22.08.2010

Tengger-Krater, Tieropfer und Teletubbies

Mo 26.07. (Zug nach Malang) Um ca. 10Uhr komme ich in Malang an. Mein Guesthouse da Rifi ist nicht so toll. Ich bin der einzige Gast im Mädelsdorm. Und nur ein Indonesier übernachtet im Männerdorm. Ich buch eine Tour zum Mount Bromo für diese Nacht und treffe nachmittags auf ein junges Mädel, Fitria, die das Hostel führt. Sie zeigt mir die Stadt mit ihrem Mofa. Ich hinten drauf geht’s zum Vogel- und Fischmarkt. Hier gibt’s jedes Tier, was irgendwie in einen Käfig oder ein Aquarium passt. Ein Katze, die aussieht wie Hennings Neo, allerdings mit einem grünen und einem blauen Auge, liegt in einen kleinen Käfig gequetscht. Ich hätt sie am liebsten gleich mitgenommen, weil sie mir so leid getan hat. Beim Fischmarkt beeindrucken mich kleine sehr farbenfrohe, allerdings auch sehr aggressive Fischchen. Sie werden in separaten Miniaquarien gehalten, da sie sich ansonsten zerfleischen würden. Zwischen die Aquarien sind Papierstreifen gesteckt, damit sie nicht durch die bloße Ansicht des Nachbarn austicken. Sehr sympathisch. Danach geht’s ins Hotel Tugu, einem Nobelhotel, bei dem die Übernachtung locker 1000 Dollar kosten kann. Wir dürfen ein paar öffentliche Räume besichtigen, die wie ein balinesischer Tempel und ein koloniales Museum ausgestattet sind. Angeblich hunderte antiquarische und historische Artefakte. Sehr interessant und ohne Fitria wär ich da sicher nicht reingekommen. Später eß im Steakhouse (Fleisch!) und geh früh ins Bett, da ich ja schon um halb eins nachts für die Tour zum Vulkan abgeholt werde.

Di 27.07. (Malang) Um halb eins in der Nacht klingelt mein Handy (ich hab ja jetzt ne indonesische SIM-Karte) und der Fahrer steht vor der Tür. Außer mir hat noch eine französische Familie die Vulkantour gebucht. Wir haben alle gehofft noch Schlaf im Jeep nachzuholen, doch der Weg zum Vulkan ist so holprig, dass ich froh bin, dass ich kein Schleudertrauma bekomme und der Fahrerguide Jon trotz Dunkelheit nicht jeder Schlagloch mitnimmt. Um etwa halb drei Uhr sind wir schon am Ausgangspunkt unserer Miniwanderung und bekommen erstmal einen Kaffee. Hier isses schon richtig kalt (um null Grad vielleicht) und die Verkäufer und Verleiher geben dicke Jacken aus. Dann hoch zum View Point auf dem Mount Penanjakan. Ein klarer Sternenhimmel begrüßt uns und bald sammeln sich noch viele, viele weitere Touristen. Endlich um halb sechs geht die Sonne auf, noch zaghaft, doch dann erstrahlen die 3 Berge Mount Bromo (2.392m), Mount Semeru (3.676m) und Mount Batok (2440m) mit ihren Kratern im Sonnenschein. Mount Bromo qualmt und raucht ohne Ende. Der hintere nur schwach und alle liegen in einem riesigen „alten“ Krater, der sea of sands genannt wird, weil er mit sandigem oder auch aschigem Untergrund gefüllt ist. Ein Hindu-Tempel steht am Fuße des Mount Bromo und sieht von hier oben winzig klein aus. Wir sind so begeistert von den unterschiedlichen Lichtverhältnissen und dem Wolkenwasserfall, der sich nun in den großen Krater aus dem Tal ergießt, dass wir kaum weiter wollen. Doch unser Guide lockt uns letztendlich mit Frühstück. Wir fahren in den großen Krater, halten bei einer faltenartigen Bergformation an und frühstücken erstmal. Frisch gestärkt parken wir als einzige Chrysler zwischen fast 200 Toyotas, die wohl alle aus Surabaya kommen und wappnen uns für die Kraterbesteigung. Alternativ kann man auch auf einem Pony hochreiten, was uns auf den ersten 500m ununterbrochen angeboten wird. Ich reite zwar gern, doch auf diesen kleinen Berg, nö. Nur 1km geht’s hoch, das letzte Stück mit einer betonierten Treppe, die allerdings ponyfrei bleibt. Oben am Kraterrand, stinkts und rauchts und schwefelts. Der Mount Bromo spuckt was geht. Die Tenggger people opfern selbst heute noch bei Vollmond im September Ziegen und Hennen (hoffentlich kein Pony), um den Berg zu beruhigen. Das geht auf eine Legende zurück, bei der der Ehemann einer Prinzessin das jüngste Kind dem Berggott als Opfer versprach, wenn er insgesamt mit vielen Kinder gesegnet würde. Der Vater weigerte sich jedoch, weil die beiden trotz 25zähliger Kinderschar das jüngste so sehr liebten. Als Strafe brach der Vulkan aus, eine Katastrophe für das Tenggervolk. Daraufhin opferte sich das jüngste Kind Kusuma selbst und seitdem gibt der Berg Ruhe. Leider „opfern“ die Indonesier heute gerne Müll und füllen so einige Felsspalten, so dass der Weg zurück teilweise kein schöner Anblick ist. Zurück am Fuß fahren wir in die „Sea of Sand“ und besichtigen den sogenannten Lavalöwen. Das ist ein Lavabrocken, der wie ein Löwe aussieht. Dann in die Savannah Fields, das ist ein grasbewachsenes Gebiet am Vulkan, das laut unserem Guide ein bisschen wie „Teletubbie-Land“ aussieht. Wir suchen Lala und finden nicht mal Po. Die Hügel erinnern mich eher an Neuseelands Hügellandschaften, also „Herr der Ringe“ mit goldenem Gras. Weiter geht die Fahrt zum Gemüseanbau in Terrassen. Nochmal verkehrte Welt, Kartoffeln im Reisland! Dann noch etwas Bewegung, um die müden Glieder wieder in Schwung zu bringen. Hinunter zu einem Wasserfall, und leider wieder hinauf. Als kleine Horrorgeschichte erzählt Jon, das letztes Jahr hier ein Schüler ertrunken ist, der erst einen Tag später gefunden wurde. Tragisch. Wir baden nicht und das nicht nur wegen des leichten Regens. Dann stoppen wir im Dorf Tumbung und schauen uns noch einen kleinen Tempel an. Jon läuft zur Fotografierhochform auf, obwohl er zum Frühstück nur eine kleine Milch zu sich genommen hat. Inzwischen gehen wir auf dem Zahnfleisch und sind todmüde. Jon fährt mich netterweise noch zu einem Busbahnhof, der fast eine Stunde von der Stadt entfernt liegt und setzt mich in den Bus nach Surabaya. Die 2 Stunden Fahrt verschlafe ich komplett. In Surabaya übernachte ich im Hostel bei Fitrias Mutter. Treffe wieder nette Backpacker und wir bestellen Take away. Ich probiere endlich Cap Cay (indonesische Gemüsesuppe) und da ich noch lange nicht satt bin, danach noch Nasi Goreng mit allem drin. Je später der abend desto mehr Reste drin und desto mehr Menge.

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