Do 15.07. (Kota Kinabalu) Fliege erst heute abend nach Jakarta und hab unglaublich viel Zeit. Ich guck mir ein paar Einkaufszentren an. Trinke Mangosaft, esse Gnocchi und gönn mir einen Cafe Mocha beim Starbucks und schreibe mal wieder Blog. Borneo ist wirklich eine tolle Insel und so vielfältig. Was ich in 5 Wochen alles gemacht habe! Und mit mehr Zeit und Geld hätte ich sogar Turtle Island, eine Insel, auf der Schildkröten Eier ablegen und das Dunum Valley, eine der wenigen Primärurwälder Malaysias sehen können. Turtle Island muss man bis zu einem halben Jahr im voraus buchen und Dunum Valley ist mit seiner Rainforest Lodge für Backpacker (selbst die Luxusversion davon) einfach zu teuer. Tja, vielleicht wenn ich mal wieder Geld verdient habe… Abends um halb zehn flieg ich nach Jakarta. Der Flug mit AirAsia verläuft problemlos wie immer. Wir landen um elf Uhr (Mitternacht nach Borneo-Zeit). Doch dann dauert die Einreise „sageundschreibe“ 2 Stunden. Dabei hab ich sogar meine 25 USDollar vorbereitet. Außerdem wird das Visa on Arrival nur für 30 Tage gewährt, soll heißen der freundliche Immigration Officer teilt mir gleich mit, dass ich im Immigration Office in Bali verlängern muss. Wegen 3 Tagen, so ein Mist! Ich stolpere also um ein Uhr nachts aus dem Flughafen und der erste Taxifahrer will mich gleich mal richtig abzocken. Nö, so nicht. Finde einen anderen, der mich zum einigermaßen anständigen Preis zu dem Hotel meiner Wahl bringt. Ausgebucht! Ich lasse mich in die Jalan Jaksa, die Kao San Road Jakartas fahren und frage in ungefähr 10 Guesthäusern. Alles ausgebucht. Ich kann es nicht fassen und hadere etwas mit meinem Schicksal. Ein freundlicher und überraschend weiblich aussehender Ladyman (Transvestit) versucht mir zu erklären, wo der nächste Homestay ist. Find ich nicht. Die anderen Typen, die hier rumhängen, wollen mir nur eine Taxifahrt oder sonst irgendeinen Scheiß andrehen. Ich könnt echt kotzen. Selbst die richtig teuren Hotels sind ausgebucht. Endlich um halb drei nachts (meiner Zeit halb vier) find ich eine schlechtes Hotel und zahl trotzdem noch umgerechnet fette 25 Euro. Egal, Hauptsache ein Bett und sogar eine Dusche. Jetzt ist mir jedenfalls klar, warum ich im Internet in Hostalworld keine freien Hotels gefunden hab. Ob’s das wegen Ferienende in Indonesien ausnahmsweise so war, weiß ich leider immer noch nicht.
Fr 16.07. (Jakarta) Morgens such ich mir gleich eine billigere Unterkunft, wobei dieses Hostel ne echte Absteige mit lauter schmierigen Typen ist. Egal, ist ja nur für eine Nacht. Erstmal ein gutes Frühstück im nächsten Café und schon geht es mir besser. Ich will heute zumindest die Highlights Jakartas sehen, damit ich dieser Stadt doch etwas positives abringen kann. Der Straßenverkehr ist wirklich die Hölle, ein Moloch und so viele Menschen, so viel Dreck und Gestank hab ich auf meiner ganzen Weltreise noch nicht gesehen. Der Reiseführer empfiehlt das Nationalmuseum, den Obelisk mit Unabhängigkeitsmuseum und das alte holländische Stadtviertel. Das Nationalmuseum hat geschlossen als ich ankomme, mist, heute ist Freitag, da beginnt das muslimische Wochenende. Das heißt alles macht morgens schon zu oder erst gar nicht auf. Dann zum Bahnhof und das Ticket für morgen nach Bogor kaufen. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten, der gemeine Indonese spricht eher wenig bis gar kein Englisch, bekomm ich nach mehrmaligem Nachfragen raus, dass ich das Bahnticket erst morgen kaufen kann. Zumindest verrät der Mann am Schalter mir die Abfahrtszeiten. Der Obelisk, das „monas“, also das Nationalmonument, inmitten eines Parks ist eine Art Huldigungsstätte für den ehemaligen Präsidenten und die indonesische Unabhängigkeit von den Niederlanden. Im Volksmund auch Sukarnos (Präsident, der ihn 1961 erbauen ließ) letzte Erektion genannt. Auch schön. Das guck ich mir genauer an. Im unteren Stockwerk wird in ca. 50 Dioramen die indonesische Geschichte aufgearbeitet. Diese Fensterchen mit bemalter Rückwand und kleinen Figuren drin, sind sehr beliebt in indonesischen Museen wie ich später feststelle. Interessant für mich, da ich ja bisher keine Ahnung von indonesischer Geschichte habe, allerdings manchmal in etwas blumigem englisch oder verfälscht dargestellt. Die Kommunisterverfolgung, unter der vor allem die Chinesen hier leiden mussten, wird sehr verharmlost, wie ich später nachlese. Vom Abschlachten der chinesischen Einwanderer und von erlaubtem Mord wird nix erwähnt. Jetzt rauf mit dem Lift auf den 137m hohen Turm. Die Sicht ist schlecht. Bewölkt oder versmogt oder eher beides. Als ich unten wieder ankomme, werde ich plötzlich von vielen jungen Indonesier um ein Handyfoto gebeten. Muss mit allen posieren. Die lachen sich wahrscheinlich später über die verschwitzte blonde Nichtasiatin schlapp. Einzig ein kleines Mädchen will nicht mit mir aufs Foto und schreit hysterisch als seine Mutter es zu mir schieben will. Recht hat es. Beim Gedanken an meine neue Berühmtheit und da ich bald sowieso in jedem indonesischen Facebook abgebildet sein werde, beschließe ich wagemutig mit dem Stadtbus nach Kota oder auch Old Batavia zu fahren. Der Transjakarta-Bus soll die Metro ersetzen, hat eine eigene Spur und als Haltestellen eine Art Glaskästen in denen man geordnet in Schlangen, Männlein links und Weiblein rechts ansteht. Schließlich ist das hier ein muslimischer Staat. Ist mir ganz recht. Als sich die Glas-Schiebetür zum Bus öffnet, muss man in den Bus hinuntersteigen. Ein schicker Mann mit indisch anmutendem Schal und Käppi oder alternativ ein Mädel in Uniform passen auf, dass keiner in den Bus oder in die Lücke fällt. Mit Umsteigen komm ich nach Kota und bin erstmal richtig enttäuscht. Versuche nicht im Straßenverkehr überfahren zu werden und gleichzeitig nicht im Dreck zu waten und finde endlich den „alten“ Hinrichtungsplatz der Holländer, den Fatahillah Square. Öde hier. Deshalb schlüpfe ich gleich ins Cafe Batavia, ein Art kolonialistisches Kleinod. Im großen Salon, mit javanischem Teak getäfelt, nehme ich stilvoll einen Cappucchino zu mir und lese die aktuellste Expat-Zeitung. So müssen sich die „Out of Africa oder besser Asia“-Leute früher gefühlt haben. Alles sehr stilvoll in dieser Oase der Ruhe und des gepflegten Dinierens ;-). Am besten gefällt mir die Toilette, die mit künstlerisch wertvollen Schwarz-weiß-Fotos an allen Wänden ausgestattet ist. Eigentlich wollte ich ja noch an den Hafen, als es jedoch auf dem Weg zur abgewrackten holländischen Zugbrücke schon dunkel wird, beschließe ich mich baldmöglichst zum Bus zu begeben. Jetzt ist Rushhour, nix geht mehr. Von wegen Busspur, die ist verstopft und die Frauenschlange am Bus ist die sehr lang. Irgendwie find ich zurück, mit Umsteigen sogar und esse nochmals sehr gediegen in einem Sate-Restaurant, einen Riesenberg Rindfleischspießchen. Zurück im Ekelbett, schlaf ich glücklicherweise schnell ein.