17.02.2010

Santiago by bike

Mo 15.02. (Santiago) Morgens ein kleine Stadttour. Sehr schön die vielen Parks und Plätze. Auf dem Plaza de Armas wird im Schatten Schach gespielt und die Geschichtenerzähler reissen ihr Publikum mit. Eine Besonderheit Chiles sind die Cafes con piernas (mit Beinen). Das sind von außen verdunkelte Cafes, die gerne von Rechtsanwälten und Geschäftsleuten (in der Mittagspause) besucht werden. Das besondere, die Bedienungen servieren nackt! Santa Lucia ist ein kleiner Hügel mitten in der Stadt, mit vielen kleinen Treppchen. Früher strategisch wichtig, heute einfach ein schöner Ausblick über die Stadt. Nachmittags haben wir eine Radtour „Parks&Politics“ gebucht. Glenn, unser Schnuggel-Guide, bringt 2 seiner Kumpels mit, die ihn gerade aus seiner Heimatstadt Antofagasta besuchen. Er erzählt interessant und viel über die Geschichte Chiles, Pinochet, Manuel Rodriguez, der Freiheitskämpfer und Frauenheld, zeigt uns ein Haus, in dem zu Pinochets Zeiten gefoltert wurde, die wichtigen Dating-Treffpunkte in Santiago, den Präsidentenpalast, in dem Salvador Allende getötet wurde, also von allem etwas und dazu noch ein Eis für umme. Ich kann nicht verstehen, warum Pinochet später, als er sich nach der Rückkehr aus England in den 80er wieder zur Wahl gestellt hatte, nochmal 44% der Stimmen bekommen hatte. Während seiner Diktatur sind so viele Menschen getötet, verschwunden und gefoltert worden. Zur Zeit ist noch Michelle Bachelet die Präsidentin Chiles. Laut Gesetz muss sie nach einer Legislaturperiode abgelöst werden, so dass ab März der frisch gewählte Sebastian Perina übernimmt. Die Zeit verfliegt und schon müssen Cheryl und ich uns verabschieden, weil sie zum Meeting für ihre nächste Tour muss. Sie fährt mit einem Overlandtruck weiter nach Patagonien. Versuche Carol und Cheryl abends noch im Patio Bellavista zum Essen zu finden, leider vergeblich. ;-(

Di 16.02. (Santiago) Da ich die Radtour gestern echt gut fand, will ich nochmal. Um halb zehn ginge die „Locals life“-Tour los. Leider gibt’s eine Programmänderung und diesmal morgens die Park&Politics. Nochmal muss nicht sein. Ich miete ein Rad für den Tag und folge so ungefähr der geplanten Tour. Zuerst fahr ich mit dem Schrägaufzug auf den Berg mit der Jungfrau Maria-Statue. (Nachdem ich mit dem Citybike am Hang aufgeben musste) Da ich für Santiago-Verhältnisse früh dran bin, ist noch nix los hier oben. Ich genieße die Ruhe und den Blick. Leider liegt die Stadt bereits unter ihrer Smog-Wolke. Danach ins Pablo Neruda-Haus/ Museum. Er hat hier mit seiner 3. Frau Matilda gelebt. Neruda war ein Sammler von Dingen aus aller Welt. Er nannte sich ein „Dinger“. Alles sehr geschmackvoll, gemütlich und im Stil der 60er und 70er eingerichtet. Das Haus selbst ist wie ein Schiff und ein Leuchtturm konstruiert. Neruda hat wohl das Meer geliebt und doch gefürchtet. Ansonsten sind die meisten Dekorelemente seinen geliebten Matilda gewidmet: Sonnenblumen aus Metall an den Fenstern, die Buchstaben P und M am Kamin, ein Bild von ihr gemalt von Diego Ribera und letztendlich der Name des Hauses, der aus der Quechua-Sprache übersetzt, Frau mit wilden, wirren Haar (gemeint die rothaarige Matilda) heißt. Den Nobelpreis hat er am 21. 10. 71 erhalten, dem Jahr in dem Willy Brandt den Friedensnobelpreis bekommen hat. Er starb 14 Tage nach der Machtübernahme Pinochets im September 1973 an einem Herzinfarkt. Seine Bücher und viel Porzellan ist zur Zeit der Diktatur zerstört worden. Am Eingang ist ein Liebesgedicht an Matilda verewigt. Ich nehm mir vor mal etwas von ihm zu lesen….oder zumindest mal den Film „Postman“ zu sehen, der von seiner Zeit auf Capri und seiner Freundschaft mit dem Briefträger handelt. Die zweite berühmte Dichterin und Nobelpreisträgerin aus Chile ist Gabriela Mistral, die international kaum bekannt ist. Sie kommt aus dem Elqui Valley bei La Serena, das ich ja krankheitsbedingt total verpasst habe.

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