15.11.2009

Gold und Straßenkinder

Fr 06.11. (Bogota) Nach einem leckeren Frühstück in einem neu entdeckten Café fahr ich mit dem Taxi ins Viventura-Hotel. Der Taxifahrer fragt nach, ob ich wirklich in dieses Hotel möchte. Ist es etwa dort so luxeriös und teuer? Ich erzähl ihm, dass ich dort meine Gruppe „treffe“, nicht dass ich auch dort übernachten möchte. Alles nur, damit er mich nicht abzockt. Hotel ist wirklich für mich ein außergewöhnlicher Luxus. Habe ein Einzelzimmer und endlich ein eigenes Bad. Und keine Ahnung, wann die anderen eintreffen. Also genießen die rote Kuh und ich es erstmal und ziehen uns das leckere Reisefutter (Danke Barbara!!) rein, d.h. Ich guck mir Benjamin Button und ein paar Dexter-Folgen an. Die Rezeptionistin weiß, dass der Abholbus, um ca. 17Uhr losfährt. Um halb sieben treff ich dann meine Leute. Wir sind zu zwölft plus Reiseleiter Frank. Coole Truppe, außer 2 Mädels alle etwas älter als ich (7x ü 50), und aus allen Teilen Deutschlands. Miguel, der Chef in Kolumbien begleitet uns ins Restaurant „Crepes&Waffles“, in dem ich die letzten 2 Tage auch schon mal das eine oder andere Crepchen gegessen habe. Hab mich noch nicht auf die kolumbianische Küche eingestellt. Alle leiden unter Jetlag und den Nachwirkungen der Anreise. Daher geht’s früh ins Bett. Bin übrigens hier einem weiteren Promi begegnet, der hier vermutlich anonym für seinen nächsten Film recherchiert. Orlando Bloom arbeitet im Hotel Quinto de Bolivar als Hotelportier und Kofferträger.

Sa 07.11. (Bogota) Heute geht’s von 2.600m auf 3.100m mit der Bergbahn zum Montserrate-Gipfel. Dort befindet sich ein Pilgerort und eine Kirche und sehr viele kitschige Souvenirstände (Kuhbeine als Trinkgefäße und sowas) Hier ist die Luft doch dünner. Ein paar trinken Coca-Tee gegen die Höhenkrankheit und wir schlendern rum, während Miguel ein bißchen über die Landschaft, die Ostkordillere und Bogotas Geschichte erzählt. Der Blick über die Stadt ist gigantisch. Wieder unten angelangt, gehen wir in die Altstadt von Bogota, die Candelaria, in der ich vorher schon übernachtet habe. Durch bunte Häuserreihen mit riesigen Innenhöfen, zum Teil schön restauriert, an Universitäten vorbei und dann zum Goldmuseum. Hier sind fast alle Goldschätze Kolumbiens ausgestellt, die meisten Figuren und Schmuckstücke wurden in einem See gefunden, in den der jeweilige Indianer-König vergoldet und geschmückt 2mal jährlich steigen und sich das Goldes abwaschen mußte. Zu Ehren der Götter natürlich. Als die Spanier damals El Dorado gesucht haben, wiesen die Indianer zustimmend auf den See hin, in dem El Dorado (der goldene König) geschwommen ist. Ein großes Mißverständnis der Geschichte also. Es wurde zwar Gold im See gefunden, aber ein versunkene Goldstadt gab`s in Kolumbien wohl nicht. Danach fahren wir nach Ciudad Bolivar ins Barrio Manitos und treffen Nicole, Michael und viele, viele Kinder. Das Barrio ist auf dem Berg außerhalb der Stadt und hier leben Landflüchtlinge, allerdings schon seit einigen Jahren. Sie haben also Strom und Wasser. Nicole arbeitet seit 3 Jahren für Exito Verde, ein Projekt, dass den Menschen hier das Recyclen beibringt und ihre Lebensqualität verbessert. Sie bekommen fürs Mülltrennen, Kleidung und Essen.Wir lernen die engagierten Frauen des Barrios kennen und sie erzählen vom Projekt. Ein Fußballplatz soll hergerichtet werden, eine Brücke erneuert. Wir spielen mit den Straßenkindern und ich möchte sie am liebsten alle mitnehmen. Sie sind so liebesbedürftig, dass sie selbst uns Fremde gleich umarmen. Und Fotos ohne Ende machen wollen. Nach diesem Kulturschock und in der Hoffnung, dass es dem Projekt gelingt, den Menschen mehr Selbstbewußtsein und eine Zukunft zu geben, fahren wir weiter zum Abendessen. Ironie des Veranstalters oder Absicht? Wir schlemmen in einem Fleischrestaurant in Chia, in dem unter anderem viel Spaßprogramm und tolle Deko geboten wird.

So, 08.11. (Bogota) Stadtbesichtigung. Plaza Bolivar, Präsidentenpalast, Teatro Colon, ich kenn schon fast alles. Dann schwingen wir uns aufs Rad. Heute, am Sonntag, sind viele Hauptstraßen in der Innenstadt für den normalen Verkehr gesperrt und so haben wir freie Fahrt. In einem Park das erste Päuschen und lecker Fruchtsalat/saft und anschließend Outdoot-Salsa-Aerobic, wobei Hannelore, Frank, Steffi und ich gegenüber den Kolumbianerinnen ein bisschen arhythmisch und verkrampft aussehen. Egal, luschtig ischs. Dann wird’s doch noch sportlich und der Fahrradguide zieht das Tempo an bis wir im Vorort Usaquen ankommen. Hier findet sonntags ein schöner Künstlermarkt statt und wir essen die erste kolumbianische Suppe (Ajiaco) mit Kartoffeln, Kapern, Mais und Hühnchen. Auf dem Weg nach Villa del Leyva fahren wir durch die grünen Highlands, es gibt überall Kühe, Erdbeeren, Yucca, Zuckerrohr, Lullo und Obstbäume. (Drogen haben wir nicht gesehen, menno) Sehr fruchtbar, so dass es uns nicht überrascht, dass Villa nicht ganz so arm ist. Die Stadt soll den größten Marktplatz Kolumbiens haben. Und ist mit ihrem Kopfsteinpflaster Nationalerbe Kolumbiens. Essen im fleischigsten und schnellsten Restaurant der Welt. (Silke, das wär nix für Dich hier)

Die rote Kuh im Luxushotel

Die rote Kuh im Luxushotel

Hoher Arbeitsplatz auf dem Montserrate

Hoher Arbeitsplatz auf dem Montserrate

Goldmuseum

Goldmuseum

sooo süüß

sooo süüß

mein Lieblingskind (nach Felix)

mein Lieblingskind (nach Felix)

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