Sa 17.07. (Jakarta) Heute früh fahr ich mit dem Zug nach Bogor. Interessante Fahrt, eine Art uralte S-Bahn mit offenen Fenstern und Türen wackelt ca. 1,5 Stunden nach Süden in die Stadt Bogor. Teilweise sitzen die Männer auf dem Boden an den offenen Türen, Verkäufer von allem erdenklichen sind im Zug unterwegs, sowie Bettler und Musikanten. Um neun morgens bin ich schon da, muss durch einen Zug steigen, um aus dem Bahnhof zu kommen, und bin zufälligerweise sofort auf der richtigen Seite des Bahnhofs und stehe vor meinem Hostel. Sehr nett hier. Ich bestelle mir ein Frühstück mit Ananas-Pancakes, Milchkaffee und Ananassaft. Selfi, die Besitzerin, wirbt mich für die Kampungtour an. Mit einer holländischen Familie, deren Oma die ersten 10 Lebensjahre in Bandung verbracht hat, geht’s ins fast ländliche Stadtviertel nebenan. Sie ist von allem und jedem begeistert, obwohl sie vor 50 Jahren zuletzt in Indonesien war. Sehr luschtig! Wir überqueren den total verschmutzten Fluss und sind in einer eigenen Welt. Wie in einem Dorf leben hier die Menschen, manche noch ohne Toilette. Alle sorgen für einander, so gut es eben geht. Eine alte Frau lebt in einem Bretterverschlag unter einem Haus. Sie hat kein Einkommen, da sie aber die Kinder hütet und einfach dazugehört, bekommt sie Essen von den Nachbarn und kann in Würde überleben. Die Kinder hier können nur 2 Wörter englisch, nämlich „Good morning, Mister“. Dieses Wörter wird für alle und alles angewendet, Mister geht auch für Frauen und Good morning den ganzen Tag lang. Sehr luschtig! Mit einem Bötchen oder einer Art Riesenblechschüssel am Zugseil überqueren wir den Fluss und landen im Reichenviertel. Hier geht um zehn die Schranke runter und keiner darf mehr rein. Die Häuser sind sehr schön und groß, teilweise mit Gärten und eigenem Kräuter- und Chilianbau. Die Dienstmädchen kommen vom Kampung und arbeiten hier. Dann gelangen wir zur Tofufabrik. 3 Arbeiter zeigen uns wie Tofu hergestellt wird. Die Sojabohnen werden gewaschen, dann auf dem Feuer zu einer weißen Masse gekocht, die Flüssigkeit durch ein Tuch abgesiebt. Alles mit einer Art Holzschablone geschnitten und kurz in Curcuma, das alles gelblich färbt, aufgekocht. Dann weiter im öffentlichen Minibus, auch Bemo oder Angkunkat genannt, zur Gongfabrik. Die Schalen werden glühend heiß von 3 Männern in die richtige Form gehämmert. Alles Handarbeit und das 2-3 Tage lang bis der Gong in Form und Klang ist. Dann weiter zu einem kleinen Imbiss, hier essen wir in einem Fruchtsalat mit allen Früchte, die Indonesien so zu bieten hat. Darunter auch eine Art Kiwi und mehr. Den Nachmittag verbringe ich im Botanischen Garten, der mehr ein Park ist und genieße die kurze Pause vom Straßenverkehr. Auf dem Rückweg esse ich in einem indonesichen Spezialitäten-Restaurant mit Blick auf den Fluss und Gesang aus der nächsten Moschee. Gebetet und gesungen wird hier sehr viel, sogar nachts um halb fünf.
So 18.07. (Bogor) Nach einem sehr guten Frühstück in der Abu Pensione mach ich mich nochmal zum Botanischen Garten auf. Diesmal mehr los und ich werd wieder zum unfreiwilligen Fotomodell. Als ich um den durch einen Zaun abgetrennten Präsidentenpalast gehe, sehe ich hunderte von Rehen und Hirschen. Sehr seltsam, dass die hier bei all dem Straßenlärm gemütlich auf der Wiese rumlümmeln. Habe einen privaten Minibus-Transport gebucht, hier Travel genannt, der mich mich mit einstündiger Verspätung um zwei abholt. Dann in Richtung Puncak-Pass fährt, dort vermeintlich feststellt, dass der Pass (wie jeden Sonntag) bis fünf für öffentlichen Transport gesperrt ist. Das hätte selbst ich ihm sagen können. Für 5.000 Rupien (umgerechnet 0,5€) mehr fährt er dann über den Highway nach Bandung. Wir kommen viel später als geplant an und das Hostel ist mal wieder ausgebucht. Diesmal find ich aber sofort um die Ecke ein billiges Hotel. Gehe in einem japanischen Restaurant Rindfleisch in Pfeffersauce essen. Köstlich. Schon geht’s mir wieder gut und die künstlich verlängerten Fahrt ist vergessen.