11.01.2010

Der Tafelberg-Traum geht in Erfüllung

Mi 30.12. (Santa Elena) Frühstück im Cafe Goldrausch. Große Tasche einlagern, der kleine Rucksack muß für 6 Tage ausreichen. Um ca. 9Uhr treffen wir uns am Backpacker-Tour Büro. Wann’s losgeht ist unklar, weils auch die Jeeps täglich ab 8Uhr fürs Benzin an der Tankstelle anstehen müssen. Alles klappt und wir brechen mit 2 Jeeps auf. Sind 14 in der Gruppe und treffen am Ausgangspunkt noch auf Penny, eine Agenturlose, die sich uns anschließt. Außer Waltraud, Sascha, dem deutschen Pärchen, ist noch Alexander 1 Österreicher dabei. Sara aus Kanada, Pavel aus der Ukraine, Penny auf UK, Adelaida und Ricardo aus Caracas, Jahel und Jose-Maria aus Kolumbien, Gaston und Guadeloupe aus El Salvador, Africa und Javier aus Spanien. Sprachenwirrwarr, wilde Mischung aus Spanisch und Englisch. Nur Sascha und Pavel können kein Spanisch und wir deutsch-österreicher Truppe verfallen auch gern mal in deutsch. Wir fahren jetzt erstmal 2h durch die Gran Sabana und können 7 Tafelberge sehen, darunter auch der Roraima und der gegenüberliegende Kukenan. Bin mal wieder fasziniert und kann mir nicht vorstellen, wie wir da raufkommen sollen. In San Francisco de Yuruani, dem letzten Militärcheckpoint und Pemon Dorf biegen wir von der asphaltierten Straße ab und rumpeln über eine Lehm-Schlaglochstraße nochmal ca. eine halbe Stunde bis nach Paraitepui. Hier ist die Imparques (Nationalpark) Station und der Ausgangspunkt für alle Roraima-Trekkings. Wer keine Tour gebucht hat, muß hier einen Guide nehmen. Hier werden Isomatten (oder sowas ähnliches) und Schlafsäcke verteilt und wir bekommen Sandwiches als letzte Stärkung. Die erste Hürde, wie befestigt man einen Schlafsack und einen Isomatte an einem Minirucksack. Klappt mit Waltrauds Hilfe, die als Kanuguide alles richtig verschnüren kann. Als wir uns in einem Buch registrieren lassen müssen, quetschen Jahel und ich den Parkwächter nach Pemon-Wörtern aus Waköpü Kurum heißt danke und Waköpü heißt Hallo oder wie geht’s. Letzte Toilette für 6 Tage und los geht’s auf den ca. 4 Stunden langen Weg zum ersten Camp am Rio Kukenan. Benetton, der Guide, ist irgendwie nervös, ich glaube, wir haben zuwenig Träger für die Zelte und das Essen. Der erste Wandertag ist ein Test für alle, damit Benetton sehen kann, wie fit wir sind. Das Tempo halten wir relativ hoch, die Sonne brennt, kein Baum, kein Schatten, die letzte Stunde vor dem Ziel hab ich keine Lust mehr und will nur noch ankommen. Das Camp ist relativ voll. Hier wohnt sogar eine Familie in einer Hütte und schiebt ein Kind im Kinderwagen durch die Gegend. Seltsam an diesem Ort, aber verständlich, da ja alles hergetragen werden muss. Oder alternativ haben wir Träger mit Mountainbikes gesehen. Sascha, Waltraud und ich gehen erstmal an den Fluss zum Waschen. Das Essen verzögert sich, weil andere unter unserem Dach kochen und essen. Mir egal, Sonnenuntergang am Roriama, der Mond geht auf über dem Roraima. Unvergesslicher Augenblick. Kann nicht mehr aufhören zu fotografieren. Heute abend gibt’s Spaghetti und danach die Erklärung von Benetton, wie die tragbare Toilette zu benutzen wäre. Er windet sich (solo lo segundo, en la bolsa…) und nachher weiß leider keiner wie’s geht und irgendwelche Fremde verschmutzen die Toilette sowieso, so dass keiner mehr drauf will. Jahel zeichnet und übersetzt die Instruktionen in englisch und spanisch und hängt das Papier im Toilettenzelt auf. Zu spät. Früh schon schlüpfen alle in die Zelte. Sara und ich sind in einem Zelt und sie lacht sich tot, weil ich nicht reinpaß ins Zelt und der Schlafsack zu kurz ist und ich deshalb in der Nacht schlecht schlafe, weil ich friere. Sara hat ihren eigenen Schlafsack und fühlt sich gut. Neid. Denke über alles mögliche nach und weiß immer noch nicht, ob ich fit genug für den Tepui bin.

Do 31.12. (Campo Rio Kukenan) Eigentlich soll’s früh losgehen, doch die anderen Gruppen blockieren uns mal wieder etwas in den Frühstücksvorbereitungen. Wasser ausem Fluß holen, Frühstück mit Eiern und am heutigen Tag gilt’s. 12Km, 800 Höhenmeter in der prallen Sonne bergauf wandern, da war der gestrigen Tag wirklich nur ein Spaziergang. Zuerst überqueren wir der Rio Kukenan in Strümpfen, das ist die Empfehlung von Benetton. Man rutscht nicht und die Trekkingstiefel bleiben trocken. Klappt gut. Dann kommen wir sogar noch an einer Kirche vorbei und erreichen den zweiten Fluß, den Rio Tek. Die letzte Teilgruppe, also wir, beschließen auf Benettons Empfehlung erstmal ein ausgiebiges Bad im eiskalten Fluß zu nehmen. Wunderbar. Die Vorausläufer teilweise ohne Gepäck wissen nicht, was sie verpassen. Dann geht’s weiter in der prallen Sonne. Die Landschaft wandelt sich, wir sehen fleischfressende Pflanzen, die röhrenähnlich aussehen und fast 1m groß sind. Wir nähern und der steilaufragenden Wand und können uns erstmalig vorstellen, dass es einen Weg rauf gibt, obwohl man den immer noch nicht klar sehen. Das Wetter ist immer noch super, soll heißen die Sonnen brennt runter. Wer hat eigentlich behauptet, dass es hier immer regnet? Nach ca. 4 h erreichen wir um ca. halb eins das Basecamp in einer buschbewachsenen Landschaft bevor es richtig steil den Berg rauf geht. Hier gibt keine Holzbänke mehr, nun heißt es auf dem Boden sitzen. Es gibt lecker Thunfischsalat und ich bin wirklich hungrig vom Laufen!!!! Wie kann Benetton unter so simplen Verhältnissen so gut kochen? Die Träger sind alle noch sehr jung, der jüngste vielleicht 10 Jahre alt und müssen zum Teil ca. 40 kg in geflochtenen Körben auf dem Rücken tragen. Raul, der wohl etwas ungeübt ist, kommt als letzter im Camp an. Ich frag mich, ob die Lateinamerikaner nicht vielleicht doch ihr Gepäck selbst tragen sollten. Ein kleines Flüßchen sorgt für Trinkwasser und man kann ein eiskaltes Bad nehmen. So kalt dass die Füße erstmal schmerzen, egal ich tauche sogar kurz ganz unter. Wie soll man sonst zumindest etwas sauber werden. Sara entdeckt eine knallgrüne Schlange direkt neben den Klamotten, die sie an einen Baum gehängt hat. Von wegen, hier laufen so viele Leute, dass es keine Spinnen und Schlangen gibt. Waltraud und Sascha entwickeln einen neue Tütenklostrategie ohne das Zelt (das immer an prominenter Stelle steht) benutzen zu müssen, die ich dann wohl im Bedarfsfall übernehmen werde. Hab ich erwähnt, dass man hier wirklich alles von Zelt zu Zelt hören kann. Sascha und Waltraud und Alexander und Pavel beziehen ihr Zelt in einer separaten Ecke mit Ausblick, angeblich um den Schnarchern zu entkommen. Wobei sich herausstellt, dass Pavel selbst ein starker Säger ist. Das Camp auf ca. 1.800m ist drumrum stark verschmutzt und ich frag Benetton nach Micropur-Tabletten, um das Wasser zu reinigen. Ich trau dem Wasser einfach nicht, ich kenn ja jetzt die starken Auswirkungen. Die Sonne geht mal wieder dramatisch unter und der Vollmond hüllt alles in fast schon helles Licht. Weil heute ja Silvester ist, stoßen wir mit venezolanischem Sekt (von Ricardo, dem Vielsprecher, spendiert) und Kakao mit Rum mehrfach an. Soll heißen, als es um halb sechs in der Ukraine soweit ist, dann in Deutschland/Österreich nochmal um halb sieben und dann nochmal für die Engländerin. Alle anderen Länder-Neujahre sind uns zu spät, weil wir ja morgen früh das härteste Stück Wanderung vor uns haben. Das ist echt mal ein anderer Silvesterabend…Heute ziehe ich 2 Vliespullis und die Skiunterhose an und das Zelt wird hermetisch verschlossen. Der zu kurze Schlafsack am Ende geöffnet, so dass die Füße in dicken Socken rausgucken, notfalls steck ich sie in den Rucksack zum Wärmen. Sara lacht mal wieder über mich, egal, diesmal schlaf ich richtig gut ohne die ganze Zeit aufzuwachen.

Fr 01.01.2010 (Basecamp Roraima) Früh aufstehen um 5Uhr und nach dem Frühstück legen wir los. Der Weg so steil, dass man ca. 40 Min klettern muß. Insgesamt sollen es 4h, 9km, 1000Höhenmeter zum Gipfel oder Plateau (?) des Tafelberges sein. Dann geht es steil durch den Wald. Interessante Fotomotive, Pflanzen, Miniwasserfall, die Wand am Wegesrand. Muss die Steilwand anfassen, kann nicht einschätzen, wie hoch es senkrecht bis zum Plateau geht. Bis zum Mirador sind es nochmal gut 1,5 Stunden. Am einem Wasserfall tanken wir die Flaschen auf. Gaston packt seine Filmkamera aus. Er schleppt das Riesending echt hier hoch. Ist sein Beruf sagt er und er darf nur für private Zwecke hier filmen und auch dafür hat er extra Ehrenparkwächter werden müssen. Komisch. Da geht’s halt ums Geld. Am Mirador sehen wir einen unglaublichen Blick bis zum Dorf von dem wir aufgebrochen sind. Bin schon ganz schön fertig. Doch das schlimmste kommt noch. Die Rampe oder der Sendero de Lagrimas. Gut, dass es nicht geregnet hat, ansonsten wärs hier saurutschig. Wir klettern sozusagen in einem Wasserfall steil die Rampe rauf. Das sieht kaum machbar aus und ich habe so einen Hunger, dass ich mich mit 2 Bonbons dope. Viele Leute kommen uns entgegen und schmettern uns ein Feliz Ano entgegen. Sie hatten Silvester hier verbracht, auch nicht schlecht. Oben auf dem Plateau angekommen, kann ich es kaum fassen. Adrenalin pur und ich setze mich sogar auf eine Felsnase direkt am Abgrund. Trotz Höhenangst. Die Landschaft ist schwarzfelsig mit Sümpfen und ganz seltsamen Pflanzen, Moosen und hartblättrigen Gewächsen umgeben. Die Büsche sind teilweise rostrot und überall liegen Quarzsteine rum. Wer hat diese Landschaft nur erfunden? Aus Zeit des Gotwana, also die Kontinenten noch zusammenhingen, sind diese Wunder der Natur entstanden und bei der Trennung der Kontinente übrig geblieben. Die Gran Sabana darunter war wohl noch vor 100 Jahren bewaldet und dann durch einen großen Brand so zerstört, dass sie sich nie wieder erholt hat. Diese Berge sind also unvorstellbar alt und man hat den Eindruck (volle esoterisch), dass auch dieser Berg obwohl schon so viele Leute hier rumrennnen, eine ganz besondere Kraft hat. Benetton sagt, dass er noch nie so gutes Wetter hatte und den Berg gar nicht kennt. Tja, wenn Engel reisen. Nach einer ausgiebigen Fotopause, gehen wir noch 1,5h bis zu unserem Hotel Sucre. Ich sterbe vor Hunger und wegen fehlender Energie bin ich entsetzlich langsam. Die Felsen sind so mystisch geformt, dass man überall Figuren oder sowas sehen kann. Ich kann mich immer noch nicht sattsehen. Als ich unter unseren Felsvorsprüngen im Hotel Sucre ankomme, fehlen Gaston und Guadeloupe, sie haben sich verlaufen und ich hab nicht geschnallt, dass sie noch hinter mir sind. Benetton macht Essen und geht auf die Suche. Gut, dass es sonnig ist und noch kein Nebel eingesetzt hat. Er findet sie und ca. 1h später als geplant, essen wir dann endlich den leckeren Rote-Bete-Salat. Ich hab noch nie so schnell einen Salat aufgegessen, so ausgehungert bin ich. Dann Wasser holen, im Trinkwasserpool und danach ein Bad im Bade- und Abspülpool. Net so lecker und saukalt. Ricardo macht Fotos von mir im Bikini und schmerzverzerrtem Gesicht. Später stellen Waltraud und Sascha fest, dass 3 aus unserer Gruppe im Trinkwasserreservoir gebadet haben. Mist, jetzt müssen wir alles abkochen. Clever gemacht!!! Wir sind oben!!! Wer will zum Yacuzzi wandern? Keiner will, außer Pavel, der Unermüdliche. Als ein paar Wolken auftauchen, es dunkel wird, wird’s gleich richtig kalt. Man bleibt besser unterm Felsvorsprung. Die Sterne gehen auf, funkeln und der Vollmond zeigt sich. Die Spanier warnen mich und lachen als ich fast an einer hell beleuchteten, gut sichtbaren Stelle aufs Klo gehen wollte. Es gibt mal wieder heiße Schokolade und ein Superabendessen aus dem Nix gezaubert. Guadeloupe erzählt, dass im Trickfilm „Von oben“ die beiden Ballonfahrer auch auf dem Roraima landen.Da wusst ich nicht, hätt ich doch nochmal ins 3D-Kino in Wiesloch gehen sollen, gell Martin 😉 Heute liege ich ca.eine Stunde mitten in der Nacht wach. Der Rücken tut weh, auf der Seite kann ich nicht liegen, da schmerzen mir Schulter und Hüfte. Die Matte ist einfach viel zu dünn. Und etwas kalt isses auch, obwohl ich doch schon alles anhab. Sogar die Skihandschuhe.  Sara und ich haben uns inzwischen den Weiterwegschläfern Waltraud+Sascha und Alex+Pavel angeschlossen. Doch Pavel sägt noch immer. Und lässt auch gerne mal Musik laufen, die nicht hierherpaßt. Feliz Ano!!!

Sa 02.01.2010 (auf dem Roraima, im Hotel Sucre) Heute ist ein entspannter Tag oben auf dem Tafelberg. Wir wandern verspätet (klar bei so vielen Leuten) zum Tal der Quarze, zum Yacuzzi, das sind einfach ein paar Wasserlöcher, dann zum Abyss, dem Abgrund, naja, hier geht’s fast überall steil runter, doch hier kann man näher ran, weil keine Winde zum Direktabsturz führen. Dann zum Ventana, dem Fenster mit Blick auf den Urwald von Guiana und auf den gegenüberliegenden Kukenan. Toll, ich setz mich sogar auf eine Felsnase, allerdings haben mich Pavel und Harrison, der Guideassistent am verschwitzten Händchen direkt dorthin geführt. Puh, bloß nicht runtergucken. Doch die Ausblicke sind so toll, dass Waltraud, Sascha und ich gar nicht mehr aus dem Staunen und Fotografieren rauskommen. Wo bleiben die anderen und noch wichtiger, Benetton mit dem Frühstück? Endlich sind alle und das Frühstück (Arepas!!!) da. Das Fenster zieht langsam mit Wolken zu, ich kann nicht aufhören zu schauen, die Landschaft ist einfach unglaublich schön. Dann gehen wir zur „Kathedrale“ das ist ein kleiner Wasserfall mit Quarzen gespickt. Der Platz ist mystisch. Waltraud und ich kopieren Jose-Maria und Ricardo und kleben mit der Stirn im Wasserfall. Das soll negative Energien aufsaugen. Aufem Foto sehen wir wie Idioten aus, egal, hat sich schön kühl und richtig gut angefühlt. Und wieder würd ich gern jede Pflanze hier fotografieren. Wir finden einen rote Libelle, die in (ja in) einem Wasserloch lebt. Leider wollen Ricardo und Benetton sie fangen, so dass sie einen Antenne und eine Fuß verliert. Das ist nicht wirklich Naturschutz! Wir baden im Yacuzzi, die Kälte des Wassers auf 2800m macht mir inzwischen nichts mehr aus und so bleiben wir ein bisschen drin, wie wenn es 25 Grad Wassertemperatur hätte. Um nix auf dem empfindlichen Berg zu verschmutzen, verzichte ich auf Seife und versuche meine Haare irgendwie zu säubern. Auf dem Rückweg will Benetton eine Abkürzung nehmen und wir verlaufen uns. Wir klettern über Felsen und springen über tiefe Spalten, Sara kriegt Panik, Penny verstaucht sich fast den Fuß und Gastons Knie schmerzt so sehr, dass er nur noch sehr langsam und mit Stock gehen kann. Das ist eine echte Vorbereitung für morgen. Die Jungs, d.h. die Träger, aus dem Camp winken uns zu. Sie sind auf die Felsen geklettert, damit wir den Weg finden. Wir brauchen ewig und ich hab schon wieder sooooooooo Hunger. Als wir ankommen sind alle froh, wir essen lecker Burger mit gebratener Mortadella. Heute ist Tüten- und Mortadella-Tag! Ich lauf heute wieder (wie schon am Salto Angel) mit der Plastiktüte durch die Gegend und zum Frühstück, Mittag und Abendessen gibt’s leckere gebratene Mortadella-Wurst. Penny kocht ihre Suppe versehentlich mit Kerosin statt mit Wasser und isst gottseidank nur einen Löffel davon. Und ich hab mich schon gewundert, was hier so unglaublich nach Benzin stinkt. Jetzt werden Weinvorräte und Cinzano von Pavel und Rum von Alex unters Volk gebracht. Das haben die echt hochgeschleppt? Naja, den Wein mussten die Träger hochbringen. Alkohol wärmt, trotzdem hab ich den Eindruck, dass es heute richtig kalt werden könnte im Zelt. Waltraud überläßt uns ihre Rettungsfolie für alle Fälle und ich erinnere mich, dass ich sowas natürlich auch hab, allerdings im Hotel in Santa Elena. So knistern Sara und ich uns durch die Nacht, wie zwei Schokoriegel, die man aus der Knisterfolie auspackt. Mich störts nicht, ich schlafe gut, bis auf die obligatorisch Wachliegstunde mitten in der Nacht. Die Schnarcher beschweren sich am nächsten Morgen, was wir denn in der ganzen Nacht in irgendwelchen Plastiktüten gesucht hätten. Ich sag ja, Tag der Plastiktüte!

So 03.01.2010 (Hotel Sucre, oben auf dem Roraima) Heute liegt der Monsterabstieg vor uns. Sara hatte schon Albträume und ich bin auch etwas nervös. Wird das Knie halten? Wie siehts mit meiner Energie aus? Ich schnorre noch Kekse von Alex und besorge mir Bonbons von Benetton. Die Rampe ist schwierig, aber gut machbar. Da die hinter mir sehr langsam gehen, mit Sara, die ein Abgrundpanikproblem bekommt und jegliches Gepäck abgibt. Gaston mit kaputten Knie und Guadeloupe, die auf ihn wartet. Die Spanier sind vor mir und ich laufe sehr lange alleine und konzentriere mich voll auf den Weg. Dann biegen die Spanier plötzlich falsch ab, ich rufe, sie kommen wieder und wir warten, um zu sehen, wo es langgeht. Das letzte extrem steile Stück kurz vor dem Basecamp nehme ich mit teilweise auf dem Hosenboden sitzen oder stütze mich voll mit den Armen ab. Bloß die Knie nicht überbelasten, ist meine Devise! So wenig wie möglich springen. Klappt gut. Bin trotzdem fertig im Basecamp. Gut, dass es nochmal Thunfischsalat gibt. Wir müssen jetzt am Nachmittag weiterlaufen zum 1. Camp. Also nochmal 12km bergab und leider ist wieder sehr heiß. Ich freue mich so sehr aufs Baden im Fluss!!! Ich gehe jetzt die meiste Zeit mit Sara und Penny. Sara hat wieder ihre alte Form gefunden. Und wir unterhalten uns über alles mögliche. Als wir endlich am Fluss ankommen, bleibt es bei einem kurzen Bad, weil die Moskitos unerträglich sind. Weiter zum Camp und dort dann endlich mal richtig im Fluß waschen. Juhu! Wir bekommen Wein zum Abendessen und die letzten Rumreste werden vernichtet. Die Stimmung ist super!!! Wir tauschen unsere Lieblingseindrücke, -erlebnisse und -erinnerungen vom Roraima aus. Die ersten sind schon volltrunken, als ich todmüde ins Bett taumele. Es spielen sich wohl noch einige dramatische Szenen ab. Ein Paar trennt sich noch in dieser Nacht, falls sie überhaupt zusammen waren…. und eine tanzt noch auf dem Tisch. Ich krieg nix mit und schlaf tief und fest. Verdient nach 23km steil bergab laufen.

Mo 04.01.2010 (Camp Rio Kukenan) Die Muskeln schmerzen beim Aufstehen, ich fühl mich noch etwas schwach. Wir haben noch ca. 10km vor uns. Nicht schwierig, aber die Landschaft ist etwas langweilig. Wieder gehen Sara, Penny und ich zusammen und schwätzen. Wir treffen zufällig auf Benettons Bruder, dem wir von unseren Keksen und Guavesüßigkeiten abgeben. Er erzählt, dass der 29 Leute auf den Roraima bringen wird. Es war über Silvester schon sehr viel los, aber dass die Hochsaison weitergeht, war mir nicht klar. Bin froh, dass wir dann doch kaum Leute auf dem Berg selbst gesehen haben. Als wir in Paraitepui eintreffen, ist alles voll mit Jeeps und es beginnt zu regnen. Auf dem Roraima selbst hat es sich schon früher zugezogen und regnet sicher schon. Wir haben so ein Glück!!!! Jetzt ne Cola. Ich geh noch die letzten Schritte zum Shop und kaufe, die teuerste Coladose Venezuelas, doch es lohnt sich. Eiskalte Coca-Cola ist für mich Energie pur und ein inzwischen ein Zeichen für Zivilisation! Wir bekommen in Tupperware gefüllt, ein leckeres Essen aus Santa Elena. Dann zurück mit dem Jeep. Eric von Backpacker hat mir empfohlen gleich an die Grenze zu fahren und die Aus- und Einreisestempel zu besorgen, da ich die Formalitäten morgens mit dem frühen Bus nicht erledigen kann, weil die Büros an der Grenze noch nicht geöffnet sind. Ich hab fast als einzige noch ein Zimmer für die Nacht, so dass ein paar bei mir duschen dürfen. Penny kriegt kein Zimmer mehr und darf bei mir schlafen. Mein Grenzgang war nur teilweise erfolgreich. Habe zwar den Ausreisestempel von Venezuela, für den Einreisestempel nach Brasilien wars zu spät, da die ja wieder eine halbe Stunde Zeit voraus sind. Dann halt morgen früh. Penny und ich gehen noch etwas essen. Sie nimmt eine scharfe Sauce, die ich auch probiere und lecker finde. Sie stellt dann leider fest, dass diese aus Ameisen gemacht wird, die in der Sauce und jetzt in ihrem Reis schwimmen. Finds auch eklig, auf mein Anraten isst sie halt dann drumrum. Leider finden wir die anderen nicht, die sich vor der Nachtbusfahrt mit Süßigkeiten und Kaffee in der tollsten Panaderia von Santa Elena stärken. Verabschiedung dann erst als alle ihre Sachen aus meinem Zimmer abholen. Waltraud und Sascha möchte ich unbedingt wiedersehen! Leider hab ich die Email von Jahel nicht bekommen, könnt ihr vielleicht Kontakt mit mir aufnehmen? Penny geht um sieben ins Bett, ich versuche eine Internetverbindung aufzubauen. Klappt nicht. Muss schlafen.

Los geht's

Los geht's

die Roraima-Truppe

die Roraima-Truppe

Hütte am Weg

Hütte am Weg

Kukenan Tepui

Kukenan Tepui

beide Tafelberge

beide Tafelberge

Roraima bei Vollmond

Roraima bei Vollmond

same

same

und nochmal

und nochmal

nächstes Camp

nächstes Camp

dramatischer Sonnenuntergang am Roraima

dramatischer Sonnenuntergang am Roraima

boah

boah

mit Zelt

mit Zelt

Kukenan vom Roraima

Kukenan vom Roraima

an der Kante des Roraima

an der Kante des Roraima

Essen aufem Tafelberg

Essen aufem Tafelberg

La Ventana

La Ventana

Am Abgrund

Am Abgrund

schon wieder am Abgrund

schon wieder am Abgrund

La Ventana

La Ventana

da kommen die Wolken rein

da kommen die Wolken rein

so isses aufem Tafelberg

so isses aufem Tafelberg

über den Wolken...

über den Wolken...

Benetton springt rückwärts in den Yacuzzi

Benetton springt rückwärts in den Yacuzzi

so kalt sieht das Wasser gar nicht aus

so kalt sieht das Wasser gar nicht aus

Toiletten-Thron

Toiletten-Thron

schon wieder unten

schon wieder unten

alle heil zurück

alle heil zurück

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