19.03.2010

Ein Stein zum Durchdrehen und der britische Botschafter

Sa 13.03. (Hanga Roa) Heute kann ichs ja gemütlich angehen. Doch der Flug will rückbestätigt sein. Um die Mittagszeit beschließe ich mir doch noch einen Scooter für 8h zu leihen und den Nabel der Welt und die restlichen schönen Ecken der Insel zu sehen. Man will meinen Motorradführerschein sehen. Hab ja keine Ahnung mehr vom Mofafahren und muss mir Dummie nochmal alles erklären lassen. Peinlich, ist aber Automatik und dann doch ganz einfach. Mein kleiner roter Flitzer pflügt somit nochmal zum Steinbruch, zu ein paar anderen vergessenen Ecken und schließlich zum Nabel der Welt. Das ist ein sehr glatter ovaler Stein umgeben von anderen Steinen, der sehr magnetisch ist. Ein Kompass in seiner Nähe dreht komplett durch. Plötzlich von New Age-Gedanken beseelt, fass ich den Stein kurz mal an. Sehr heiß und vermutlich bin ich jetzt auch magnetisch geladen. Merk nix, bin wohl für so was nicht empfänglich. Nach einem kleinen Strand und Badestopp, das locker ein Stündchen dauert, wasche ich mir den Magnetismus gründlich ab. Dann weiter zum Vulkan auf der anderen Seite der Insel, der für die Produktion der „Hüte“, also die roten Topknots, der Steinfiguren genutzt wurde. Dann zu den 7 Figuren, die ausnahmsweise aufs Meer rausschauen und wohl wie ich später erfahre, eine Fälschung sind. Wenn ich auswählen könnte, als was ich hier auf der Osterinsel leben wollte, würde ich mich für die Gattung Pferd entscheiden. Pferde dürfen hier alles. Aufem Friedhof rumstehen, auf den archäologischen Stätten rumrennen und sich dran schaben oder was auch immer sie wollen. Die ganze Insel mit mehr Pferden als Einwohner bevölkert, diese bewegen sich frei und wild durch die Gegend. Als ich bei meinen kurzen Strandaufenthalt zum Mittagsbrötchen unter der Palme sitze, rennen wie im Film erstmal ein durchtrainierte Rapa mit 2 Hunden vorbei, dann Schnitt, kurzer Blick auf die Steinfiguren, nochmal Schnitt, 2 Stuten mit ihren beiden Fohlen galoppieren vom weißen Sandstrand rüber zum Palmenwald durchs Bild. Ich halte das Drehbuch meiner Weltreise manchmal echt etwas übertrieben. Doch die Ernüchterung folgt. Nachdem mein rotes Scooterlein bisher sehr gut gehorcht hat und ruhig und gleichmäßig vor sich hin geschnurrt ist, kommt jetzt das böse Ende. Das letzte Stück der Strecke ist mit schwarzem Vulkansand bedenkt und geht teilweise steil bergab. Leider beschließt das Mopedlein beim bergab fahren auf stur zu schalten und sich abzuschalten. Plöd, dass die Bremsen dann auch nicht so ganz mitmachen. Ich rutsch also fast im Stehen noch weg und lande mal wieder auf meinem Lieblingsknie. Der schwarze Sand läßt das Knie blutig und schwarz aussehen. Bäh. Das Moped hat nix abgekriegt. Ich hab keine Lust mehr. Nach Hause, ist eh schon Abgabezeit. Da die Stammtruppe größtenteils heute abgereist ist, gehe ich allein in ein neues günstiges Tagesmenu-Essen, das vermutlich nicht so toll war, hab nämlich vergessen, was es war. Dann nochmal in die Bar meines Herzens. Lustig ist, dass ich von 2 einheimischen Mädels wiedererkannt und begrüßt werde. Lerne eine Australierin, eine Irin und eine New Yorkerin kennen, die mir gleich gesteht in einen der Tänzer verliebt zu sein. Aha. Dann wird getanzt, mit Rodriguez dem Tahitianer, dem britischen Konsul, der aussieht wie Mathew McConnerhey mit superbreiten Schultern, aber aufgrund seines bisher 5 jährigen Aufenthalts hier schon wie die Locals tanzen kann. Bin beeindruckt. Muss aber dann doch viel zu früh gehen, weil ich für morgen früh doch nochmal Reiten gebucht habe.

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