25.07.2010

Holländisch im Vulkankrater

Mo 19.07. (Bandung) Ich buche zuerst in meinem ursprünglich geplanten Hostel ein Zimmer für die Nacht. Und gehe dann ins Zentrum, um mir die tropischen Art Deco Häuser anzuschauen. Etwas enttäuschend. Finde nur das Hotel Savoy-Hofmann, das Gedung Merdeka (das Asien-Afrika-Konferenz-Gebäude) und ein weiteres Hotel sehenswert. Der Rest ist einfach nur kaputt und leerstehend oder mit einer neuen Fassade versehen. Neben Napier in Neuseeland und Miami ist das wohl die einzige tropical Art-Deco Stadt. Erschreckend wie wenig davon übrig ist. Dann ins Tourioffice eine Vulkantour für morgen buchen. Weiter geht’s zum Kaffeetrinken in einen Foodcourt in der Jalan Braga, der vermeintlichen Jugendstilstraße. Schön hier, allerdings sehr viel Polizeiaufgebot wie vor jedem öffentlichen Gebäude hier, obwohl hier nix los ist. Vielleicht als Sicherheitsmaßnahme? Nachmittags setzt Regen ein und ich verbring daraufhin die Zeit mit Internet, nochmal Kaffeetrinken und lande als einziger Gast im Classic Rock Café. Dort esse ich einen Stapel aus Käse, Kartoffelbrei, einem Taco und Hackfleisch. Ist gut, aber wenig. In einer Regenpause renn ich zurück ins Hostel. Dort ist Sozialkompetenz und englische Textsicherheit gefragt. Einer der Jungs spielt Gitarre und alle singen dazu. Als ich reinkomme, ist gerade Hotel California auf dem Programm, wie schön. Doch ich schwing mich nur noch unter die Dusche und ins Bett.

Di 20.07. (Bandung) Um neun startet die Tour mit 2 Holländerinnen zum Vulkankrater Tangkuban Prahu. Nur sehr wenige wandern zum Domas Krater, einem sogenannten Parasitenkrater, der seitlich aus dem Vulkan kommt. Man kann hier mitten im nach Schwefel stinkenden Krater stehen und die dampfenden und blubbernden heißen Mini-Schlammkrater fotografieren. Unser Fahrer spricht leider kein Wort englisch. Er versteht nur Stop und Foto. Immerhin. Wir fahren durch Teeplantagen. Leider ohne Foto, weil er uns hier leider nicht verstehen will. Bei den Ciater Hot Springs dürften wir ins heißes Wasser springen, leider kosten die Pools extra und das Wasser beim gratis Bade-Wasserfall ist an den Füßen schon so heiß, das wir dankend verzichten. Die beiden Holländerinnen lachen sich schlapp, weil viele Indonesier mit mir holländisch reden und irritiert sind, weil ich einfach kein holländisch verstehe. Zu Mittag esse ich hier ein sehr gutes Gado-Gado. Das ist ein gekochter Gemüsesalat mit Eiern an Erdnußsauce. Sehr sehr gut. Gesättigt und zufrieden lassen wir uns zurückfahren. Vermutlich hätten wir den Fahrer noch um ein paar Fotopausen bitten können, allerdings schlafe ich einfach ein und die Mädels sagen nix. Zurück in Bandung wache ich in der Jeans Straße auf, in der die überdimensionalen Figuren wie Spiderman, Rambo oder Tarzan als Werbefiguren aus den Dächern der Jeansläden springen. Die Partnerstadt von Bandung ist übrigens Braunschweig. Was mag das über Bandung oder auch Braunschweig aussagen? Bandung ist jedenfalls voll. Sooo viele Menschen leben in den großen Städten Indonesiens. Insgesamt ist Indonesien mit 240 Mio Einwohnern der viertgrößte Staat der Welt. Das sind wirklich viele, find ich! Wie viele Menschen leben eigentlich in Braunschweig? Heute abend esse ich in einem Foodcourt ein sehr wohlschmeckendes Hühnchen paniert mit einer leicht scharfen Kruste. Laut Schild nach portugiesischem Rezept. Interessant ist die Zubereitung: Das Huhn wird in Alufolie auf einer heißen Platte geschmort bis es herrlich weich ist fast schon zerfällt. Dazu schlichter Reis, was sonst. Heute abend gibt’s keinen Liederabend im Hostal. Nur eine kurze Unterhaltung auf Deutsch, weil einer der Jungs vom Hostel ganz gut Deutsch kann. Auch nett!

Mi 21.07. (Bandung) Da ich erst um eins zum Transport abgeholt werde, gehe ich die In-Läden Bandungs erforschen. Da Bandung eine Studentenstadt ist und wohl sehr cool sein soll, gibt es hier Underground-Designerläden, sogenannte Distros. Ne kein Bistro mit Disco, sondern abgeleitet von indonesichen Wort Distribusi, das so viel wie Vertrieb heißt. Junge Designer, die nicht in der Massenproduktion arbeiten wollen, vertreiben hier vor allem T-Shirts mit Motiven, echte Einzelstücke. Da ich sowieso mal was neues brauch, kauf ich mir ein T-Shirt und eine Art T-Shirtkleid. Im „Travel“ später sind wie sonst auch nur Indonesier unterwegs. Im Minibus nach Pandangaran ist eine Indonesierin dabei, die 3 Monate in Deutschland in Kempten gelebt hat und die sich gerne mit mir auf Deutsch unterhält. Dann noch eine ältere Indonesierin, die kaum englisch kann, allerdings trotzdem sehr offen ist und gerne in ihrer Sprache an der Unterhaltung teil hat. Lustig! Nicht überraschend ist das Hostel meiner Wahl mal wieder ausgebucht und ich geh nach nebenan ins Bamboo House. Pandangaran liegt am Meer und wurde vor 4 Jahren Opfer eines Tsunamis. Man sieht noch die Überreste der ehemaligen Hotels. Jetzt ist alles etwas weiter ins Landesinnere gerückt und wieder neu aufgebaut. Als ich Abends ankomme ist nix mehr los. Unter der Woche scheint hier eh tote Hose zu sein. Ich esse ein Gado-Gado und wandere durch die leere Strandstraße. Außer ein paar aufdringlichen Indonesiern und ein paar Radfahrenden Jugendlichen, die sofort ein Foto mit mir wollen, ist hier nix los. Schade eigentlich. Gut, dann geh ich halt um zehn ins Bett.

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