Fr 19.03. (Flugzeug nach Auckland) Um ca. 12 Uhr mittags kommen wir an. Nochmal 2 Stunden Zeitverschiebung, diesmal nur für die innere Uhr. In Wirklichkeit sind es jetzt 26 Stunden später. Komisch. Der Flughafenbus bringt mich bis vor meine Unterkunft und ich lande im größten Hostel überhaupt, ca. 500 Betten. Hier ist alles geboten, von der Jobvermittlung, Reisebüro, Waschmaschinen, Riesenküche und 20 Computer. Obwohl ich müde bin, geh ich erstmal durch die Stadt und an den Yachthafen. Die City of Sails zeigt sich in ihrem besten Licht, gerade findet die Luis Vitton Trophy statt und am Public Viewing im Hafen verfolge ich ein spannendes Rennen der Sportsegler zwischen Italien und Neuseeland. Ich weiß nicht, wie es ausgegangen ist, jedenfalls lag Neuseeland vorne, als ich dann doch aufgebrochen bin. Auf den ersten Blick wirkt Auckland wie eine moderne Großstadt voller Hochhäuser, doch sobald man in eine der Seitenstraßen abbiegt, ist sie sehr pittoresk und englisch mit den kolonialen kleinen Häuschen. Das Wahrzeichen ist der Sky Tower, der gleich hinter meinem Hochhaus-Hostal in den Himmel sticht. Ansonsten gibts viel Grünfläche und historische Gebäude, wie das Zollgebäude im Hafen, das Ferry Building und natürlich Parnell, ein besonders englischer Stadtteil. Als ich durch die Queen Street, die Hauptstraße zum Hafen gehe, fällt mir auf, dass es den typischen Kiwi (so nennen sich die Neuseeländer) wohl nicht gibt. Hier wimmelt es von Asiaten. Ansonsten seh ich viele Inder, Pakehas (Weiße, Nicht-Maoris) und Maoris, die komplett integriert sind oder noch nie nicht integriert waren. Alle Stilrichtungen sind vertreten: Coole Surfertypen, die, egal wie kalt es ist, immer mit kurzer Hose und Schlappen oder barfuß rumlaufen, englisch angehauchte Mädels und Jungs, die eher blass sind und einen sehr „englischen“ Klamottengeschmack haben oder einfach irgendwas übereinander anziehen und sich so von der Masse abheben. (Warum frieren die Neuseeländer eigentlich nie?) Ein paar wenige Businessleute, viele Paare in Outdoorklamotten, die natürlich auch Touristen sein können und viele, viele Deutsche aller Altersgruppen. In meinem Hostal sind sie (die Germans) fast alle Anfang 20 und reisen für ein Paar Wochen rum oder arbeiten z.B. als Aupair, Praktikum oder Pflücker. Der Neuseeländer an sich ist jedenfalls sehr sehr freundlich, schon der Busfahrer und die Dame hinter der Kaffeetheke am Flughafen halten gern mal ein Schwätzchen, helfen ungefragt sofort oder sind einfach nett! Bin begeistert von soviel Freundlichkeit und freu mich noch mehr auf dieses Land. Die beste Werbung für ihr Land sind wirklich die Leute selbst. So eine 26 Stunden Zeitverschiebung kann einen ja fertig machen 😉 Außerdem friere ich beim Termperatursturz von 35 auf 20 Grad. Plöd, wenn man aus Tahiti kommt. Daher falle diesmal schon um sieben ins Bett.
Sa 20.03. (Auckland) Heute ist alles noch besser. Frühstück im Backpacker Hostel mit echtem Müsli, Juhu! Die haben sich wohl auf die Deutschen eingestellt 😉 Ich kauf mir die „Bibel“, d.h. den Lonely Planet Reiseführer gebraucht im Hostel und beginne zumindest mal mit der Planung für Auckland. Und recherchiere, wann ein günstiger Flug nach Christchurch geht. Mein Plan ist möglichst schnell in den Süden zu kommen, um dort die maximale Zeit mit Trekking zu haben und nicht zu sehr in den Herbst zu rutschen. Nach erfolgreicher Flugbuchung für den 23., mach ich mich auf den Weg ins Auckland Museum, um dort so viel wie möglich über die Maori zu erfahren. Die Tanz- und Gesangsshow wird von einer Gruppe junger Leute dermaßen enthusiatisch vorgetragen, dass es gar nicht mehr auffällt, dass wir uns in einem dunklen Raum mitten im Museum befinden. Das Publikum ist leider etwas dröge, kaum einer geht mit, tja, besteht halt vor allem aus Deutschen. Danach führen uns einzelne Gruppenmitglieder noch etwas rum und zeigen uns ihre Lieblingsobjekte ein Vorratshaus, ein 25 Meter langes Kriegskanu mit vielen Schnitzereien, allerei Waffen. Bin überrascht, dass Neuseeland erst 800 Jahre zuvor besiedelt wurde. Die Maori stammen auch (wie die Rapa Nui) von den Polynesiern ab, die ursprünglich aus Südostasien gekommen sind. Die Rapa Nui wurde allerdings schon vor 1500-2500Jahren besiedelt, die Sprache der beiden ähnelt sich übrigens sehr. (Hat mir eine Studentin in Rapa Nui erzählt) Die Maori lebten wie Steinzeitmenschen und waren kriegerischer als die anderen Polynesier, weil ihnen weniger Nahrung zur Verfügung stand. Ist ja auch ein bisschen kälter hier (siehe oben), die Früchte wachsen einem nicht einfach so in den Mund wie auf Tahiti. Also wurde Fisch gefangen, Fleisch gabs kaum. Genauer gesagt gabs überhaupt keine Land-Säugetiere außer einer kleinen Fledermaus. Deshalb haben sich die Maori auch ein paar Ratten mitgebracht. Der berühmte Kriegstanz, der gerne auch heute noch vor jedem Rugbyspiel stattfindet, ist der Haka. Dabei setzen die Tänzer auf Abschreckung mit Augenrollen und Zungerausstrecken und auf die Brusttrommeln. Oft war wohl die Schlacht schon nach einem gut getanzten Haka gewonnen. Wenns allerdings dann doch zum Krieg kam hat man den Gegner auch gerne mal aufgegessen, um sein mana, also seine Kraft und Ehre, zu übertragen. Die Ahnen spielen im Glauben der Maori eine große Rolle. Beeindruckend fand ich eine der vielen Ahnen- und Welterklärungsgeschichten. Der Blauwal hat eine eine dicke, zerfurchte Haut, genau wie der Kauri-Baum, der übrigens auch riesengroß ist. Daher sind im Glauben der Maori beide verwandt. So auch viele andere Tiere und Pflanzen an Land und im Meer. Da es keine Schrift gab, wurde die Geschichte der jeweiligen Vorfahren eines Menschen als Tatoo in die Haut geritzt. Die Kunst der Schnitzens war der Kunst des Tätowierens sehr ähnlich. Vor allem Frauen trugen die Geschichte ihrer Herkunft im Gesicht. Beginnend mit dem Kinn kann das Tattoo übers ganze Gesicht gehen. Ein heldenhafter Häuptling hatte das Gesicht bis zur Stirn tätowiert. „Kia ora“ heißt willkommen, hallo oder auch danke. Mehr kann ich noch nicht…. Alle Neuseeländer lernen in der Schule zumindest ein Paar Brocken Maori, was ich schon sehr beeindruckend finde. Und alle sind stolz auf ihre Geschichte. Doch nun zurück ins moderne Großstadt-Leben. Zur Dämmerung fahr ich mit dem Lift auf den 328m hohen Sky Tower und genieß den Blick über die Stadt und den Hafen bei einbrechender Dunkelheit. Unheimlich sind die Glasplatten, die zwar sehr dick sind, durch die man allerdings fast 200m tief schauen kann. Soweit ist meine Höhenangstbewältigungstherapie noch nicht gediehen, dass ich mich da drauf stellen kann. Immerhin kann ich mich an die Glaswand lehnen und fotografiere mal wieder ohne Ende. Dann noch ne Pizza beim Inder (komisches Englisch) nebenan und ab ins Bett.