27.05.2010

Von den blauen Bergen kommen wir…

Do 20.05. (Sydney) John, der mit grauem Zöpfchen und superschluffigen Klamotten, wie ein Alt-Hippie aussieht, ist unsere Guide und Fahrer für die Blue Mountains-Tour. Da er von der Uni und Chemie erzählt, vermuten wir, dass er ein gescheiterter Chemieprofessor ist. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir schon die Blue Mountains, allerdings wird uns erst nach einer weiteren halben Stunde klar, wo sie sind. Wir sind oben drauf auf den Sandsteinplateau und schauen vom ersten Aussichtspunkt hinunter an schroffen Kanten vorbei, ins grüne Eukalyptustal. John erklärkt, dass die Berge bläulich wirken, weil das Eukalyptusöl in der Luft Reflektionen erzeugt. Am nächsten Aussichtspunkt sehen wir den sogenannten Leier-Vogel. Eine Art Pfau, der unentwegt in der Erde scharrt. Selbst wenn er gejagt wird, hält er manchmal an und folgt gezwungenermaßen seinem Instinkt und gräbt die Erde nach Essen um. Koalas gibt’s hier leider nicht, die sind in ein geschütztes Gebiet im Tal umgezogen. Am berühmten Känguruh-Spotting-Punkt verstecken sich die Hüpfer leider. Nur eins läßt sich kurz blicken. Silke ist etwas enttäuscht, weil sie ihr erstes Känguruh nicht fotografieren kann. Es hüpft einfach in den Wald davon. Nach einem leckeren Sandwich-Stopp holen wir Jeff unseren Wanderguide ab. Dieser ist ein echter Naturmensch und Bewahrer, auch schon grauhaarig und unterhält uns mit seinen Wandergeschichten. Ein echtes australisches Original mit philosophischen Ansichten. Da die Grand Canon-Tour wegen „Renovierungsarbeiten“ gesperrt ist, gehen wir den National Pass. Das ist ein ca. 3stündiger Weg über viele Treppen und dramatisch, aber sicher entlang von Felskanten, immer den tollen Blick nach unten. Bei Wasserfällen machen wir Rast und Jeff erklärt, welche Wege bei den letzten großen Regenfällen im Januar davongespült wurden. Am Wegesrand sammelt er verschiedene Eukalyptusblätter, zerreibt sie und zeigt uns wie unterschiedlich die Arten riechen können. Später treffen wir wieder auf John, der mit 2 Amerikanerinnen die Softsafari ohne Wanderung im Van absolviert hat. In rasender Geschwindigkeit (vielleicht war John ja früher Formel 1-Pilot) fahren wir zur Scenic World bei den 3 Sisters. Das ist eine Art Disney World der Blue Mountains mit 2 Gondeln und einer Bahn und einem riesigen Souvenirshop. Keiner will was fahren, weil John uns das ausredet, Silke kauft dafür ein und dann geht’s ins YHA in Katoomba, weil wir noch einen 2. Tag hier verbringen wollen. Die 3 Schwestern sind übrigens 3 Felstürme, die durch Erosion aus einer Feldwand hervorgegangen sind. Laut Aborigines Legende hat ein „Elder“, also eine Art Priester oder weiser älterer Mann, seine Töchter zum Schutz vor einem bösen Gott in Stein verwandelt. Leider sich selbst dann auch, so dass die 3 Mädels immer noch bewegungslos für die Touris stramm stehen müssen. Mit schmerzenden Füssen wandern wir zum Pizzaessen und genießen danach mit einem „guten“ Buch unser tolles YHA mit Kaminfeuer.

Fr 21.05. (Katoomba, Blue Mountains) Der Himmel sieht bedeckt aus und der Nebel, der das Tal ausfüllt, bedeutet sehr schlechte Sicht. Komme was wolle, wir wandern heute. Jeff hat uns für heute eine Ganztagestour vorgeschlagen und mit einer etwas rudimentären Karte vom YHA gehen wir auf die Suche nach dem Einstieg. Das gestaltet sich leider etwas schwierig, doch dann erreichen wir endlich die Golden Stairs hinab zum Wanderweg. Inzwischen zeigt sich ab und zu sogar schon die Sonne. Unten an der Gabelung entscheiden wir uns jedoch gegen den langen Weg zum Ruined Castle, weil das Schild uns auf eine Gehzeit von 3h (ohne Rückweg) hinweist. Somit wandern wir zur Talstation der Scenic Railway, an der ersten Kohlemine in der Gegend vorbei, an ungefähr 100 Japanern vorbei, dann weiter zu den 3 Sisters (oder auch 3 Sistern, wie Silke sagt), hinauf über die Giants Stairway (die nur für Strong walkers empfohlen werden) zum Echo Lookout, und werden oben angelangt mit der besten Aussicht auf die 3 Schwestern und die Umgebung bei strahlendem Sonnenschein belohnt. Warum hat uns John diese vorenthalten? Die Wanderzeiten waren übrigens alle etwas übertrieben, doch woher will man das hier wissen. Plötzlich zieht der Himmel zu, Regen kommt auf, wir schnappen schnell unsere Siebensachen im Hostal und rennen zum Zug zurück nach Sydney. Nach ca.2 h sind wir zurück in der Stadt. Wir gehen zum chinesischen Geheimtipp von Jared, dem Marigold, essen, doch leider entpuppt sich dieses Restaurant als kommunistischer Speisesaal mit Massenabfertigung und sehr hohem Lärmpegel. Wir haken das als komisch chinesisches Erlebnis ab und gehen schnell in ein Pub mit Club, dem 3 Wise Guys. An Silkes letztem Abend in Australien müssen wir einfach ein bisschen abtanzen. Überraschung des Abends: Wirklich jede trägt hier ein ultrakurzes Röckchen. Mensch, sind wir mal wieder underdresst.

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