt wird. Mit einer Klappe oben kann man das Kopfteil auch noch verschließen, leider erstickt man dann. Deshalb verzichte ich gerne darauf und verdränge jeglichen Gedanken an Spinnen, Skorpione oder Schlangen, die hier vorbeikommen könnten. Wir liegen im Kreis um das Feuer und können den Vollmond aufgehen sehen. Der Sternenhimmel ist unglaublich, die Milchstraße phänomenal sichtbar und ich schlafe, wie immer, wie ein Murmeltier. Als ich einmal kurz aufwache, denke ich es sei schon morgen, so hell scheint der Mond. Die sanitären Anlagen beschränken sich zwar auf ein Plumpsklo und sonst nix, doch für uns afrikaerprobte Mädels ist das eh kein Problem.
Sa 01.05. (Irgendwo) Früh morgens fahren wir Richtung Kata Tjuta, den Olgas. Das sind rote runde Felshügel, die von weitem wir riesige Backzähne aussehen. Bei näherem Hinsehen mit Löchern drin. Roter Zahnbelag. Heute ist Jareds Geburtstag, wir singen ihm ein Liedchen im Bus zum Sonnenaufgang. Dann mal wieder anhalten in der Pampa und Feuerholz sammeln. Da wir alle nicht mehr so dufte sind, fahren wir erstmal zum Duschen auf dem Campingsplatz. Dann zur nächsten Wanderung zu den Kata Tjutas. Im Tal des Windes, in dem es nicht windig, sondern kalt ist, erklärt uns Jared die Farben der Aborigines und wie sie aus Kreide/Ton in der Erde gewonnen wurde. Wir bemalen uns auf den Armen und weiter geht’s durch die rot-grüne Landschaft. Faszinierend wie die Anangu in dieser wasserarmen Umgebung überlebt haben. Nach einer kurzen Fahrtzeit sehen wir den Uluru (Ayers Rock). Ein riesiger Stein inmitten von Nichts. Immerhin ist derzeit alles grün drumrum. Es gab viel Regen im Januar. Am Aussichtspunkt treffen wir auf eine deutsche Reisegruppe und unglaublich, Carsten, ein Mitreisender von unserer Patagonienreise im letzten Jahr ist dabei. Die Welt ist so klein. Wir fahren ins Cultural Center am Rock und lernen noch mehr über die Abo-Kultur und warum man den Rock aus Respekt vor der Religion der Aborigines nicht besteigen sollte. Dafür wandern wir ein kurzes Stück um den Rock und stellen fest, dass er so viel mehr als nur ein Felsblock ist. So viele Löcher, Höhlen, Auswaschungen, die wellenartige Formen angenommen haben, Rinnen, glatte rote Wände, schwarz-grüne Rutschen, in denen bei Regen Wasser fließt. Nicht zu vergessen, Felsmalereien der Aborigines, Hände, Tiere, Farne… Bin völlig begeistert. Jared stülpt sich auf der Weiterfahrt einen Bierkarton über den Kopf. Macht er das immer so oder nur zu seinem Geburtstag? Auf jeden Fall hat er am meisten Spaß, als er mit dem „Box“tours-Bus zum nächsten Parkplatz fährt. Hier steht der Sonnenuntergang am Rock auf dem Programm. Wir essen Diner und noch ca. 20 Busse kommen dazu. Egal, der Rock gibt alles und wechselt beim Sonnenuntergang die Farbe von orange, knallrot, dunkelrot, braun, der Himmel von blau, unten rot, bis zu rot unten blau. Was für ein Spektakel! Mit etwas Bier und den richtigen Leuten sowieso. Zurück auf dem Campingplatz rauf auf den Sternenhimmel-Beobachtungshügel und Sternschnuppen zählen. Die machen sich etwas rar, aber eine reicht ja für den richtigen Wunsch. Zurück am Feuer beginnt die Partyspiele-Nacht. Jared hat eine Cornflakes-Box vorbereitet. Diese muss man mit den Zähnen ohne Hände vom Boden aufheben. Klingt ja ganz einfach. Allerdings wird die Box bei jeder Runde gekürzt bis sie nur noch ein paar Zentimeter groß ist. Zum Schluss sogar noch eingegraben. Isabel, eine Deutsche und Itto, ein Japaner sind in der Endausscheidung. Schließlich gewinnt Itto, in komplettem Spagat, mit dem Kopf in das Erdloch gebeugt. Silke und ich scheiden im Mittelfeld aus. Ich brenn mir ein bißchen von meinem Ärmel ab, weil wir dieses Spiel natürlich direkt am Feuer spielen. Aber ohne etwas Gefahr wärs ja auch langweilig. Wir übernachtung auf dem Campingplatz. Die anderen Veranstalter haben teilweise fest installierte Zelte und essen auch in großen Zelt mit Moskitonetz. Nix für uns, wir schlafen in unseren Swags und ich finds toll.
So 02.05. (Campsite Uluru) Früh um halb sechs fahren wir los zum Sonnenaufgang am Uluru (Ayers Rock) und Katja Tjuta (Olgas) in die andere Richtung. Frühstück vor Ort und gestärkt zur großen Wanderung um den Uluru. Paul möchte jetzt doch noch hochsteigen, der Gruppenzwang hält ihn dann doch ab. Der Rock zeigt sich in dramatische Felsformationen. Durchlöchert wie ein Schwamm oder Käse, eiskrem-förmig, Wasserrutsche, wie ein Walkopf, ein Kürbis, geriffelt wie ein Wasserfall aus Felsen und sehr rot. An vielen Stellen soll man nicht fotografieren, weil die Orte den Abos heilig sind. Wir halten uns dran, was manchmal sehr schade ist. Auf dem Weg sehen wir riesige Raupen, die hintereinander gehen und so wie eine haarige Schlange aussehen. Nochmal Felsmalereien und Wasserlöcher mit Kaulquappen drin. Auf der Heimfahrt halten wir auf einer Kamelfarm und dürfen im Kreis reiten. Langsam ist ja noch ok, wenn die Dinger allerdings schneller laufen, ist das höchst unangenehm am Hintern. Auf der Rückfahrt ist mal wieder Partyspiele-Time: z.B. Ring of Fire (Streichholz in den Mund und einen Ring an den Sitzhintermann weitergeben). Zurück in Alice Springs treffen wir uns später im Pub, nach dem Essen noch mehr Partyspiele. Silke und ich sind etwas angeödet. Weder das Bierdeckel-Ansaugspiel noch das Apfel-am-Hals-Weitergebspiel können uns erfreuen. Jared lädt die Gruppe zu seinem Geburtstag zu sich nach Hause ein. Wir erhoffen noch ne richtige Party und gehen mit. Leider scheinen australische Parties nicht mit Tanzen sondern wirklich mit Partyspielen abzulaufen. Wir machen noch ein bisschen mit und kehren dann aber doch in unser Partyhostel zurück.