Mi 11.08. (Ubud, Bali) Heute morgen werden wir superpünktlich zur Radtour abgeholt. Zuerst geht’s mit dem Minivan in die Reisfeldterrassen und dann zum Frühstück zum Vulkan Gunung Batur. Die Aussicht auf den See und den 1.710Meter hohen Vulkan ist wunderschön und das Frühstück schmeckt so noch besser. Der Mount Agung, den ich von den Gilis schon gesehen habe, liegt nahe beim Mount Batur und ist der heiligste Berg auf Bali. Alle Tempel müssen in seine Richtung ausgerichtet gebaut werden. Weiter geht’s zur Kaffeeplantage, auf der wir die Kaffeerproduktion erklärt bekommen und verschiedene Kaffeesorten (male, female und Laduk?) probieren dürfen. Letzterer wird etwas exotisch gewonnen. Die Zibehkatze frisst die Früchte und scheidet die Bohnen „fermentiert“ wieder aus. Diese werden gesammelt (aus dem Kot!), gereinigt, geröstet und dann zu Spitzenpreisen an Westler verkauft. Ich kann nicht widerstehen und wir gönnen uns ein Kännchen. Er schmeckt wirklich außergewöhnlich gut und ich finds beeindruckend, wie man aus Scheisse Geld machen kann. Man könnte in diesem Blog auch den Eindruck gewinnen, dass ich kaffeesüchtig bin. Das kann ich leider nicht dementieren. Dann geht’s endlich aufs Rad. Ein bisschen Downhill und schon erreichen wir eine einheimische Familie, die sich auf die Bambusgewinnung spezialisiert hat. Unser Guide Guedeg (der zweite Sohn in jeder balinesischen Familie heißt immer so) erklärt wie die Familie lebt und wie die Tempel angeordnet werden müssen, wen man heiratet und zeigt uns die Küche und wir verstehen, dass der Glaube das Leben bestimmt und die Balinesen noch sehr in ihrer Tradition verwurzelt leben. Gut, man kann heute seinen Lebenspartner über Facebook kennenlernen und in einer anderen Stadt studieren, doch grundsätzliches wie regelmäßige Tempelbesuche und familiäre Verpflichtungen bleiben. Wir fahren durch Reisfelder und dürfen die Bauern bei der Ernte besuchen. Das ist harte Arbeit und heutzutage gibt es immer weniger junge Leute die Reis anbauen wollen. Nach einem kleinen Stopp unter einen Banjan-Baum und einem Tempel, den wir leider wegen Zeremonie gerade nicht besuchen dürfen, trennen sich die Wege der Down- und der Uphill-Fahrer. Ich will noch ein bisschen weiterfahren und Miriam entscheidet sich für das letzte Stück für den Bus. Leider ist mein Rad so schlecht, dass die Kette beim Bergauffahren rausspringt und wir natürlich vollkommen verschwitzt bei Restaurant ankommen. Egal, das isses wert gewesen. Wir landen mit dem Rad fast inmitten einer Zeremonie, die gerade die Straße überquert. Das ist doch ein Erlebnis der balinesischen Art. Dann leckeres Mittagessen-Buffet mit allem was das Nasi Campur liefert und das Herz begehrt. Und zurück ins Städtchen. Es ist spätnachmittags, so dass wir uns schon für die abendliche Tanzshow fertig machen. Im Palastambiente tanzt heute ein traditionelles Ballett auf einer Minibühne die berühmte hinduistische Ramayana-Geschichte. Dazu gibt’s Gamalan-Musik. Ein Faltblatt erklärt die Entführung der Prinzessin mit dramatischen Kämpfen und schließlich gibt es ein Happyend. Die Tänzerinnen sind im meinen Augen mal wieder perfekt in jeder Bewegung und wir sind begeistert. Danach gehen wir hungrig in ein balinesisches Restaurant, in dem Traditionsgerichte auf Bananenblättern serviert werden. Mal wieder sehr gut, esse balinesisches Hühnchen, etwas Kartoffeliges und Salat.
2.09.2010
So viel mehr als nur Radfahren
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