21.04.2010

Strände, Luxus-Tramping und Spanisch

So 11.04. (Kaikoura) Der Bus nach Nelson geht erst um 10Uhr. Schön entspannt heute und als ich nachmittags ankomme, geh ich mal wieder ins nächstgelegene Hostel. Das Bumbles Backpackers wird von 2 durchgeknallten Opas geführt. Der eine stöhnt und seufzt die ganze Zeit rum, wie schwer doch sein Leben sei und alles ist schlimm. Der andere trägt eine Riesenbrille, die mit Tapeband geklebt ist und er singt mal ganz gerne lautstark vor sich hin Und redet natürlich sofort auf mich ein. Thema ältere Herren hatten wir ja schon. Ich buch noch schnell einen Bus für morgen zum Abel-Tasman-Wandern. Ausrüstung kann ich leider erst morgen leihen, ist ja Sonntag heute, da sind die Outdoorläden geschlossen. Der Supermarkt hat zu meinem Glück geöffnet und ich kauf ein, als würds morgen nix mehr geben. Gibt’s ja auch nicht im Nationalpark. Juhu, der Appetit ist zurück. Nelson ist zwar ein verschlafenes Örtchen, jedenfalls sonntags, aber gute Restaurants haben sie auf jeden Fall. Ich gönn mir superleckere Pasta, muss ja Kohlenhydrate für den nächsten 3-Tagestrack sammeln. Im 20-Betten-Zimmer bei den Opas isses ja billich, dann investier ich lieber in meinen Magen.

Mo 12.04. (Nelson) Früher Bus um sieben. Mein kleines Rucksäckchen platzt fast vor Lebensmitteln. Der Busfahrer scheint nicht ganz wach zu sein heute und rammt nach einem Halt ein Verkehrsschild. Das geht erst ein Stückchen mit, kratzt quietschend am Metall entlang, schwingt dann zurück und rammt die Scheibe. Alles sind erschrocken, die Scheibe hinten besteht nur noch aus einem Kleinstmosaik. Wir setzen uns weg, erst als wir am nächsten Halt ankommen, bemerkt der Fahrer was Sache ist. Und meint, dass er so nicht weiterfahren kann. Wir sechs Übriggebliebenen schauen uns an und merken an, dass er doch noch bis nach Marahau, dem Anfang des Abel Tasman-Tracks fahren könnte. Das wär ja jetzt auch egal. So macht ers und er tut mir wirklich leid als er völlig deprimiert sagt, „this is a very bad day for me today“ Vermutlich hat so ein Schaden wirklich Konsequenzen für ihn. Ich leihe dann im Kanushop meine Ausrüstung, d.h. Schlafsack, Gaskocher und Topf. Leider ist der Schlafsack so groß, dass nix mehr in den Rucksack geht. Ist ja auch für Kanufahrer gedacht. Ich, Luxusgeschöpf, beschließe mir die großen, schweren Sachen, per Aquataxi an den jeweiligen Strand bei meiner jeweiligen Übernachtungshütte bringen zu lassen. Wie angenehm. Ein schwarzer Müllbeutel wird zu „Andreas Bag“ und ich kann endlch loslaufen. Das Wetter ist wunderbar sonnig mit leichtem Wind. Ein Traum. Hab heute ca. 7-8h vor mir, weil ich eine Hütte überspringe. Bei den Great Walks muss man ja jede Hütte vorbuchen, so dass leider keine spontane Flexibilität möglich ist. Die Wanderung entlang von türkisgrünem Meer, weißen Sandstränden, roten und gelben Kanufahrern, schönem schattigem Wald mit Riesenfarnen, ist mal wieder wunderschön. Ich lass es langsam angehen, passe die Ebbe im Torrent Bay (eher zufälligerweise) ideal ab, um nochmal ne Abkürzung zu gehen (bei der man die Stiefel trotzdem ausziehen muss, weil man durch eine Art Watt wandert). Das Wasser ist übrigens leider schon zu kalt, um zu baden. Erreiche schon nach ca. 6,5h die Broad Bay. Mein schwarzer Müllsack liegt am Zeltstrand und wartet schon auf mich. Ein paar Familien mit kleinen Kindern haben sich es schon gemütlich gemacht in der Hütte. Für mich ist noch eine Matratze frei. Man liegt hier auf eine großen Fläche, Matratze an Matratze. Wie kuschelig! Mein lecker Selbstgekochtes ist heute ein Fertiggericht, Thai-Curry mit Reis. Wirklich überraschend gut. Um acht gehen alle ins Bett, weils Kerzenlicht knapp wird. Der Hüttenwart will auch nicht viel wissen, diesmal keine Stories, nur ne Nummer notiert und schon geht er wieder. Die Großeltern der Familie sägen neben mir leider fast den ganzen Tasmanwald inclusive Riesenfarnen ab. Doch irgendwie schlaf ich dann doch. Und rutsche meinem Nachbarn auf der anderen Seite immer näher wie ich am nächsten Morgen feststelle.

Di 13.04. (Abel Tasman) Um acht sind alle auf den Beinen, ich versuch noch ein bisschen liegen zu bleiben, hab heute nur 4h Wanderung im Plan und keine Lust zu früh auf der Hütte zu sitzen. Heute soll das Wetter gegen Nachmittag schlecht und regnerisch werden, da will ich jedenfalls im Trockenen sitzen und meine Stiefel nicht nochmal komplett durchweichen, wie auf dem Routeburn Track. Wieder eine schöne Strecke, mit vielen Fotopausen und ich erreiche planmäßig nachmittags die Awaroa Lodge, ein privates Hotel, vor dessen Strand mein Plastiksack bereit liegt. Als ich am Lodge-Cafe vorbeikomme, beschließe ich auf einen Cappucchino und ein Stückchen Kuchen ein zu kehren. Wo sonst ist so ein Luxus auf einem Trekking möglich. Meinen Plastiksack verstecke ich draußen, damit ich nicht ganz so Assi aussehe. Meinem Beispiel folgen plötzlich die nachfolgenden Wanderer und die Café-Terrasse füllt sich mit luxusliebenden und kaffeegeilen Backpackern. Auf dem weiteren Weg zur Awaroa-Hütte schließe ich mich einem jungen NZ-Pärchen an und wir nehmen die Abkürzung durch die Bucht, die natürlich gerade in idealer Ebbe daliegt. Mir schwant schon böses, mein Säckchen soll ja morgen früh wieder auf der anderen Seite der Bucht, beim Lodgestrand liegen. Doch wie hinkommen, wenn nicht schwimmen oder sehr lange außen rum laufen. In der Hütte sind wieder neuseeländische Familien (Osterferien!) vertreten, leider diesmal nicht mit zehnjährigen braven Mädels, sondern laute und nervige Teenies, die fünfminutige rein und rausgehen und dabei extra Türen knallen lassen. Inzwischen hat der besagte Regen eingesetzt und wir sitzen im Trockenen und genießen das Prasseln des Feuers. Cosy. Plötzlich kommt durch den Regen und die Bucht ein Lodge-Golftrolley angefahren. 3 Spätankömmlinge, die sehr schlecht ausgerüstet zu sein scheinen. Dem Hüttenwart erklären sie, dass ihr letztes Aquataxi um 15Uhr gestrichen wurde, wegen des Sturms. Sie dürfen trotzdem übernachten, es sind noch 3 Matratzen frei. Als ich mein Nudelfertiggericht esse, krieg ich mit, dass die 3 spanisch sprechen und wirklich nichts dabei haben. Ich biete Ihnen meine zuviel mitgeschleppten bzw. im Aquataxi gereisten, Fertiggerichte an (mit denen sie wohl satt werden müssten und die ich dann ja nicht mehr tragen muss), ich erfahre, dass sie aus Chile sind und wir unterhalten uns noch auf spanisch (sie zumindest) den ganzen Abend. Es sind Bruder und Schwester, die gerade Besuch von ihrer Mutter haben. Die beiden arbeiten in Wellington, Chilenen bekommen wohl problemlos ein Arbeitsvisum in Neuseeland. Ich freu mich mal wieder mein Spanisch aufzufrischen, bin aber natürlich schockiert wie sehr ich schon wieder rumstottern muss.Um acht ist schon wieder Schlafenszeit. Diesmal schlaf ich blendend, weil in dieser Hütte 3 Räume vorhanden sind. Eine Familie schlummert fast lautlos über mir (in Stockbetten) und die Chilenen haben die Matratzen an die Feuerstelle in die Küche gepackt, weil sie ja keine Schlafsäcke haben.

Mi 14.04. (Abel Tasman) Die Chilenen sind schon weg, als ich aufstehe. Was tun? Muss meinen Müllsack um die Bucht tragen und weiß gerade nicht mal wie ich von der Hütte weg komme, weil Flut ist. Die nächste Ebbe ist um 15Uhr, die letzte war um 3 Uhr nachts, da hätte ich um fünf loslaufen müssen. Endlich breche ich auf in Richtung Lodge, wandere durchs Meer und finde keinen Weg über den Fluß an der Bucht. Also komplett drumrum. Nach 2,5 h anstatt der geplanten Stunde komm ich am Lodge-Strand an. Das Aquataxi kommt dann auch bald und ich werd mit den Worten „Aaaah, Andreas Bag“ begrüßt. Ich füge an und „Andrea herself“ und entscheide spontan mit diesem netten Kapitän zurück zu fahren anstatt nochmal um die Bucht und bis zum nächsten Strand nach Totaranui zu laufen und das Boot 3 Stunden später zu nehmen. Faulheit und Sympathie für den Bootsführer siegen. Wir fahren dann mit den anderen Passagieren noch nach Norden zu meinem ursprünglichen Einsteigestrand. Werfen ein paar ab und bekommen noch Fotostopps und Sightseeing an der Küste entlang gratis. Am Ausgangspunkt werden wir dann mit einem Traktor aus dem Wasser gezogen und bis zum Aquataxi- und Kanushop gefahren. Also kein einziger Schritt zuviel heute. Buche meinen Bus auf ne Stunde früher um, gönne mir einen leckeren Salat, ein Smoothie und ein dunkles Magnum (voll fett!) und finde diesen Track den besten überhaupt. Selbst die Busfahrt nach Nelson verläuft problemlos und nach einem superleckeren Surf&Turf (Steak mit Meeresfrüchten) mit Rotwein in einem genialen Restaurant in der Innenstadt fall ich mal wieder ins Bett bei den Opas, die ja mein Gepäck inzwischen behütet haben. Hab ein 4er Zimmer für mich allein. So ein Luxus!

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