Di 08.12. (Merida) Eigentlich soll’s um 8 Uhr losgehen. Doch dann ist Chaos am Frühstückstisch. Die Köchin ist überfordert. Sie soll 7 Frühstücke servieren und dann noch die Wäsche für Magalie fertig haben. Nix geht mehr. Der Guide Woston trifft ein und beginnt alles zu packen. Dann fahren wir los. Doch nach 5 Min stellt Woston fest, dass er einen Gast (Tjark) im Hostal vergessen hat. Der kommt die Straße runtergetrabt. Die Gruppe ist amüsiert irritiert. Unsere Mitreisenden sind Lars, ein großer lustiger Deutscher, Tjark aus Norddeutschland, der gerade ein Auslandssemester in Kolumbien macht und Magalie & Mickey, ein französisches Pärchen, das normalerweise in Französisch-Guyana lebt, im Space Center arbeitet (wo sonst?) und in Venezuela Urlaub macht. Woston treibt nun zur Eile an. D.h. Vor allem sich selbst, weil wir inzwischen 2h Verspätung haben. Wir fahren in das Hochland, die Berge (hier Picos) um Merida sind ca. 5000m hoch. Wir schrauben uns von 1600m (Merida) auf 3.600m (Paß). Hier heißen die meisten Orte und Flüsse mit Vornamen nach der Urbevölkerung Mucu. Im Dörfchen Mucuchies besichtigen wir die Steinkapelle San Rafael und versuchen die Höhe zu verarbeiten. Lars hat Kopfschmerzen. Bei einem Hotel im Schwarzwaldstil halten wir an. Woston holt Geld, wir machen Fotos. Wie daheim. Und philosophieren über die Nachwuchsschwierigkeiten in der Colonia Tovar, einer deutschen Siedlung in der Nähe von Caracas. Ja, wie die wohl zu den vielen blonden Kindern kommen. Nach so vielen Jahren, etwa Inzest? Dann erreichen wir auf 3.200m die Kondorstation Mifafi. Leider gibt’s nur noch wenige Kondore in Freiheit in Venezuela. Die 3 hier sind hinter Gitter und haben sicher kein so schönes Leben. Einer kaut auf einem Stück Esel rum. Lecker. Rüber übern Paß erreichen wir den Gletschersee Laguna Mucubaji, auf ca. 3500m. Die Landschaft ist fast mystisch. Überall die dickfleischigen, blühenden Freilejones. Die Mönchskutten, die es schon bei der Fahrt nach San Agustin gab. Ansonsten Pinien, Wiesen, Kühe, Pferde, Moose und Beerensträucher. Trotz der Höhe liegt kein Schnee und alles ist grün. Das liegt am milden Klima, das der Maracaibosee so positiv beeinflusst. Wir wandern hinunter zum Gletschersee Laguna Victoria. Da haben sich Reiher niedergelassen. Da Sommer und Trockenzeit ist, ist es zwar kalt, aber bei Wandern friert man nicht. Die Landschaft liegt im Nebel und man kann sich vorstellen, wie rau es im Winter sein könnte. Der Guide Ramon sagt, dass es bis zu 0Grad geben kann und hier sogar ab und zu Bären rumtollen. Tjark, Lars und ich diskutieren, ob die Landschaft wie Kanada, Feuerland oder wie im Schwarzwald aussieht. Wir einigen uns auf von allem etwas. Magalie erwähnt, dass sie seit 2 Jahren keine Erdbeeren gegessen hat, weil diese in Französisch Guyana so teuer (16€ für 100g) sind. Woston hält daraufhin in einem Gebirgsdorf und wir essen fresas con crema (also Erdbeeren mit Sahne). Leggoar. Wir fahren hinunter bis auf ca. 200m Höhe (3.300m Höhenunterschied, boah) in den tropischen Nebelwald und erreichen unsere Posada in Barinitas. Hektik ist angesagt, wir wollen ja noch Tubing auf dem Santo Domingo gehen. Bevors dunkel wird. Raften fällt aus. Der Wasserstand ist zu tief. Wir schwingen uns in Autoreifenschläuche und schaukeln den Rio runter. Leider bin ich etwas manövierunfähig und komm immer vom rechten Kurs ab. Unter Einsatz der Arme und Füße und natürlich meines Lebens erreiche ich nach den Stromschnellen Grad 2-3 (eher wohl in der Regenzeit) den Treffpunkt mit einigen blauen Flecken mehr. Ach so, man hätte die Füße auch anheben können, um nicht an den Felsen entlangzuscheuern. Frustiert steige ich mit Oli und dem Guide ins Kajak um, Tuben will ich nimmer. Kajaken im Gummiboot ist doch noch ein bisschen wie Raften, vor allem weil der Guide jetzt ehrgeizig wird und das Boot zweimal zum Kippen bringt, so dass ich und der Guide ins Wasser fallen. Oli sitzt wie ein Fels in der Brandung… Nass und etwas von den Moskitos zerstochen, aber glücklich alle Programmpunkte im Schnelldurchlauf überstanden zu haben, fallen wir nach einem leckeren Abendessen von Dona Carmen ins Bett. Nicht zu vergessen. Oli darf warm duschen und freut sich sehr darüber. Dirk, dieser Tag hätte Dir auch gefallen.
Mi 09.12. (Barinitas) Nach nur 2stündiger Verspätung haben wir gepackt und fahren los. Diesmal war der Regen schuld und irgendwie hat Woston sein Geld vergessen, so dass wir nochmal zurück müssen. Unsere Gruppe hat sich um Arlette, eine 79jährige, französisch-sprechende Schweizerin aus der Posada Colibri erweitert, die übrigens weder englisch noch spanisch spricht, aber trotzdem seit 1 Monat durch Südamerika reist und das noch weitere 6 Monate tun will. Wir sprechen unsere Bewunderung aus. Woston amüsiert sich darüber, wie die Dame hinten in den Jeep reinsteigt. Hintern zuerst und dann mühsam auf den Sitz geschwungen. Sie will keine Extrawurst und Lars darf vorne sitzen bleiben. Gruppensprache wechselt jetzt in Richtung Französisch und Deutsch mit Hilfssprache Englisch. Woston bleibt bei Englisch und Spanisch. Schon auf dem Weg zum Campamento in den Llanos sehen wir am Wegesrand viele Tiere. D.h. Nicht nur Kühe (hier die afrikanischen, auch Zebu genannt) und Pferde, sondern auch Kaimane, Wasserschweine, Störche, rote Ibisse, Schildkröten und viele Vögel. Wir überqueren den Apure, erreichen dann den Canon de Guaritico. Unser Camp liegt in der Nähe von La Porfio und ist eigentlich eine Finca mit Übernachtungsmöglichkeit. D.h. Ein Raum zu sechst. Die Oma möchte bei uns nächtigen, keine Extras, erst ab 90. Beim nächsten Programmpunkt, dem Reiten, verzichtet sie allerdings. Mein Pferd wird als Ferrari beschrieben, entpuppt sich allerdings als männliche Zicke. Olivers allerdings auch. Nur Lars Pferd hat die Ruhe weg und bleibt gern mal zum Fressen stehen. Wir sehen Riesenschwärme von roten Ibissen, machen Rast am Fluß und können beobachten, wie knallgrüne Leguane aus den Bäumen hüpfen. Viele Vögel, Reiher, Störche, Ibisse in allen Farben, Falken, Adler, Geier und und und. Mein doofes Pferd schlägt nach hinten aus und trifft Tjark am Knie. Gottseidank ist nix passiert. Zurück im Camp ist kein Strom da. Woston ist weggefahren, um Benzin zu kaufen. Auf der Herfahrt gabs leider nix. Die Chavez-Gegner hatten durch Demonstrationen LKWs an der Durchfahrt gehindert. Deshalb gibt’s jetzt halt nix. Und wir haben nur noch einen Viertel Tank übrig. Das defekte Kabel ist repariert, Strom wieder da, nachdem wir schon bei Kerzenlicht Duschen waren. Abendessen und fertig machen zur Nachtpirsch. Etwas improvisiert. 2 auf dem Dach des Jeeps auf einem Holzbrett sitzend. Drei hängen hinten auf der Stossstange, die Oma und Lars bleiben drin. Wir sehen 11 verschiedene Tiere. Vom Frosch bis zum Ameisenbär, dem Mapucha (Waschbär?), Rehe, Falken, Schildkröten, Wasserschweine, Kaimane bis zum Abwinken. Die Augen der Kaimane leuchten im Dunkeln knallrot. Der Guide Ramon leuchtet mit einer Riesenlampe an den Straßenrand und in die Tümpel. Wir rumpeln über die Piste und fotografieren, wenns wegen der Dunkelheit geht. Zurück im Camp noch ein Abschlußbier und ab ins Bett bevor der Strom abgestellt wird. Dirk, dieser Tag hätte Dir auch gefallen.
Do 10.12. (Campamento de Canifistol, irgendwo in den Llanos) Mit nur einer Stunde Verspätung starten wir mit dem Jeep erneut auf Safari. Bald geht’s im Boot weiter. Wir sehen noch mehr Tiere. Unter anderem Süßwasserdelfine, Kaimane, Leguane, Schildkröten. Ramon angelt Piranhas mit orangefarbenen Bäuchen und scharfem Gebiss und wirft sie den Falken zu. Wir können kaum aufhören zu fotografieren. Melonenrast am Flussufer. Ein seltsames Tier hängt im Baum. Keine Ahnung, was das nachtaktive, jetzt unbewegliche Tier sein soll. Werde noch recherchieren müssen. Zurück zum Mittagessen. Nach einem Stündchen Siesta geht’s weiter auf Safari in die andere Richtung. Hier sind noch mehr Tiere zu sehen. Wir kommen gar nicht mehr aus dem Wasserschwein, Kaiman, Vögel und Landschaft bestaunen raus. Ramon hat uns eine Anakonda versprochen. Am ersten Wasserloch sind wir erfolglos, treffen allerdings auf eine Giftschlange, die besser nur von weiterem angeschaut werden sollte. Am Ufer eines langen Wasserloches steigen wir aus und dürfen nun Piranhas fischen. Schnur, Angelhaken und ein bißchen Hühnerfleisch dran. Fange gleich ein kleines Fischchen. Tjark beschließt, dass wir es wieder reinwerfen und uns auf größere beschränken sollten. Magalie und Lars haben gar kein Anglerglück. Oli fängt auch nur kleine Fische. Tjark, Mickey, Woston und Alberto sorgen fürs Abendbrot und fangen einen großen nach dem anderen. Unglaublich wie geschickt die Piranhas das Fleisch vom Haken fressen ohne, dass sie verletzt werden. Arlette, die Oma, schaut zu und macht Fotos. Ramon ist lange verschwunden, kommt nun mit einer ca. 3m großen Anakonda aus dem Sumpf wieder. Lars legt sie sich um den Hals und sie stinkt nach Moder oder Scheiße. Ramon und Woston waschen die Schlange jetzt erstmal im Fluss bevor wir sie uns einer nach dem anderen um den Hals legen. Boah, schwer ist die und irgendwie auch gefährlich, wenn sie gerade nicht so schlapp wär vor lauter Kampf mit Ramon. Glücklich nach Schlange stinkend, genießen wir das Sonnenuntergangsbier, an das Tjark gedacht hat. Was wollen wir mehr…. (gut, Oli will warmes Wasser) Nach dem Abendessen macht die Campensino-Band noch einheimische Musik für uns. Eine Art Harfe, eine Minigitarre und die berühmten „Muchas Maracas“, die Holzrasseln. Auf dem Hof leben ca. 10 Personen, eine Familie. Man spielt eine Art südamerikanisches Boule mit Riesen-Kugeln (so groß wie beim Kegeln) und hält sich Hunde und einen Papagei. Wer welche Aufgabe hat, hab ich nicht rausgefunden, ist eigentlich auch egal, alle Männer sind cool mit Cowboyhut und dickem Bauch, den sie sehr gerne in der Hitze entblößen. Die haben jedenfalls kein Problem mit Waschbärbäuchen. Dirk, dieser Tag hätte Dir auch gefallen.
Fr. 11.12. (gleiches Campamento im Nirgendwo) Heute hat Woston Hummeln im Arsch. Er weiß jetzt wo man Benzin kaufen kann. Und gesteht uns, dass seine Frau morgen seinen Sohn mit Kaiserschnitt bekommt. Gut, da haben wir Verständnis. Nach nur einer halben Stunde Verspätung geht’s in Richtung Barinitas. Rekord!!! Dort Mittagessen, Internet, Rumhängen. Wir hatten unser Busticket für den Nachtbus nach Caracas schon vorgestern in Barinas gekauft. Um halb elf sitzen wir im Bus. Lars wollen wir morgen nacht in Ciudad Bolivar in der Posada treffen. Wir hatten so viel Spaß beim Warten in der Posada, dass er sich spontan entscheidet nach 20stündiger Fahrt nach Ciudad Bolivar am Sonntag mit uns nach Canaima zu kommen. Die Nacht im Bus ist trotz dickem Pulli und Softshell scheißkalt. Oli muss aufs Klo, dass leider abgeschlossen ist, was eigentlich noch schlimmer ist, als gar keins zu haben. Ich schlafe halt, pack mir den schweren Rucksack auf die abgestorbenen Beine, weils dann etwas wärmer ist. Dirk, dieser Tag hätte Dir auch gefallen.
Sa 12.12. (Caracas) Heute morgen kommen wir um halb sieben in Caracas am Terminal La Bandera an. Wir fahren mit dem Taxi ins Hilton und beschließen von dieser Oase der Ruhe aus eine Stadtrundfahrt mit abschließendem Flughafentransfer zu buchen. Klappt alles gut. 2 englischsprachige Opis führen uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die sich wie immer in Südamerika um Simon Bolivar drehen. Humboldt war ja vor elf Jahren noch in. Ist aber seit Chavez-Zeiten out, Ausländer können und dürfen keine Volkshelden sein. Ich habe den Eindruck, dass alle damaligen Humboldt-Plätze inzwischen in Plaza Venezuela umbenannt worden sind. Humboldt ist hier auf jeden Fall nicht mehr erwähnt. Deutsche sind also auch out. Auf jeden Fall ist es interessant wie die Venezolaner über die Kolumbianer herziehen, so war’s umgekehrt ja auch. Die Nescafe-Tasse auf dem Hochhaus von vor elf Jahren gibt’s immer noch. Kann mich noch an den Weg zum Flughafen erinnern und an den Weg hinauf zum Hausberg Avila. Ansonsten mal wieder etwas dement, keine Ahnung, wo wir damals übernachtet haben und wo das berühmte Grillrestaurant mit dem besten Fleisch der Welt war. Thomas, weißt Du das noch? Oli schläft bei der Tour im Taxi zwar kurz mal ein, interessant findet er’s aber trotzdem 😉 Am Flughafen treffen wir Alex und fliegen um acht weiter nach Puerto Ordaz. In Cuidad Bolivar in der Posada Las Casitas ist unser Bett für heute Nacht. Schaumermal, ob Lars auch da ist oder auf der 20stündigen Busfahrt verhungert ist oder irgendwelche Militärposten aggressiv um Essen angegangen hat. Dirk, dieser Tag hätte Dir auch gefallen.
Nachtrag: Lars war im Las Casitas. Wir aber nicht. Wir sind fälschlicherweise im Hotel Valentina eingebucht worden. Diskussion mit dem Abholer und mit Peter vom Casitas. Leider erfolglos. Scheiß Colibris und Peter. Sind todmüde, genervt, nix zu essen, Hotel Scheiße, keine Geldwechselmöglichkeit und die Gegend ist gefährlich.

Kirche auf ca. 3000m

Kondor im Paramo

Lars und Oli im Paramo

Blümsche im Paramo

Oli und ich im Paramo

Paramo-Landschaft

Lagune im Paramo

Kaiman

Spaßfoto im Llanos Camp

Oli aufem Pferd

Eulen auf der Straße

Ich, Tjark, Michel, Magali, Arlette, Oli, Lars

Himmel über den Llanos

komischer Vogel

Wasserschweine

Piranha

Oli fängt die kleine Fische

Lars, Woston und ich

Oli und die Anakonda

die Anakonda und ich

Anakonda, größer als Lars