25.06.2010

1.200 Höhenmeter zu den Pinnacles

Di 15.06. (Kuching) Heute morgen Abschied von Henry und dann fliege ich nach Mulu in den Nationalpark. Dort gibt’s erstmal kein Bett für mich, ich stehe auf der Warteliste fürs Dormitory. Um 14Uhr besichtige ich die Deer Cave und Lang Cave. Die Deer Cave ist die zweitgrößte Höhle der Welt. Wir wandern auf einem Holzsteg durch den Regenwald und dann regnet es wie so oft im Regenwald. Die Trockenzeit hält auch nicht mehr das, was sie verspricht. Leider ist die Höhle gut besucht und das richtige Höhlenfeeling mit Taschenlampe kommt nicht auf. Dann machen wir es uns an einer kleinen Hütte bereit und warten auf die Fledermäuse, die zwischen 16-18Uhr aus der Höhle zum Essen fliegen. 3Mio sollen in der Deer Höhle leben. Spannung – kommen sie oder nicht, denn bei Regen fliegen sie oft nicht raus, weil ihr Orientierungssinn durch die Tropfen gestört wird. Dann kommen sie, die Fotoapparate klicken, riesige Schlangen von Hunderten von Fledermäusen bilden sich am Himmel, ein Falke wartet am Höhleneingang auf seine Beute. Wir sehen über die Livecam am Höhleneingang, wann die nächste Schlange losfliegt. Das Spektakel ist einzigartig, allerdings etwas verspätet. Die kleinen Batmans haben lange überlegt, ob sie bei diesem Sauwetter noch rauswollen. Ich reiß mich um sechs endlich los, um doch noch ein Bettchen zu bekommen. Der Securitymann steht mit meinen Bettlaken bereit und alles klappt wie gewünscht. I’m lucky! Treffe 2 nette junge Amerikaner im Dorm und geh mit ihnen essen. Lecker einheimischer Farn, frittierter Fisch und Reis. Treffe Frieder, einen Deutschen, der morgen auch auf die Pinnacles Tour geht. Dann kaufe ich noch Essen für die Tour ein und ab ins Bett.

Mi 16.06. (Mulu Nationalpark) Erstmal die Tour bezahlen, im NP-Büro herrscht Chaos, dass sich nach einer halben Stunde auflöst als alle endlich bezahlt haben und versorgt sind. Finds lustig, während sich einige Engländer und Deutsche über die mangelnde Organisation aufregen. Darüber bin ich wohl schon raus, durch einige interessante Erlebnisse in Südamerika. Dann um halb neun ins Boot, zur Clearwater Cave (größtes Wasserkanal-System der Welt) und zur Wind Cave, in der eine frische Brise gehen soll. Dann weiter im Boot, Niedrigwasser, wir müssen einmal sogar schieben, gut, dass ich die tollen Gummischuhe von Edward noch habe. Dann gehen wir 2,5h durch den Regenwald, überqueren 2 schöne Hängebrücken. Wir sind schneller als angesagt, allerdings regnets mal wieder, was mich auch mal gerne antreibt und der Weg ist fast durchgehend flach. Als wir im Camp5 ankommen, quetschen wir die anderen, die schon oben waren, aus. Hart, einer hat sich sogar die Hand verstaucht. Auch schön. Dann koch ich mir meine lecker Instantnudeln und ich bekomm ein bisschen Sojahähnchen von Charlotte gespendet, sie haben zuviel gekauft. Dann ab ins überdachte, aber sonst offene Matratzenlager.

Do 17.06. (Camp5, Mulu) Um 6.30Uhr wandern wir los, in 2 5er Gruppen. Ich ess noch schnell meine original asiatische Nudelsuppe, die mir Kraft geben soll. Und schlürfe den berühmten 3in1 Nescafe. Und dann 2,4 km Strecke und 1,2km hoch und das bei hoher Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad. Warum mach ich das eigentlich? Wir erreichen die Mini-Pinnacles in guter Zeit von 40 Min. Ich schwitze so sehr, dass meine Trekkingbluse tropft. Die Hose ist durch und durch klatschnaß. Frieder lacht sich schlapp. Weiter geht’s bis zur Hälfte, dort eine Wasserflasche für den Rückweg deponieren. Dann bis zu den Leitern. Pause mit Blick übers grüne Urwaldtal, die Wolken sind unter uns. Das hat sich schon mal gelohnt. Wir sollten spätestens um 11Uhr da sein, es ist erst neun, kann nicht fassen, dass wir so gut in der Zeit liegen. Dann kommt der steilste Part. Über 15 Leitern und spannende Kletterpassagen bis zum Aussichtspunkt. Geschafft, endlich oben! Die scharfkantigen Pinnacles sind sensationell. Die grauen Spitzen ragen aus den grünen Pflanzen. Kann nicht aufhören zu fotografieren, muss aber, denn wir haben nur eine halbe Stunde Pause und müssen essen und trinken, um für den Rückweg gestärkt zu sein. Das steile Stück abwärts find ich sehr anstrengend, weil man sich sehr konzentrieren muss. Die Leitern sind ok, doch die messerschaften Felsen unter den Kletterpassagen ermutigen mich nicht gerade zu schnellem Gehen. Dann geht’s wieder auf den Pfad und immer noch steil bergab. Leider hat in zwischen Regen eingesetzt, alles ist rutschig. Erst ist der Weg felsig, dann mit Wurzeln übersät. Viel klettern am Seil, meine Kräfte schwinden so langsam. Und dann fall ich, gottseidank nur auf den Hintern. Das gibt einen schönen großen blauen Fleck. 2 Engländer gehen noch vorsichtiger, fallen allerdings mehrmals, und das Mädel schneidet sich die Hand am scharfen Felsen auf, als sie sich abstützen will. Der Rest der Gruppe ist locker und geht voraus. Ich will nur noch runter und überhole. Überraschenderweise sind meine Knie ok. Die letzten 10 min werd ich müde, hab keine Lust mehr. Nur noch einmal klettern und endlich sind wir (der Guide und ich ) zurück im Camp. Die Engländer und ihr Guide kämpfen noch. Ich stürze mich in den Fluss zur ersten Abkühlung. Geschafft, bin ich froh!!! Insgesamt hab ich weniger als 3 Stunden hoch und 3 Stunden runter gebraucht, womit ich absolut zufrieden bin. Nur noch essen, relaxen, und ein Belohnungsbier, ab auf die Matratze.

Fr 18.06. (Camp5) Um sieben wandern wir zurück zum Fluss. Hier holt uns das Boot zurück zum Park Headquarter ab. Diesmal müssen wir nicht mal schieben. Ich bekomm ein Bett im Dorm, dusche und wir treffen uns zum Essen in der Cafeteria. Lecker Beef Randeng mit Reis. Hab für nachmittags einen Canopywalk gebucht, wir gehen eine Holztreppe zu den Brücken hoch und der Guide zeigt uns auf 30m Höhe verschiedene Bäume und leider nur eine Eidechse. Affen lassen sich nicht blicken, denen ist es um die Zeit vermutlich zu heiß. Ich verspüre schon ersten Muskelkater in den Oberschenkeln und ahne schlimmes. Nach dem Abendessen, gehen wir ins Dörfchen in eine Bar, um die Deutschen Fußball spielen zu sehen. Die Nationpark-Guides sind schon da, wir paar Deutsche, die Briten kommen noch dazu. „Unsere“ spielen oder besser gesagt treffen schlecht. Dann gucken wir noch USA gegen Slovenien, die Malayen sind überraschenderweise echte Fußballfans und rufen bei jeder Torchance „Goal“, obwohl noch gar nix passiert. Lustig und es gibt sogar diesmal Bier. Um kurz vor zwölf mach ich mich durch die Stockfinsternis auf den Heimweg. Bin zu müde um weiter zu gucken. Die Engländer ziehen sich noch das Spiel um 2.30Uhr rein. Das sind wahre Fans.

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