19.03.2010

Kein Friseur auf der Osterinsel

Mi 10.03. (Santiago) Der Transfer geht früh um 7.20Uhr, die Abwicklung in den Zelten geht geordnet ab. Ich frage mich, ob die Flugzeuge technisch wie üblich gewartet werden…. Ein bisschen Verspätung und etwas Chaos beim Boarding ist erlaubt. Weil die Gates nun aus 3 mit Absperrgittern gesicherten Wegen bestehen. Die Flüge werden auf großen abwischbaren Whiteboards angekündigt. Bildschirme gibt’s ja nicht. Die Versorgung mit Kaffee und Essen erfolgt über Imbißbuden, die Toiletten sind Dixi-Klos und die städtischen Flughafen-Zentrum-Busse müssen beim Verkehr auf dem Flugfeld aushelfen. Dennoch klappt alles überraschend gut, vermutlich weil überall Leute rumschwirren und andauernd fragen, ob sie Dir helfen können. Der Flug zu der Osterinsel dauert ca. 5 Stunden, 2 Stunden Zeitverschiebung. Als wir ankommen, ist alles sehr südseeisch, manche werden mit Blumenketten begrüßt. Als ich ein Taxi nehmen will, wird mir klargemacht, das das Hostal Kona Tau seine Gäste abholt. Ich finde meine Abholerin, die leider keine Blumenkette mehr für mich übrig hat. Verzeihlicher Fehler. Komme in einem 4er-Mädels-Dorm unter und lern gleich mal wieder einen Amerikanerin und eine 20jährige Deutsche, die gerade in Santiago in einem Kinderheim arbeitet, kennen. Sie sind seit gestern da und geben mir ein paar Tipps. Ich lauf in das Städtchen Hanga Roa und bin begeistert. Im Hafen sind die ersten Mohais zu sehen, das sind die großen Steinfiguren, für welche die Osterinsel berühmt ist. Die Insel selbst ist nur ca. 24km lang und noch weniger breit. Das Meer ist recht rau hier und die Landschaft hügelig mit 100 Vulkanen, wobei der höchste ca. 500m hoch ist. Bäume gibt’s eher selten, viel Wind und heute sogar kurz, d.h. 5 Minuten Regen. Ich komm aus dem Fotografieren nicht mehr raus. So schön ist es hier. Gleich neben dem Hafen wird fleißig gesurft und der Rapa Nui an sich reitet auch mal gerne zum Supermarkt, anstatt das Auto oder Motorrad zu nehmen. Auf der Insel leben ca. 2500 Rapa Nui, das sind die Einheimischen. Übrigens tragen hier alle sehr lange Haare, Männer wie Frauen. Selbst die Steinfiguren haben sogenannte Topknots, also Haarknoten aufem Kopf. Der Rapa Nui Mann an sich trägt diese Duttfrisur auch heute noch mit Würde und da die Herren ihren Körper mit Surfen, Reiten, Tauchen, Schwimmen, Fußballspielen und Tanzen komplett durchtrainieren, können sie eigentlich alles tragen, theoretisch und sogar praktisch auch noch Baströcke. Meine spontane These, dass es auf der Insel einfach keinen Friseur gibt und die Männer deshalb seit Jahren Dutts, Pferdeschwänze oder auch offenes langes Haar tragen müssen, konnte ich nach 4 Tage allerdings selbst wiederlegen, da ich letztendlich 2 Friseure entdeckt habe. Vielleicht werden diese jedoch aus unbekannten Gründen boykottiert. Thor Heyerdahl wollte übrigens mal beweisen, dass die Rapa Nui ursprünglich aus Südamerika gekommen seien und hat dafür seine berühmte Kontikki-Tour von Peru in einem Schilf-Floss gemacht. Inzwischen weiß man allerdings, dass die Rapa Nui aus dem Westen, Asien bzw. Polynesien gekommen sind. Bewiesen mit moderner DNA-Analyse und Sprachforschung. Thor, der alte Tor, wollte allerdings bis zu seinem Tod nicht glauben, das er unrecht hatte. Viele Rätsel der Mohai und der Anu, zugehörigen Steinaltare sind allerdings immer noch unbewiesen. Zum Beispiel, wie die bis zu 20m großen, tonnenschweren Steinfiguren vom Steinbruch bis zu ihrem Aussichtpunkt am Meer bewegt werden konnten oder warum sie fast alle ins Landesinnere gucken. Zu allem gibt es zumindest Theorien, auf die ich später zurückkommen werde. Ich buche an diesem Nachmittag nämlich eine Full day Mohai-Tour für Freitag, bei der ein Guide die wichtigsten Thesen erklärt und die wesentlichen Figuren und Stätten auf der Insel zeigt. Da es mal wieder Zeit zum Reiten wird, fast alle 4 Wochen sitze ich ja auf dem Pferd, buche ich für morgen nachmittag. Man will ja nicht aus der Übung kommen. Dann besuche ich noch die Figuren nördlich von Hanga Roa (Tahai) und finde mich pünktlich zum Sonnenuntergang um halb neun bei den 5 aufgereihten Steinfiguren ein. Ich bin nicht die einzige, die dieses Schauspiel beobachtet, aber vermutlich die mit den meisten Fotos. 😉 Danach geh ich geschockt von den Essenspreisen, ein günstiges ein Tagesmenu nämlich Boeff Stroganoff essen, was vermutlich nicht gerade einheimische Küche ist, aber sehr lecker schmeckt. Die Insel hier ist so relaxt, die Leute so nett und die Landschaft so schön, dass ich kaum glauben kann, nach dem vorherigem Antarktis-Trip schon wieder so ein Highlight erleben zu dürfen. Vermutlich schlaf heute ich mit einem peinlichen Glücksgrinsen im Gesicht ein. Werd die Mädels morgen mal dazu befragen.

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